Browsererweiterung: Facebook geht gegen Entwickler vor

Ein Entwickler darf keine Tools mehr schreiben, die mit Facebook interagieren und wurde von der Plattform verbannt - lebenslang.

Artikel veröffentlicht am ,
Facebook geht gegen Entwickler und Forscher vor.
Facebook geht gegen Entwickler und Forscher vor. (Bild: Book Catalog/CC-BY 2.0)

Der britische Entwickler Louis Barclay hat ein Tool entwickelt, das Menschen weniger abhängig von Facebook machen sollte. Doch Facebook hat ihm eine Unterlassungserklärung geschickt und ihn aus dem sozialen Netzwerk verbannt. Nach Angaben des Entwicklers lebenslang.

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Eigentlich mochte Barclay Facebook. Doch irgendwann stellte er fest, dass er den Newsfeed, der einen begrüßt, wenn man sich bei Facebook einloggt, eigentlich nicht braucht. "Der Newsfeed ist das, was die Menschen stundenlang an die Plattform fesselt, oft sogar täglich; ohne ihn würde die auf dem Netzwerk verbrachte Zeit erheblich sinken", schreibt Barclay in einem Blogeintrag.

Gleichzeitig ist der Newsfeed die wichtigste Einnahmequelle für Facebook, weil hier die meisten Anzeigen angesehen und angeklickt werden. Barclay löschte den Newsfeed, in dem er all seinen Freunden und Gruppen entfolgte. Damit bleiben die Gruppen und Freunde erhalten, aber der Newsfeed bleibt leer.

Browsererweiterung leert Newsfeed und dient Forschung

Da das Entfolgen jedes einzelnen Freundes und jeder Gruppe Stunden in Anspruch nahm, beschloss er ein Tool zu schreiben, das den Prozess automatisiert und auch anderen Nutzern zugutekommt. Die Browsererweiterung Unfollow Everything war geboren. Tausende nutzten die Erweiterungen und schrieben Kommentare wie "Dank dir bin ich offiziell nicht mehr süchtig nach Facebook!".

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Einige Monate nach der Veröffentlichung bekundeten Wissenschaftler der Universität Neuchâtel (Schweiz) Interesse, mit dem Tool die Auswirkungen des Newsfeeds auf die Zufriedenheit der Nutzer sowie die auf Facebook verbrachte Zeit zu untersuchen. Eine Gruppe sollte Facebook mit Newsfeed nutzen, eine andere sollte den Newsfeed mittels Unfollow Everything leeren.

Entwickler darf keine Tools mehr schreiben, die mit Facebook interagieren

Im Sommer erhielt Barclay Post von Facebook. In einer Unterlassungserklärung forderte das Unternehmen, dass Barclay das Tool aus dem Internet nehmen solle. Zudem wurde ihm mitgeteilt, dass sein Facebook-Konto dauerhaft deaktiviert wurde. "Ein Konto, das ich seit mehr als 15 Jahren besitze und über das ich hauptsächlich mit meiner Familie und meinen Freunden in der ganzen Welt in Kontakt bleibe", schreibt Barclay.

"Unter Verweis auf eine Bestimmung in den Nutzungsbedingungen, die angeblich auch ehemalige Nutzer von Facebook bindet, verlangte Facebook außerdem, dass ich nie wieder ein Tool erstellen dürfe, das in irgendeiner Weise mit Facebook oder seinen vielen anderen Diensten interagiert", erklärt der Entwickler. Diese Forderungen seien nicht nur ihm ungeheuerlich vorgekommen, sondern auch den Anwälten an der Columbia Universität (USA) sowie weiteren Anwälten aus Großbritannien.

"Ich habe meinen Wohnsitz im Vereinigten Königreich, so dass eine Klage gegen Facebook wahrscheinlich vor einem britischen Gericht ausgetragen worden wäre, wo ich persönlich für die Prozesskosten von Facebook aufgekommen wäre, wenn ich verloren hätte", schreibt Barclay. Diese Risiko habe er sich nicht leisten können. Daher sei Unfollow Everything zum Leidwesen der Nutzer und der Forscher Geschichte.

Dabei sei Barclay nicht der Einzige, den Facebook mit einem solchen Szenario konfrontiert. Ähnlich sei Facebook im vergangenen Jahr beispielsweise gegen den Browser Friendly vorgegangen, der es Nutzern ermöglicht habe, zwischen Social-Media-Konten zu wechseln, schreibt der Entwickler. Das Verhalten von Facebook sei nicht nur wettbewerbswidrig, sondern auch verbraucherfeindlich.

Auch ein Forschungsprojekt an der New Yorker Universität (NYU) zu politischen Werbeanzeigen auf der Social-Media-Plattform versucht Facebook seit geraumer Zeit zu unterbinden. Das Forschungsprojekt Ad Observatory sammelt über eine Browsererweiterung die Werbung, die 6.500 Freiwilligen angezeigt wird und bereitet diese auf. Am 2. August wurden die Zugänge der Forscher gesperrt, was Kritik der US-Wettbewerbsbehörde Federal Trade Commission (FTC) nach sich zog.

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dummzeuch 12. Okt 2021 / Themenstart

Nö, einen Artikel zu lesen, bevor ich kommentiere ist nicht so mein Ding... Natürlich...

Prypjat 12. Okt 2021 / Themenstart

Ich nutze beide Medien nicht.

ChMu 11. Okt 2021 / Themenstart

Wenn mehrere Facebook accounts gegen deren Richtlinien verstossen, warum bieten sie es...

apoth90 11. Okt 2021 / Themenstart

Meine Sucht hab ich mit dem "Newsfeed Eradicator" gelöst. Dann ist die Landingpage immer...

stefan... 11. Okt 2021 / Themenstart

Wäre Facebook längst verschwunden. Für immer.

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