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Die Erde als kosmische Touristenattraktion

3. Harry Josephine Giles – Deep Wheel Orcadia (Europa; unbedingt im Original lesen)(öffnet im neuen Fenster)

Astrid kehrt von der Kunsthochschule auf dem Mars zurück nach Hause auf eine zunehmend verlassene Raumstation am Rande des bewohnten Alls. Dort ringt eine kleine Gemeinschaft dem Umfeld eines Gasriesen ihr Überleben ab, während die große Welt sie zu vergessen scheint. Und Astrid begegnet Darling, die vor einem Leben auf der Flucht ist, das ihr nie gepasst hat.

In dem Buch, das mit dem Arthur-C.-Clarke-Preis ausgezeichnet wurde, geht es um Heimat, Liebe, Verlust und Sehnsucht, verfasst in Versen im Orkney-Dialekt mit paralleler Übersetzung. Deutsch scheint irgendwo dazwischen zu liegen und ermöglicht ab und zu Einblicke in die geheimnisvolle Welt des vom Verklingen bedrohten Originals. Bleibt am Ende jemand auf Orcadia zurück? Oder verschwindet diese Welt für immer?

4. Grace L. Dillon (Hg.) – Walking the Clouds (Indigene Science Fiction; leider noch nicht ins Deutsche übersetzt)(öffnet im neuen Fenster)

Stellt euch vor, die Apokalypse wäre längst geschehen. Ohne Atomkrieg. Ohne Nanobots. In Grace L. Dillons Sammlung ist die Gegenwart nämlich postapokalyptisch. Denn genau so scheint es den Autorinnen und Autoren diverser indigener Völker, in deren wunderbaren Geschichten die eigene Welt bereits ausgelöscht ist.

Zauberei und Zeitreisen sind hier keine Fiktion, sondern genauso Teil der Realität wie Verbrenner und Klimawandel. Mit Walking the Clouds verschafft uns Dillon einen Überblick über die unterschiedlichsten Strömungen einer vollkommen anderen Weltsicht. Science-Fiction ist hier kein Eskapismus. Denn wenn man die Postapokalypse längst lebt, kann Science-Fiction zur Überlebensstrategie werden.

5. Yoss – A Planet for Rent (Karibik; Üb. ins Englische: David Frye)(öffnet im neuen Fenster)

Mal wieder ist die Erde am Ende vor lauter Umweltzerstörung, Armut und Perspektivlosigkeit. Dann kommen die Aliens und "retten" uns. Sie verwandeln den Planeten in eine kosmische Touristenattraktion, und es passiert, was überall geschieht, wo Tourismus die Überhand gewinnt. Die Einheimischen werden zu Wesen zweiter Klasse. Sie haben eine Zukunft – aber zu welchem Preis?

Yoss kritisiert damit sein heimisches Kuba, vor allem die 1990er Jahre, als die kommunistische Diktatur nach dem Fall der Sowjetunion einen eigenen Weg finden musste. Aber die Allegorie ist global. Düster und fast hoffnungslos geht es um Ausbeutung, Korruption und Kolonialismus. Yoss' dunkler Humor bleibt – aber stets mit schalem Nachgeschmack.


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