Breko: Vectoring hat Glasfaserausbau massiv zurückgeworfen

Der Netzbetreiberverband Breko widerspricht einer Darstellung der Deutschen Telekom, nach der Vectoring den Ausbau von FTTH gefördert habe und der logische zweite Schritt sei. "Hätten wir Glasfaser direkt ins Haus (FTTH) verlegt, wie vielfach gefordert, dann hätten heute vielleicht acht Millionen Haushalte FTTH. Und der Rest hätte an vielen Stellen Bandbreiten von 6 bis 16 MBit" , hieß es in einem Blogbeitrag des Unternehmens(öffnet im neuen Fenster) . Damit wäre Homeoffice nur schwer möglich gewesen
Im vergangenen Jahr hat die Telekom begonnen, mehr FTTH auszubauen und erklärte den Vectoringausbau zum Jahresende für abgeschlossen. "Zur Wahrheit gehört aber auch, dass momentan deutlich weniger als die Hälfte derer, die FTTH oder FTTB bekommen könnten, tatsächlich diese Technik bucht" , erklärte ein Unternehmenssprecher.
Bei der Entscheidung für den Vectoring-Ausbau habe der Breko (Bundesverband Breitbandkommunikation) eindrücklich davor gewarnt, dass damit der "Glasfaserausbau in Deutschland massiv zurückgeworfen wird" , sagte Sven Knapp, Geschäftsleitung des Breko, Golem.de auf Anfrage. "Das ist leider eingetreten, da die Telekom den Glasfaserausbau um Jahre nach hinten geschoben hat und damit statt vieler Millionen Glasfaseranschlüsse in die Aufrüstung kupferbasierter Vectoring-Netze als Zwischenlösung investiert hat."
Super Vectoring: Schlechter gebucht als FTTH
42 Prozent der Haushalte, die die Möglichkeit hätten, einen Glasfaseranschluss eines Breko-Mitglieds zu buchen, täten dies auch, erklärte Knapp(öffnet im neuen Fenster) . "Die Take-up-Rate bei Glasfaseranschlüssen der Wettbewerber liegt also deutlich über der der Telekom bei den von ihr vermarkteten Super-Vectoring-Anschlüssen" , sagte er.
Doch Super-Vectoring wird nicht besser angenommen als FTTH: Die Telekom hat nach aktuellen Angaben 700.000 geschaltete Anschlüsse beim Super Vectoring, wurde im Februar berichtet . Dies sei im Jahresvergleich ein Zuwachs um rund 180 Prozent. Doch die Telekom versorgt 25,1 Millionen Haushalte mit Super Vectoring mit Datenraten von bis zu 250 MBit/s mehr. Damit bucht nicht einmal jeder 35. Kunde einen vorhandenen Super-Vectoring-Zugang.
Letztlich sei das aber ein Blick zurück. Wir müssten vielmehr den Blick nach vorne richten und so viele Glasfaseranschlüsse wie möglich pro Jahr ausbauen. Geld sei dabei nicht der limitierende Faktor, da Finanzmittel im Markt auch durch den Einstieg einer Reihe von Investoren vorhanden seien, erklärte Knapp. Vielmehr müssten die Baukapazitäten weiter erhöht und die Genehmigungsverfahren vereinfacht und damit beschleunigt werden.