Buglas: Stadtnetzbetreiber wollen selbst 5G-Netze anbieten

City-Carrier wollen künftig selbst 5G-Netze betreiben. Das sagte Theo Weirich, Präsident des Bundesverbands Glasfaseranschluss (Buglas) und Geschäftsführer des Stadtnetzbetreibers Wilhelm.tel, am 6. Dezember 2017 Golem.de auf Anfrage. "Ob wir selber 5G machen wollen? Aber natürlich. Wir wollen nicht nur die nützlichen Idioten sein."
Es gehe beim Glasfaserausbau um 5G, sagte Weirich auf der Buglas-Jahrestagung. Die Glasfaserinfrastruktur dafür hätten die kommunalen Betreiber, die 5G-Lizenzen würden 2018 vergeben. Die nächste Generation von Glasfaser werde sogar Datenübertragungsraten von 10 GBit/s erlauben.
Das wird laut Buglas-Präsident mit Koaxialkabel ökonomisch nicht machbar sein. Auch das Kabelnetz werde nicht ohne den vollen Glasfaserausbau auskommen. "Es gibt sehr hohe Energiekosten durch symmetrisches Gigabit im TV-Kabelnetz mit Koaxial, das weiß ich, weil wir selbst Kabelnetzbetreiber sind" , sagte Weirich.
Braucht Full Duplex Docsis 3.1 zu viel Energie?
Die technischen Spezifikationen für Full Duplex Docsis 3.1 sind seit Oktober 2017 fertig. Laut Cablelabs , einer gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungsorganisation der international tätigen Kabelnetzbetreiber, soll Full-Duplex-Docsis-Technik symmetrische Multigigabit-Dienste ermöglichen, indem gleichzeitig Übertragungen im selben Spektrum ermöglicht werden, wodurch die Upstream-Kapazität erhöht werden kann, ohne die Downstream-Kapazität zu beeinträchtigen.
5G solle "in Richtung Wi-Fi gehen, um Gigabit To The Air anzubieten. Es ist kein 5G ohne Glasfaseranschluss pro Haus möglich" , betonte Weirich.
Die M-Net-Chefin Dorit Bode sagte, das Breitbandziel von 50 MBit/s ziele nur auf den Download ab. "Wir sollten uns für ein Glasfaserinfrastrukturziel einsetzen, nur Glasfaser ist die Technologie, die uns nach vorn bringt." Denn die Erwartung der Kunden sei: Immer mehr Bandbreite zum gleichen Preis. Sie forderte Glasfaser Voucher zwischen 500 und 1.000 Euro für die privaten Haushalte finanziert etwa über die Kreditanstalt für Wiederaufbau oder die volle steuerliche Absetzbarkeit der Hausanschlüsse.
Google Street View statt Ortsbegehung
"Um in Glasfaser zu investieren, braucht man einen langen Atem, Open Access ist ganz entscheidend" , sagte Timo von Lepel, Geschäftsführer des Stadtnetzbetreibers Netcologne. Er wünschte sich weniger Bürokratie beim Glasfaserausbau. Google Street View solle genutzt werden, statt jedes Mal eine Ortsbegehung pro Baustelle zu machen. Der Stadtnetzbetreiber will 70 Prozent aller Haushalte mit Glasfaser anschließen.
Laut Buglas-Geschäftsführer Wolfgang Heer sind 85 Unternehmen in dem Verband, knapp die Hälfte davon bauten FTTH/B-Netze (Fiber To The Building/Home). Von den Firmen würden 2,1 Millionen dieser Zugänge bereitgestellt. Die Gesamtzahl der FttB/H-Anschlüsse in Deutschland liegt zum Jahresende 2017 bei etwa 3,1 Millionen. Bis Ende 2019 sollten fast 1 Million weitere folgen.



