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Breitbandausbau: Spiekeroog bekommt Glasfaserkabel durch das Wattenmeer

Als letzte ostfriesische Insel erhält Spiekeroog Glasfaser . Für den Anschluss muss ein Seekabel durch das Wattenmeer verlegt werden.
/ Nils Matthiesen
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Glasfaser für die Insel Spiekeroog (Bild: Birke / Pixabay)
Glasfaser für die Insel Spiekeroog Bild: Birke / Pixabay

Spiekeroog erhält als letzte der sieben bewohnten ostfriesischen Inseln eine Anbindung an das Glasfasernetz . Das Bundesministerium für Digitales und Staatserneuerung hat eine entsprechende Förderung zugesagt, wie der Landkreis Wittmund mitteilt(öffnet im neuen Fenster) . Damit endet für die rund 800 Einwohner der Insel eine jahrelange Wartezeit auf eine zeitgemäße Internetanbindung. Kern des Projekts ist die Verlegung eines rund neun Kilometer langen Seekabels, das die Insel vom Festland aus durch das Wattenmeer versorgen soll.

Das Vorhaben ist Teil eines größeren Pakets von über 500 Ausbauprojekten, die der Bund aktuell unterstützt. Die Realisierung auf Spiekeroog gilt jedoch als besonders komplex. Laut Landkreis zählt der geplante Anschluss zu den "technisch und genehmigungsrechtlich anspruchsvollsten Ausbauprojekten in Niedersachsen" . Die Trasse verläuft durch den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, was hohe Anforderungen an den Umweltschutz und die technische Ausführung stellt.

Grenzen der Koaxial-Technik erreicht

Bislang erfolgt die Versorgung der Insel über Kupferkabel der Telekom sowie ein Koaxialkabelnetz (HFC-Netz), das für TV, Internet und Telefonie genutzt wird. Diese Infrastruktur stößt laut Inselverwaltung jedoch zunehmend an ihre physikalischen Grenzen. Insbesondere in der Saison, wenn von Frühjahr bis Herbst Tausende Touristen auf die Insel kommen, bricht die Leistung ein.

Da sich in HFC-Netzen mehrere Haushalte die Bandbreite eines Netzsegments teilen (Shared Medium), führt eine hohe gleichzeitige Nutzung – etwa beim abendlichen Videostreaming durch Gäste und Einwohner – zu spürbaren Schwankungen und Engpässen. Eine direkte Glasfaseranbindung soll diese Probleme beheben und stabile Bandbreiten garantieren.

Der Landkreis und die Gemeinde arbeiteten seit Jahren an einer Lösung, scheiterten jedoch bisher an der Wirtschaftlichkeit. "Aufgrund der besonderen geografischen Lage, der hohen Investitionskosten und der fehlenden privatwirtschaftlichen Ausbauperspektive war eine Förderung zwingend erforderlich" , begründet die Landkreisverwaltung den Ruf nach staatlicher Unterstützung.

Finanzierungslücke geschlossen

Die Umsetzung des Projekts geriet 2023 kurzzeitig in Gefahr. Aufgrund einer schwierigen Haushaltslage entschied die Landesregierung damals, die Landesförderung für den Breitbandausbau einzustellen, was bei vielen Kommunen, darunter Spiekeroog, für Unsicherheit sorgte. Nun steht die Finanzierung jedoch auf sicheren Beinen. Aus dem Bundesprogramm zur Unterstützung des Gigabitausbaus fließen bis zu 4,75 Millionen Euro in das Projekt. Diese Summe deckt die Hälfte der geschätzten Gesamtkosten von rund 9,5 Millionen Euro ab.

Zusätzlich hat das Land Niedersachsen seine Unterstützung zugesagt, die Gemeinde Spiekeroog beteiligt sich mit einem Eigenanteil von rund 850.000 Euro. Ziel ist laut Landkreis Wittmund ein nachhaltiges Gigabitnetz, das langfristig betrieben werden kann und allen Haushalten sowie Gewerbebetrieben zur Verfügung steht.

Neben der Verbesserung der Lebensqualität und der touristischen Attraktivität betont der Landkreis auch Sicherheitsaspekte: Die neue Infrastruktur soll die Widerstandsfähigkeit kritischer Systeme und sei Basis für digitale Bildung und medizinische Versorgung stärken. Die Fertigstellung des Anschlusses ist bis spätestens 2028 geplant.


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