Bürokratie oder Profitlogik: Netzbetreiber begründen, warum Funklöcher länger bleiben

Die Deutsche Telekom und Vodafone haben dazu Stellung genommen, dass Funklöcher immer langsamer geschlossen werden. Telekom-Sprecher Adrian Sanchez sagte Golem auf Anfrage: "Die komplette Fläche Deutschlands mit Mobilfunk zu versorgen, ist eine große Herausforderung. Das bedeutet unter anderem, dass wir auch in Naturschutzgebieten oder schwer zugänglichen Regionen Mobilfunkstandorte errichten müssen – und das ist bekanntlich nicht einfach."
Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Abbau der Lücken fast halbiert. Für 85 Prozent der Netzlücken steht jetzt schon fest, dass sie mindestens ein Jahr nicht geschlossen werden, ergab eine aktuelle Auswertung .
Sanchez vom Marktführer Telekom betonte, Funklöcher und nicht ausreichend versorgte Gebiete lägen überproportional häufig dort, wo sich die klassischen Herausforderungen beim Mobilfunkausbau wie Genehmigungen und Stromversorgung noch einmal potenzierten. Daher fordere die Branche Genehmigungsfiktion und Priorisierung beziehungsweise Unterstützung für die Stromanbindung neuer Standorte.
Telekom: Rund zehn Jahre verhandelt
"Ein praktisches Beispiel für die Herausforderungen ist der Müritz-Nationalpark" , sagte Sanchez. "Dort haben wir rund zehn Jahre verhandelt, um entlang einer IC-Strecke ein etwa 30 Kilometer langes Funkloch zu schließen. Solche Standorte sind zudem besonders kostenintensiv, weil Strom- und Glasfaseranbindungen aufwendig neu geschaffen werden müssen."
Rund 30 Prozent der Fläche Deutschlands sind Wald, etwa 6,5 Prozent stehen unter Naturschutz. In diesen Gebieten würden neue Mobilfunkmasten häufig gar nicht oder nur mit langen Verzögerungen genehmigt. Die Frage der praktischen Umsetzbarkeit durch die Mitwirkung von Politik, Kommunen und Eigentümern bleibe daher zentral.
Laut Auswertung von Angaben der Bundesnetzagentur ist aber, etwa im Berchtesgadener Land auf fast einem Viertel der gesamten Fläche kein mobiles Surfen möglich – nicht nur für Bewohner, sondern auch für Urlauber in der beliebten Ferienregion ein anhaltendes Ärgernis. Rund ein Siebtel der bundesdeutschen Fläche (13,3 Prozent) ist nicht ausreichend mit Mobilfunk versorgt. In diesen Regionen können maximal zwei Netzbetreiber eine mobile Datennutzung über 4G oder 5G anbieten.
Gemeinsame Nutzung von Sendemasten gelebte Praxis
Vodafone-Sprecher Volker Petendorf betonte: Es gebe "in Deutschland auch besiedelte Gebiete, die aufgrund der topografischen Gegebenheiten schwierig zu versorgen sind. Und es gibt dünn besiedelte Orte, in denen es sich aufgrund der hohen Investitions- und Erschließungskosten im mittleren sechsstelligen Eurobereich sowie der laufenden Betriebskosten für keinen Netzbetreiber lohnt, einen Funkmast zu errichten. Funklöcher in solchen unwirtschaftlichen Gebieten werden daher unter anderem mit Unterstützung von Förderprogrammen geschlossen."
Mobilfunkstandorte in Deutschland würden immer so konzipiert, dass sie von allen Netzbetreibern genutzt werden können. Die gemeinsame Nutzung von Sendemasten sei gelebte Praxis. Auch bei Neubaustandorten zur Schließung von Funklöchern (White Spots) übernehme in der Regel das Funkturmunternehmen eines Netzbetreibers die Federführung – und die anderen Netzbetreiber nutzten diesen Standort mit, indem sie dort ihre eigenen Antennen installieren.
Oft dauere es laut Petendorf mehrere Jahre von den ersten Planungen für eine neue Mobilfunkstation bis zur Inbetriebnahme. Umso wichtiger sei es, dass solche Neubauvorhaben nicht auch noch durch überlange Genehmigungsverfahren unnötig in die Länge gezogen werden.
149 Gemeinden in Deutschland haben laut der Auswertung von Verivox jedoch auf mindestens einem Fünftel ihrer Fläche überhaupt kein Datennetz; im Extremfall beträgt die Funklochdichte bis zu 98 Prozent.
Telefonica Deutschland hat unsere Anfrage seit drei Tagen nicht beantwortet.