Broadwell-Y: Benchmarks von Kupfertablets mit Core M
Am letzten Tag der Entwicklerkonferenz IDF 2014 hat Intels Francois Piednoel eine im Wortsinne schwere Aufgabe gehabt: Der Senior Performance Analyst hat Golem.de ein Tablet von 1,1 Kilogramm Gewicht gereicht, eine spezielle Version der Referenzplattform Llama Mountain, deren Gehäuse aus Kupfer gefertigt ist. Die Version mit einer Unterschale aus Aluminium wiegt nur 670 Gramm.
In dem so gekühlten 12,5-Zoll-Tablet steckt der schnellste Core M, der 5Y70. Dieser hat zwei Broadwell-Kerne mit 1,1 GHz und eine HD Graphics 5300 mit 100 MHz. Das klingt nicht sonderlich flott? Der 5Y70 kann sich abhängig von seiner Kühlung auf bis zu 2,6 GHz für die CPU und 850 MHz für die GPU hochtakten.
Offiziell beträgt die TDP 4,5 Watt – OEMs können bei entsprechender Kühlung diese aber auf 3 Watt zu senken oder auf 6 Watt steigern. Die kupferne Rückseite demonstriert, dass der Core M 5Y70 hierdurch nicht schneller wird, da bereits das Aluminium-Cover des Referenzgeräts ausreicht, um 6 Watt abzuführen. Ob Kupfer oder Aluminium: An den Messwerten der beiden Tablets, die Golem.de selbst ermitteln konnte, ändert sich nichts.
Mit 6 Watt TDP erreicht der Core M 5Y70 die 2,6 GHz und 850 MHz nur für eine sehr kurze Zeitspanne, danach sinken die Taktraten auf den Basiswert – im Leerlauf reduzieren die Prozessorkerne ihre Frequenz sogar auf 500 MHz. Zumindest im Cinebench R11.5, der einzig die CPU belastet und nicht die Grafikeinheit, hält der Core M seinen Turbo lange durch und erzielt 2,65 Punkte.
Damit ist er deutlich schneller als alle Atom-Modelle mit Silvermont-Kernen und übertrifft auch AMDs A10 Micro-6700T deutlich. Einzig der 15-Watt-Chip Core i5-4300U ist flotter, dafür hängt der Core M 5Y70 einen Core i5-3427U mit 17 Watt und selbst einen Core i5-2410M mit 35 Watt ab. Intel ermöglicht also in einem passiv gekühlten Tablet die Geschwindigkeit eines Prozessors, wie er vor drei Jahren in einem Standard-Notebook verbaut wurde.
Im 3DMark Ice Storm Unlimited setzt sich der Core M 5Y70 gar vor alle anderen Chips: Die HD Graphics 5300 mit 24 EUs gibt hier den Ton an, die Verbesserungen der Gen8-Architektur zeigen Wirkung: Mit 50.286 Punkten ist der Tablet-Prozessor so flott wie der Core i5-2410M mit einer Geforce GT 540M, einer Grafikeinheit von 2011.
Im 3DMark Ice Storm schneller als kleine Haswells
Die detaillierten Werte eines Durchlaufes geben zudem einen ersten Einblick, wie der Core M 5Y70 seine Taktraten ändert: Zu Beginn des Ice Storm Unlimited liegen volle 2,6 GHz an. Während des ersten Grafiktests sinkt die Frequenz innerhalb weniger Sekunden auf 1,2 GHz, da die HD Graphics 5300 den Großteil des TDP-Budgets für sich beansprucht.
Im zweiten Grafiktest drosselt die CPU gar auf 500 MHz. Erst im Physiktest, der nur die Prozessorkerne belastet, rechnet der Core M 5Y70 mit konstant 2,6 GHz. Wir sind gespannt, welche Taktraten der Chip mit 3 und 4,5 Watt TDP anlegt – und auch, wie schnell der kleinere Core M 5Y10 rechnet.
Intel wollte aber mit den verschiedenen Gehäusen für sein Tablet auch zeigen, dass dem Material für die Kühlung beim Core M besondere Bedeutung zukommt. Es ist nicht davon auszugehen, dass verschiedene Geräte mit derselben CPU unter allen Bedingungen gleich schnell laufen, was auch Tester berücksichtigen sollten. Es kommt unter anderem darauf an, wie die Gehäuse, die auch als Kühlkörper dienen, hergestellt werden.
Wie Intel erklärte, werden die Unterschalen von Tablets meist aus gepresstem Aluminium hergestellt. Das geht schnell und ist billig, verändert aber durch den Druck von mehreren Tonnen die Gitterstruktur des Metalls, was nach den Angaben der Entwickler die Wärmeleitfähigkeit verschlechtert. Besser ist ein Block aus gegossenem Aluminium, der mit einer CNC-Fräse in die passende Form gebracht wird. Das ist aber durch den höheren Materialaufwand und die längere Herstellungszeit viel teurer als ein gepresstes Gehäuse.
Bei den insgesamt drei Tablets, die Golem.de ausprobieren konnte – zwei aus Alu, eines aus Kupfer -, war während der Benchmarks auch stets zu beobachten, dass eine kleine Stelle an der Rückseite viel wärmer als der Rest des Tablets wird. Dort sitzt das Package aus CPU und Chipsatz, das Gehäuse lässt sich aber immer noch ohne Schreck anfassen. Auf dem Schoss kann das aber durchaus auf Dauer unangenehm sein. Neben dem Verhalten der Turbos unter Last sollten Core-M-Tablets für eine faire Beurteilung also auch immer auf ihre Wärmeentwicklung geprüft werden.
Das ist auch bei anderen schnellen x86-Tablets so, wie unser Test des AMD-Referenzgeräts Discovery 2 gezeigt hat. Auch dabei spielt die Gehäusetemperatur für die Leistung nun eine Rolle. Es ist eben trotz der beeindruckend geringen Leistungsaufnahme aktueller x86-Prozessoren noch ein ziemliches Kunststück, die Chips in lüfterlosen Gehäusen mit rund einem Zentimeter Dicke am Leben zu erhalten.
Geräte mit den Core M sollen ab einem Preis von 599 US-Dollar angeboten werden. Wir hörten auf dem IDF 2014, dass dies für die kleinste Konfiguration von Asus' Transformer Book T300 Chi gelte solle. Voll ausgestattete 2-in-1-Tablets wie das Thinkpad Helix 2 mit Tastatur, 512-GB-SSD und LTE hingegen sollen bis zu 2.000 US-Dollar kosten.
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