Breko Breitbandstudie 2015: Weiter kaum FTTH in Deutschland

Der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko) will nach eigenen Angaben(öffnet im neuen Fenster) mehr in den Netzausbau investiert haben als die Deutsche Telekom. Auch der Großteil des FTTB-/H-Ausbaus sei nicht durch die Telekom erfolgt.
So seien laut der Studie im Jahr 2014 Investitionen in Höhe von 7,4 Milliarden Euro in die Netze getätigt worden. Davon habe die Telekom 3,2 Milliarden Euro und damit 43 Prozent geleistet. Die Konkurrenten kamen auf 4,2 Milliarden Euro (57 Prozent). Die Breko Breitbandstudie 2015 beruft sich auf Befragungen von 90 Prozent der Netzbetreiber des Verbands. Daneben seien Daten öffentlich zugänglicher Quellen herangezogen worden.
76 Prozent des FTTB/FTTH-Ausbau ohne die Telekom
Der Ausbau mit Glasfaseranschlüssen bis zum Gebäude (FTTB) oder direkt in die Wohnung (FTTH) werde durch die alternativen Netzbetreiber vorangetrieben. 76 Prozent des Glasfaserausbaus (FTTB/FTTH) in Deutschland leisteten die überwiegend lokalen und regionalen alternativen Carrier. Danach gab es im Jahr 2014 in Deutschland rund 2 Millionen FTTB/H-Zugänge. Davon seien von der Telekom 480.000 (24 Prozent) gelegt worden. Breko-Mitglieder hätten 960.000 (47 Prozent) und andere alternative Netzbetreiber 600.000 (29 Prozent) Haushalte versorgt. Die Telekom hat nach eigenen Angaben annähernd 500.000 Haushalte mit FTTH erschlossen. Die Anzahl der zahlenden Kunden ist niedriger. Das sagte Telekom-Deutschlandchef Niek Jan van Damme am 18. Mai 2015 Golem.de.
Im Februar 2014 berichtete der Ausrüsterverband FTTH Council Europe, dass es nur 275.000 Haushalte in Deutschland mit FTTH und FTTB gebe. Damit war Deutschland nur zu 1 Prozent mit FTTH/B ausgestattet und gehörte zu den am schlechtesten versorgten Ländern in Europa.
Liegt der aktuelle Standard-Downstream laut Breko noch zwischen 10 und 30 MBit/s, erwarten die Breko-Netzbetreiber bis 2020 einen Anstieg auf mindestens 170 MBit/s im Down- und 105 MBit/s im Upstream.
Das im Festnetz übertragene Datenvolumen hat sich von 8,8 Milliarden GByte (2013) auf 10,9 Milliarden GByte (2014) erhöht. Das von einem Internetnutzer durchschnittlich übertragene monatliche Datenvolumen liegt aktuell bei rund 27 GByte. Für das Jahr 2015 erwartet der Breko einen weiteren Anstieg auf 35 GByte pro Monat. Die mobile Datennutzung findet immer stärker in WLAN-Netzen statt.
Zahlungsbereitschaft für FTTH fehlt bisher
Deutsche-Telekom-Sprecher Philipp Blank sagte Golem.de: "Wie bekannt, setzt die Telekom im Festnetz vor allem auf den Vectoring-Ausbau und nicht auf FTTH. Angesichts beschränkter Mittel ist es besser, wenn die Haushalte großflächig schnellere Anschlüsse bekommen, als einige wenige Luxus-Anschlüsse mit Glasfaser bis in die Wohnungen. Zumal unsere Erfahrungen in einigen Städten ganz deutlich zeigen, dass die Zahlungsbereitschaft für FTTH bisher fehlt."
Die Zahlen für schnelle Breitbandanschlüsse zeigten laut Blank insgesamt, dass Breko-Unternehmen laut eigenen Angaben 3,3 Millionen Haushalte mit mindestens 30 MBit/s versorgten. Die Telekom habe im Jahr 2014 bereits 44 Prozent aller Haushalte in Deutschland mit Breitbandanschlüssen nach dieser Definition versorgt. Bis Ende 2016 würden 65 Prozent aller Haushalte mindestens 50 MBit/s von der Telekom bekommen können.
Der Vectoring-Ausbau sei ein Glasfaserausbau. "Warum sonst müssten wir dafür Milliarden investieren? Teuer ist vor allem der Tiefbau, weil wir die Glasfaser bis zu den Kabelverzweigern bringen müssen. Und damit kommt Glasfaser deutlich näher an die Haushalte. Zudem sollte nicht vergessen werden, dass mit Super-Vectoring in den kommenden Jahren bis zu 250 MBit/s möglich sind" , meinte Blank.



