Brennstoffzellen-Flugzeug: HY4 fliegt mit flüssigem Wasserstoff weiter als zuvor

Das Wasserstoffflugzeug HY4 ist erstmals mit flüssigem Wasserstoff als Treibstoff geflogen. Flüssiger Wasserstoff hat einige Vorteile gegenüber gasförmigem.
Für die aktuelle Flugtestkampagne hat das Stuttgarter Unternehmen H2Fly(öffnet im neuen Fenster) das Experimentalflugzeug HY4 erstmals mit kryogenisch gespeichertem Flüssigwasserstoff (LH 2 ) ausgestattet . Dafür hatte der französische Gasanbieter Air Liquide eigens einen neuen Tank entwickelt.
Die Kampagne umfasste vier Flüge. Einer davon dauerte über drei Stunden. Dabei zeigte sich ein klarer Effizienzgewinn durch Nutzung von LH 2 . Der ermöglicht geringere Tankgewichte und -volumina als gasförmig gespeicherter Wasserstoff unter Druck (GH 2 ), was zu einer größeren Reichweite und Nutzlast führt: Die maximale Reichweite ließ sich dadurch von 750 auf 1.500 Kilometer verdoppeln. H2Fly wertet das als einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur emissionsfreien Luftfahrt.
HY4 ist ein fliegender Teststand
HY4 ist fliegender Teststand für verschiedene Brennstoffzellensysteme . Es ist 7,4 Meter lang und hat eine Spannweite von etwas mehr als 21 Metern. Ohne Brennstoffzelle und Akku wiegt das Flugzeug etwa 630 Kilogramm. Das maximale Startgewicht beträgt 1.500 Kilogramm.

Das Flugzeug ist aus zwei Segelflugzeugen zusammengesetzt. Es besteht aus zwei Rümpfen mit jeweils einer Tragfläche, die durch einen kurzen Flügel miteinander verbunden sind. Auf diesem Verbindungsstück befindet sich der Antrieb: ein Elektropropeller, der von einer Brennstoffzelle mit Strom versorgt wird. Jeder Rumpf hat eine Kabine für zwei Insassen, die jeweils nebeneinander sitzen.
Das Konzept für HY4 hatte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) 2016 auf der Hannover Messe vorgestellt . Der Erstflug fand im September 2016 in Stuttgart statt.

"Dies ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu emissionsfreien Mittel- und Langstreckenflügen. Gemeinsam mit unseren Partnern haben wir den Nachweis erbracht, dass flüssiger Wasserstoff für emissionsfreie Mittel- und Langstreckenflüge geeignet ist" , sagte Josef Kallo(öffnet im neuen Fenster) , einer der Gründer des Unternehmens. "Wir wollen nun unsere Technologie für Regionalflugzeuge und andere Anwendungen ausbauen und damit die wichtige Aufgabe der Dekarbonisierung der kommerziellen Luftfahrt in Angriff nehmen."
H2Fly ist eine Ausgründung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Universität Ulm. Gemeinsam mit dem DLR will das Unternehmen größere Flugzeuge wie etwa eine Dornier 328 zu Brennstoffzellen-Flugzeugen umrüsten. Daneben will es 2024 ein Wasserstoff-Luftfahrtzentrum am Stuttgarter Flughafen eröffnen.



