In Branchen mit ähnlichen Aufgaben wechseln

In manchen Studiengängen werden angehende Informatiker und Informatikerinnen gezielt auf eine bestimmte Branche hin ausgebildet, etwa bei Automobilinformatik, Medieninformatik oder Medizinischer Informatik. In diesen Fächerkombinationen lernen die Studenten die Informatik am Anwendungsfall der jeweiligen Branche mit ihren Besonderheiten kennen.

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"Wir lehren in unseren Studiengängen der Medizinischen Informatik, wie Methoden der Informatik in der Medizin genutzt und bei Bedarf angepasst werden können", sagt Petra Knaup, Professorin für Medizinische Informatik in den beiden Bachelor- und Masterstudiengängen an der Universität Heidelberg. In diesen Kooperationsstudiengängen mit der Hochschule Heilbronn ist sie verantwortlich für die Heidelberger Seite.

Als Beispiel für eine solche Anpassung nennt sie eine computerbasierte Operation am Gehirn eines Menschen. Hierfür wird zuvor eine Magnetresonanztomographie aufgenommen. Wenn der Schädel dann geöffnet wird, verändern sich die Druckverhältnisse, wodurch sich das Gehirn verformt. Die vorher aufgenommenen Bilder entsprechen dann nicht mehr der Realität. "Durch spezielle Software für Bildverarbeitung gleichen wir die Unterschiede aus", sagt Knaup.

Speziell an der Medizinbranche ist für Informatiker, dass sich die Parameter laufend ändern, weil sich auch das Befinden der Patienten ständig ändert. Insgesamt ist der menschliche Organismus äußerst komplex und individuell. Hinzu kommt, dass alle Daten vertraulich sind und das Gesundheitswesen in Deutschland teilweise staatlich und teilweise privat organisiert ist. All diese Besonderheiten müssen Informatiker in der Medizin mehr oder weniger beachten, je nachdem, was ihre Aufgabe ist.

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In der Medizininformatik lernen die Studenten die Grundlagen der Medizin kennen, etwa die Anatomie und Physiologie des Menschen. "Wir versetzen die Studierenden in die Lage, dass sie sich schnell in ein Medizingebiet eindenken, sich das Fachwissen und die Terminologie aneignen können", sagt Knaup. Das ist wichtig, um sich mit Medizinern und anderem Krankenhauspersonal zu verständigen.

Die Studenten lernen, wie Ärzte denken und verstehen, wie Prozesse in der Klinik ablaufen. "Grundsätzlich aber sind sie Informatiker und können deshalb auch in andere Branchen wechseln, in denen sie zum Beispiel ähnliche Aufgaben wahrnehmen", sagt Knaup. Bildverarbeitung wird etwa auch in der Automobilindustrie für das automatisierte Fahren verwendet.

Wichtig ist, die Prozesse zu verstehen

Der Informatiker Eldar Sultanow hält wenig von speziellen Studiengängen wie der Medizininformatik, weil sie die Einsatzmöglichkeiten der Absolventen für andere Branchen nach seiner Meinung einschränken. "Ich erwarte allgemein von einem Informatiker, dass er die Abstraktionsfähigkeit besitzt, sich in Branchenspezifika einzuarbeiten und zu verstehen, worauf es dort ankommt." Sultanow ist 40, hat als Softwareentwickler in einem Pharmaunternehmen gearbeitet und parallel in Wirtschaftsinformatik promoviert. 2015 hat er seine Promotion abgeschlossen, seitdem arbeitet er bei Capgemini als Software-Architekt.

Sultanow ist überwiegend für einen Kunden aus dem Public-Sektor tätig. "Es ist wichtig, dass ich dessen Geschäftsmodell verstehe." Dafür muss er nicht jeden Paragrafen etwa aus dem Sozialgesetzbuch kennen, aber er muss wissen, was kritisch ist. Dazu zählen bei Sozialbehörden Zahlungen und Bescheide. "Das muss sehr präzise ablaufen, Fehler dürfen hier nicht passieren."

IT-Freelancer: Ein Handbuch nicht nur für Einsteiger

Neben der branchenspezifischen Fachlichkeit hält Sultanow es für unerlässlich zu verstehen, wie das Unternehmen tickt. "Dafür entwickelt man im Laufe der Zeit Fühler, weil das kein Unternehmen von sich aus preisgibt." Verborgenes zu verstehen ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für ein Projekt. Dieses Verborgene kann durchaus branchentypisch sein.

Wer für eine große Behörde arbeitet, muss verstehen, wie die Prozesse dort ablaufen. Diese Organisationsformen sind mitunter formalistisch und bürokratisch. In der Industrie dagegen können Prozesse auch mal pragmatisch und unbürokratisch ablaufen.

Wer mit KI in der Pharmaindustrie arbeitet, kann es auch im Maschinenbau

Nach Sultanows Meinung wird in allen Informatiker-Jobs Branchenwissen vorausgesetzt - sei es in der Softwareentwicklung oder in der Beratung, "denn heute gibt es meist eine End-to-End-Verantwortung". Deshalb gehört es dazu, dass ITler sich beispielsweise Branchenwissen aneignen, auch wenn sie als Software-Entwickler angestellt sind. Das erfordert Mitdenken in allen Funktionen und damit Branchen-Know-how bei allen.

Branchenwechsel von Informatikern sind also durchaus möglich, wenn es ähnliche Jobs sind. Wer sich mit künstlicher Intelligenz in der Pharmaindustrie beschäftigt hat, wird das auch im Maschinenbau können. Oder wer Software-Architekturen für Cloud-Lösungen für Banken und Versicherungen entwickelt hat, kann das auch für die Elektrotechnik.

Was eher schwierig wird, ist ein Branchenwechsel mit zusätzlichem Technologiewechsel. Ein Informatiker, der in der chemischen Industrie an der automatisierten Produktion von Chemikalien arbeitet, wird nur schwer einen Job bei SAP in der Entwicklung von betriebswirtschaftlicher Software fürs Rechnungswesen finden. Denn dafür sind tiefe Kenntnisse in Buchführung und in Steuern notwendig.

Dieses Beispiel zeigt, wie umfangreich Branchenwissen sein kann - im Sport wäre das vergleichbar mit sehr speziellen Disziplinen wie Baseball oder Synchronschwimmen.

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 Branchenwechsel in der IT: Zu spezialisiert, um mal was anderes zu machen?
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Landorin 09. Sep 2021 / Themenstart

Haha, geile Anekdote. Und ich hatte immer abgewunken, als Kollegen und Freunde mir...

Enrico der Eunuche 07. Sep 2021 / Themenstart

Na dann herzlich willkommen im Jahr 2010.

Kleba 07. Sep 2021 / Themenstart

Ich hab ihn ganz selten abschreiben lassen. Das war nur ganz am Anfang der Ausbildung...

AvailableLight 05. Sep 2021 / Themenstart

Als ehemaliger Baseballer kann ich die Bildunterschrift nicht bestätigen. Dort benötigt...

rjsedv 04. Sep 2021 / Themenstart

Ich finde den Titel des Beitrags komplett irreführend. Von wegen Spezialisierung. Die...

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