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Breitbandausbau: Jeder fünfte Haushalt nutzt vorhandene Glasfaser nicht

22 Prozent der Haushalte lassen laut Verivox ihren Glasfaseranschluss brachliegen. Zudem verdoppeln sich die Wartezeiten in Städten.
/ Nils Matthiesen
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Die Glasfaserlücke in Deutschland schrumpft. (Bild: Rosy / Pixabay)
Die Glasfaserlücke in Deutschland schrumpft. Bild: Rosy / Pixabay

Die Schere zwischen der Verfügbarkeit von Glasfaseranschlüssen und deren tatsächlicher Aktivierung in Deutschland schließt sich langsam. Laut dem aktuellen Glasfaser-Monitor des Vergleichsportals Verivox(öffnet im neuen Fenster) verfügen derzeit 22 Prozent der Haushalte über einen Anschluss im Haus, nutzen diesen jedoch nicht und verbleiben bei DSL- oder Kabelverbindungen. Im Oktober 2024 lag dieser Anteil der sogenannten Zauderer noch bei 32 Prozent.

Trend zur Aktivierung nimmt zu

Insgesamt geben 24 Prozent der Befragten an, bereits einen aktiven Glasfaseranschluss zu nutzen – ein Zuwachs von vier Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Dennoch bleibt das ungenutzte Potenzial beträchtlich. Jörg Schamberg, Telekommunikationsexperte bei Verivox, sieht hier eine Hängepartie für die Komplettversorgung Deutschlands. Er fordert verbindliche Standards für die Kupfer-Glas-Migration und eine stärkere Öffnung der Netze für verschiedene Anbieter, um den Wettbewerb auf der Infrastruktur zu beleben.

Ein wesentlicher Treiber für den Wechsel sei die "gute Gelegenheit" . Rund 50 Prozent der Glasfaserkunden entschieden sich für die Technik, weil entweder gerade in ihrer Straße ausgebaut wurde (33 Prozent) oder sie ein attraktives Angebot nutzen wollten. Jeweils 15 Prozent nannten als Primärgrund entweder eine Internetnutzung, die eine schnelle und stabile Leitung erfordert, oder eine generelle Unzufriedenheit mit dem bisherigen Anschluss. Auf der Gegenseite schrecken 76 Prozent der Wechselverweigerer vor einem Umstieg zurück, weil sie mit ihrem aktuellen DSL- oder Kabelanschluss schlicht zufrieden sind. Rund jeder Vierte fürchtet zudem den organisatorischen Aufwand.

Wartezeiten in Städten verdoppelt

Ein deutliches Gefälle zeigt sich bei der Bereitstellungsdauer. Während in Großstädten 19 Prozent der Kunden länger als ein Jahr auf die Schaltung warten mussten, waren es im ländlichen Raum 29 Prozent. Besonders bemerkenswert ist die Verschlechterung in urbanen Zentren: 2024 gaben dort lediglich acht Prozent an, länger als zwölf Monate auf ihren Anschluss gewartet zu haben. Die Wartezeit hat sich demnach innerhalb kurzer Zeit mehr als verdoppelt.

Trotz der Hürden ist die Loyalität nach dem Umstieg hoch. 52 Prozent der Nutzer können sich eine Rückkehr zu alten Techniken nicht mehr vorstellen. Die Marktmacht konzentriert sich dabei weiterhin stark auf die großen Player: 35 Prozent der Kunden beziehen ihr Glasfaserinternet von der Deutschen Telekom, gefolgt von Vodafone mit elf Prozent. Der restliche Markt bleibt zersplittert; mehr als jeder fünfte Nutzer ist bei einem regionalen Anbieter unter Vertrag. Die Kundenzufriedenheit ist dennoch stabil: 69 Prozent der Nutzer bewerten das Preis-Leistungs-Verhältnis ihres Glasfaseranschlusses positiv.


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