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Bürosoftware: Euro-Office startet mit viel Kritik in Version 1.0

Ein europäisches Firmenbündnis veröffentlicht Euro-Office 1.0. Die Macher von Libreoffice kritisieren das Open-Source-Projekt.
/ Nils Matthiesen
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Euro-Office startet Version 1.0 (Bild: Euro Office / Screenshot Golem)
Euro-Office startet Version 1.0 Bild: Euro Office / Screenshot Golem

Das europäische Firmenbündnis um Nextcloud und Ionos hat die erste stabile Version der webbasierten Bürosoftware Euro-Office veröffentlicht. Das Projekt dient als quelloffene Alternative zu US-Diensten wie Microsoft 365 und Google Workspace.

Euro-Office basiert technisch auf einem Software-Fork des Projekts Onlyoffice. Die Entwickler verfolgen das Ziel, die digitale Souveränität in Europa zu stärken und Behörden sowie Unternehmen unabhängiger von US-Konzernen zu machen. Das System ist für die Integration in bestehende Cloud-Umgebungen konzipiert und lässt sich auf eigenen Servern betreiben.

Zum Start der Version 1.0 am 9. Juni 2026 äußert The Document Foundation (TDF), die Organisation hinter Libreoffice, in einem offenen Brief(öffnet im neuen Fenster) deutliche Kritik. TDF wirft dem Projekt vor, die eigenen Ziele zu verfehlen.

Streit um das standardmäßige Dateiformat

Die Foundation stört vor allem die Wahl des Dateiformats. Euro-Office nutzt standardmäßig das von Microsoft entwickelte OOXML-Format, das die Stiftung als pseudo-offen bezeichnet. TDF-Vorstandsmitglied Italo Vignoli argumentiert, dass OOXML gezielt entworfen worden sei, um Nutzer an das Ökosystem von Microsoft zu binden. Ein freier Austausch von Inhalten sei nur mit dem offenen Standard ODF möglich.

Durch die Nutzung von OOXML werde Euro-Office zu einem De-facto-Verbündeten von Microsoft im Kampf gegen die europäische Unabhängigkeit. Die Kritiker befürchten, dass Anwender trotz offener Software weiterhin in proprietären Strukturen gefangen bleiben. Zudem sei die Umsetzung des OOXML-Standards oft komplex, was in der Praxis zu Anzeigefehlern bei Formatierungen führen kann.

Falsche Behauptungen im Marketing

Zudem kritisiert die Stiftung das Marketing von Euro-Office. Die Behauptung sei falsch, dass es sich um das erste in Europa entwickelte Open-Source-Office handele. Das Projekt Openoffice.org startete bereits im Jahr 2000, die erste offizielle Version 1.0 erschien am 1. Mai 2002. Im Jahr 2010 folgte Libreoffice.

Beide Projekte bieten seit Jahrzehnten echten quelloffenen Code für Millionen Nutzer weltweit. Während Libreoffice mit der Gründung der TDF in Berlin klare europäische Wurzeln besitzt, liegt die Historie von Openoffice bei der deutschen Stardivision. Dann übernahm das US-Unternehmen Sun Microsystems die Steuerung.

Die ursprünglichen Entwickler von Onlyoffice zeigten sich vorab wenig begeistert über die Abspaltung ihres Codes. Gleichzeitig merkt die TDF an, dass viele heutige Verfechter der digitalen Souveränität den offenen ODF-Standard in der Vergangenheit ignoriert hätten. Das beeinträchtigt nun die Glaubwürdigkeit von Euro-Office.


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