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Buglas Studie: Glasfaserbetreiber wollen Kabelnetz ausschalten

FTTH sei Koaxialnetzen überlegen, heißt es in einer Studie des Buglas, dem die Telekom angehört. Doch Docsis 4.0 kommt nicht vor.
/ Achim Sawall
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Mediacom baut massiv Docsis 4.0 aus (Bild: Mediacom)
Mediacom baut massiv Docsis 4.0 aus Bild: Mediacom

Die bestehenden Koaxialnetze können Investitionen für den Glasfaserausbau verzögern. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie(öffnet im neuen Fenster) des Marketingprofessors Jens Böcker im Auftrag des Bundesverbands Glasfaseranschluss (Buglas)(öffnet im neuen Fenster) , die am 27. Januar 2026 im Bundestag vorgestellt wurde. Die Deutsche Telekom, in Österreich selbst Kabelnetzbetreiber, ist im Buglas ein sehr einflussreiches Mitglied.

"Die vorhandene HFC-Netzinfrastruktur deckt rund zwei Drittel der Haushalte ab und bietet Betreibern eine Alternative mit mittelfristigen Kostenvorteilen" , erklären die Autoren. "Investitionen in den eigenwirtschaftlichen Glasfaserausbau werden dadurch räumlich und zeitlich beeinflusst, da in diesen Gebieten die Kundenbindung fortgesetzt und der Bedarf für FTTH-Netze gehemmt werden kann."

HFC-Netze ermöglichten schnelle Aufrüstungen auf hohe Download-Geschwindigkeiten, seien jedoch bei Upload (theoretisch 1-2 GBit/s bei Docsis 3.1 vs. 10 GBit/s bei XGS-PON) und Skalierbarkeit limitiert. Dies führe mittelfristig zu steigenden operativen Kosten durch höheren Wartungsaufwand, insbesondere im Access-Netz, heißt es in der Studie. Dieser sei 15- bis 20-mal höher als bei Glasfaser, bei einem Energieverbrauch, der zwei- bis dreimal höher sei als bei Glasfaser, was den Kipppunkt zugunsten von Glasfaser-Investitionen beschleunigt. "Langfristig überwiegen die Vorteile von Glasfaser durch eine bessere Wirtschaftlichkeit und Resilienz" , folgern die Autoren.

Was der Buglas erreichen will

Der Buglas will mit der Studie offenbar erreichen, dass bei der geplanten Kupferabschaltung in Deutschland das Koaxialkabel nicht weiter ausgenommen wird. Tatsächlich stehen Kabelnetzbetreiber langfristig vor der Entscheidung, entweder auf Docsis 4.0 aufzurüsten oder ihr Netz mit Glasfaser zu überbauen. Dabei bleibt das Kabelnetz aber beim Energieverbrauch der Glasfaser unterlegen.

Was die Studie nicht behandelt: In den USA ist Docsis 4.0 technisch Realität , für die breite Masse der Kunden aber noch nicht verfügbar. Vodafone Deutschland erklärte dagegen Golem auf Anfrage: "Auch ein Blick in die USA und in viele weitere Nationen zeigt: Wo im großen Stil auf Gigabit gesetzt wird, wird häufig auch im großen Stil auf Kabel-Glasfaser gesetzt."

Comcast (Xfinity) ist der erste US-Betreiber, der Docsis 4.0 flächendeckend in Ballungsräumen einführte. Das Unternehmen setzt auf den FDX-Pfad (Full Duplex), der gleichzeitiges Senden und Empfangen auf denselben Frequenzen erlaubt. Vermarktet unter dem Namen X-Class Internet, bietet Comcast symmetrische Datenraten von bis zu 2 GBit/s an. Der kleinere Betreiber Mediacom Cable versorgt seit Ende 2025 erste Live-Kunden in Regionen wie den Quad Citys (Moline, Illinois). Bis Ende 2026 sollen rund eine Million Haushalte (ein Drittel ihres Netzes) mit symmetrischen Multi-Gigabit-Geschwindigkeiten versorgt sein.

Buglas-Gutachen: Eine Nebelkerze

Charter korrigierte seinen ursprünglichen Zeitplan zwar leicht nach hinten, befindet sich aber in der Hauptphase seines dreistufigen Upgrades. Charter plant, bis Ende 2026 den Großteil seines 55-Millionen-Haushalte-Netzes fit für 5 bis 10 GBit/s zu haben. Cox Communications befindet sich in der Implementierungsphase seiner 10G-Roadmap. Durch die geplante Fusion mit Charter harmonisieren die Unternehmen ihre Netzwerkstrategie hin zu Docsis 4.0 ESD.

Sven Knapp, Geschäftsleitung Hauptstadtbüro des Glasfaserverbands Breko, sagte Golem auf Anfrage: "Das Gutachten ist eine Nebelkerze: Es soll bewusst vom Kernproblem ablenken – dem längst überfälligen, verbraucher- und wettbewerbsfreundlichen DSL-Ausstieg. Andere europäische Länder haben den geordneten Übergang von DSL auf Glasfaser längst umgesetzt. " Deutschland dürfe hier nicht länger hinterherhinken. Der Entwurf des Digital Networks Act der EU und das Regulierungskonzept der Bundesnetzagentur setzten zu Recht genau dort an: bei der Abschaltung des nicht zukunftsfähigen Kupfernetzes der Ex-Monopolisten. "Darüber sollten wir reden – nicht über Ablenkungsgutachten" , betonte er.

Tele Columbus-Sprecher Sebastian Artymiak sagte Golem: "In städtischen Gebieten unterscheiden sich unsere IP-Angebote preislich nicht zwischen HFC und Glasfaser. Diesen Punkt vernachlässigt die Studie. Es stimmt also nicht, dass wir die Kunden auf der HFC-Infrastruktur aufgrund des Preises halten, wenn Glasfaser anliegt."


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