Büroanwendungen: Erneute Gerüchte um MS Office für Linux
Für Mac OS X soll es eine neue Version von Microsofts Office Paket noch vor Ende 2014 geben. Dafür wurde die Entwicklungsabteilung reorganisiert, um die Veröffentlichung von Cross-Plattform-Versionen der Bürosoftware-Suite zu ermöglichen. Das sagte der deutsche Leiter der Office-Abteilung Thorsten Hübschen der Computerwoche auf der Cebit 2014 . Kurz zuvor hatte Microsoft auf der Sharepoint-Konferenz ein Office-SDK für Android präsentiert.
Daraus leiten einige Webseiten ab, dass es demnächst auch eine Linux-Version von Microsofts Office geben werde. Denn der Schritt von Android zu Linux sei für die Entwickler kein großer. Tatsächlich würden sich diese beiden Versionen allerdings erheblich unterscheiden. Zum einen haben Linux und Android zwar den Linux-Kernel gemeinsam, aber nicht die Bibliotheken oder die Toolkits. Apps unter Android laufen auf der Java-basierten Dalvik-Engine. Unter Linux gibt es OpenJDK und sogar natives Java, allerdings würde Microsofts gesamtes Officepaket auf Java vermutlich deutlich langsamer laufen als unter den nativen Bibliotheken.
Zu viel zu portieren
Selbst wenn Microsoft die Variante für Mac OS X als Basis nähme, müsste das gesamte Office-Paket zahlreiche Änderungen unterlaufen. Da die Benutzeroberfläche einen großen Teil der Anwendungen ausmacht, müsste diese auch auf eine der Linux-Toolkits portiert werden. Der Schritt von der Mac-OS-X-Variante oder gar einer Android-Version ist demnach weit komplizierter als gemeinhin angenommen.
Bleibt also die Frage, ob es sich für Microsoft überhaupt lohnen würde, sein Office-Paket auf Linux zu portieren. Für Linux gibt es bereits Libreoffice, Openoffice.org, Latex und diverse andere Textverarbeitungen, Editoren, Tabellenkalkulations- und Präsentationsprogramme, PIMs, E-Mail-Anwendungen und Kalender. Es ist daher fraglich, ob sich Linux-Benutzer für das kostenpflichtige Office-Paket von Microsoft interessieren würden. Wer es dennoch verwenden will, kann zumindest ältere Versionen von MS-Office unter Wine nutzen.
Mögliche Abnehmer wären Behörden oder Stadtverwaltungen, die Linux einsetzen, aber Probleme mit dem Dokumentenaustausch mit anderen Behörden haben, die Windows einsetzen. Linux hat aber nur eine weltweite Verbreitung von nur ein paar Prozent. Das ist ebenfalls kein zwingender Grund, um ein riesiges Büropaket zu portieren.
Bereits Anfang 2013 wurde berichtet , dass Microsoft "ernsthaft" überlege, sein Office-Paket auf Linux zu portieren. Möglicherweise war zu dem Zeitpunkt Android gemeint. Oder Microsoft schafft tatsächlich eine Linux-Variante, weil "sie es können." Das ist aber unwahrscheinlich.
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