Breko: Angaben der Telekom zum Überbau "nicht nachvollziehbar"
Der Netzbetreiber-Verband Breko hat die Argumentation der Deutschen Telekom zurückgewiesen, dass viel mehr FTTH-Bauvorhaben storniert würden, als es Überbau gebe. Die Telekom hatte erklärt, bundesweit in 300.000 Fällen den Überbau von Glasfaserzugänge zu Haushalten gezählt zu haben. Bis Jahresmitte 2023 habe es aber 600.000 Fälle gegeben, in denen alternative Netzbetreiber sich von einem angekündigten Ausbau von selbst wieder zurückgezogen hätten, ohne dass die Telekom oder andere dort aktiv geworden wäre.
Sven Knapp, Leiter des Breko-Hauptstadtbüros, sagte Golem.de, die laut Teltarif.de von der Telekom erhobenen Zahlen(öffnet im neuen Fenster) ließen sich nicht nachvollziehen. "Generell lässt sich jedoch festhalten, dass die reine Anzahl der vom Doppelausbau betroffenen Haushalte nicht die gesamte Dimension des Problems erfasst: Viel problematischer ist es, wenn Haushalte gar keinen Glasfaseranschluss erhalten, weil sie in einem ursprünglich geplanten Ausbaugebiet außerhalb des durch die Telekom überbauten Bereichs liegen, das gesamte Projekt aber durch den begrenzten Doppelausbau unrentabel wird und sich der alternative Netzbetreiber deshalb zurückzieht." Häufig seien diese "Restgebiete" dann nur noch mithilfe staatlicher Förderung erschließbar – Steuergeld, dessen Einsatz laut Knapp ohne Doppelausbau der Telekom nicht notwendig gewesen wäre.
Breko: Zählung nach Haushalten würde das Problem nicht erfassen
Nach Informationen von Golem.de werden Ausbauvorhaben meist dann zurückgezogen, wenn sich nicht genügend Interessenten finden, die Baukapazität trotz Zusagen nicht vorhanden ist oder Überbau das Geschäftsmodell zunichtemacht.
Zudem erklärte die Telekom laut Teltarif.de, dass Gründe für den Doppelausbau oft trivial seien, so dass die Netze der Konkurrenten von der Struktur oder der verbauten Technik nicht zu den Anforderungen der Telekom passten. "Die wiederholt von der Telekom vorgebrachte Begründung, sie lehne viele Open-Access-Angebote ab, weil die ausbauenden Unternehmen ihre Ansprüche an die Servicequalität nicht garantieren könnten, scheint wenig plausibel" , sagte Knapp. Vielmehr widerspreche das Anbieten eigener Tarife über fremde Glasfasernetze im großen Stil dem Ziel der Telekom, bis zum Jahr 2030 eine Anzahl von 25 bis 30 Millionen Haushalte selbst – oder über Partnerunternehmen – an das Glasfasernetz anzuschließen. Denn das entspreche einem Marktanteil von 60 bis 75 Prozent – gegenüber 30 Prozent im Juni 2022.
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