Verbraucherschützer bemängeln Überforderung der Nutzer

Die Verbraucherschutzorganisation sieht ihre Klientel durch die Anforderung größtenteils überfordert. Sie geht davon aus, dass die Mehrheit der Verbraucher nicht wisse, welche Firmware auf ihrem Router installiert sei und ob es sich dabei um die aktuelle Version handle. Zudem habe jedes Betriebssystem Dienste in Betrieb, über die der Nutzer keine Kontrolle habe.

Der VZBV nennt hier etwa Services wie "Windows Update" oder die vergleichbare Funktion im MacOS App-Store. Der Verband mahnt daher: "Die Ausgestaltung des Messtools sollte nicht nur technisch versierten Verbrauchern eine Nutzung ermöglichen." Es sei wichtig, "dass alle Vorgaben, die an die optimale Testumgebung gestellt werden, im Verantwortungsbereich des Verbrauchers liegen".

Kunden unter Generalverdacht

Der VZBV reibt sich daran, dass anbieterseitige Einflussfaktoren wie etwa die Netzauslastung des Internet-Backbone, die Länge der Anschlussleitung oder deren Durchmesser bislang nicht in den betrachteten Parametern berücksichtigt seien. Dieses Ungleichgewicht stelle den Verbraucher "nicht nur unter Generalverdacht", sondern suggeriere auch, dass der vom Anwender in Anspruch genommene Vertrag und die damit vereinbarte Bandbreite "nur bei Nichtnutzung vertragsgemäß geliefert werden kann". An diesem Punkt würden die Messungen "soweit abstrahiert, dass sie Laborbedingungen entsprechen und nicht mehr der gewöhnlichen Alltagsnutzung des Verbrauchers".

Dass die Desktop-App keine Möglichkeit zur automatisierten Bandbreitenanalyse enthält, stößt den Verbraucherschützern ebenfalls übel auf. Die Beschränkung auf manuelle Messungen sei nicht nachvollziehbar, da damit "jegliche Vorteile für Endnutzer gegenüber einer browserbasierten Lösung wegfallen". Die Tester bedauern weiter, dass über die Software "ausschließlich Minderleistungen" feststellbar seien. Verbraucher, die von kompletten Netzausfällen jeglicher Art betroffen seien, könnten dies so nicht protokollieren. Ferner sei die mehrfach aufgepoppte allgemeine Fehlermeldung: "Da ist was schief gelaufen. Die Messung konnte nicht durchgeführt werden" wenig aussagekräftig.

Der aktuelle Jahresbericht der Bundesnetzagentur zur Breitbandmessung hat ergeben, dass die von Providern versprochene maximale Übertragungsgeschwindigkeit bei DSL- oder Kabelanschlüssen in den meisten Fällen weiterhin deutlich über den gemessenen Werten liegt. Nur 71,6 Prozent der Nutzer erhalten demnach mindestens die Hälfte der vertraglich vereinbarten maximalen Datenübertragungsrate im Festnetz.

Zugangsanbieter halten die Software für ungeeignet

Bei der Providerbranche kommt das fest installierbare Messprogramm, das mehr als statistisch-qualitative Aussagen erlauben soll, nicht gut an. Wenn künftig über einen gewissen Zeitraum hinweg wiederholt etwa die verfügbare Bandbreite gemessen werden solle, müssten dafür eigentlich parallele andere Up- oder Downloads, etwa von Sicherheitsupdates, im gesamten Heimnetzwerk ausgeschlossen werden. Das gibt Klaus Landefeld vom Verband der Internetwirtschaft eco zu bedenken. Wirklich aussagekräftige Resultate könnten nur erzielt werden, wenn das Werkzeug auf dem Breitbandrouter installiert würde.

Zusammen mit dem Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko), dem Bundesverband Glasfaseranschluss (Buglas) und dem Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) hatte eco bereits vorigen Sommer einen fünfseitigen Katalog mit Anforderungen an die Regulierungsbehörde geschickt, die bei dem Projekt prinzipiell erfüllt sein müssten. Verfälschungen durch die "Endkundenumgebung" seien "wirksam" zu verhindern, Hintergrundverkehre auszuschließen oder zumindest zu dokumentieren, heißt es darin. Landefeld ging damals davon aus, dass die Ansprüche mit einem softwarebasierten Messsystem nicht erfüllt werden könnten.

Nachtrag vom 18. Februar 2018, 21:42 Uhr

Die Datenschutzaufsichtsbehörde hat nach eigenen Angaben erreicht, dass die Bundesnetzagentur einige Änderungen an dem Werkzeug zur Breitbandmessung beziehungsweise der dahinter liegenden Datenbank vornehmen und die damit verbundenen Datenschutzhinweise verbessern will. Es sollen "beispielsweise die erhobenen IP-Adressen nach drei Tagen pseudo- und nach vier Wochen anonymisiert werden", sagte ein Sprecher der Bundesdatenschutzbeauftragten Andrea Voßhoff auf Anfrage von Golem.de. Er fügte hinzu: "Bei Umsetzung dieser Empfehlungen bestehen gegen die in diesem Zusammenhang stattfindende Datenverarbeitung auf Basis einer Einwilligung der Nutzer grundsätzlich keine datenschutzrechtlichen Bedenken."

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 Breitbandmessung: Neue Desktop-App fällt bei Verbraucherschützern durch
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Baron Münchhausen. 15. Feb 2018

Etwas OT Zu dem sie einen neuerdings schicken wenn es probleme gibt. Kein https redirect...

Prokopfverbrauch 15. Feb 2018

Ok dann hat sich das schon geklärt, danke für die Info.

nille02 15. Feb 2018

Zumal Windows auch Auskunft über die Bandbreite gibt die andere Prozesse nutzen. Diese...

Prokopfverbrauch 15. Feb 2018

Das Problem steht ja wirklich im Artikel. Will man es "rechtssicher" machen, so müssen...



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