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Boykott wegen KI-Klauseln: Netflix droht Synchronsprechern mit Untertitelung

Der Streit zwischen Synchronsprechern und Netflix um neue KI-Klauseln spitzt sich zu. Netflix zeigt sich nicht verhandlungsbereit.
/ Ingo Pakalski
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Erscheinen neue Netflix-Filme und -Serien künftig ohne deutsche Tonspur? (Bild: Chris McGrath/Getty Images)
Erscheinen neue Netflix-Filme und -Serien künftig ohne deutsche Tonspur? Bild: Chris McGrath/Getty Images

Netflix will sich im Streit um neue KI-Klauseln für Synchronsprecher nicht geschlagen geben und droht damit, dass der Streaminganbieter Filme und Serien ganz ohne deutsche Tonspur veröffentlichen werde. Stattdessen würden Netflix-Abonnenten in Deutschland diese Inhalte lediglich mit deutschen Untertiteln erhalten.

Das geht aus einem Brief von Netflix an Synchronsprecher hervor, aus denen das Branchenmagazin DWDL.de(öffnet im neuen Fenster) zitiert. "Längere Verzögerungen bei der Unterzeichnung [...] oder anhaltende Boykottaufrufe gefährden die Produktionszeitpläne". Das Unternehmen sehe sich "gezwungen", dann "auf deutsche Untertitel zurückzugreifen", schreibt Netflix in dem Brief.

Aus Sicht von Netflix könnte dies die "lokale Synchronisationsbranche gefährden und letztlich Auswirkungen auf die Arbeitsplätze deutscher Synchronsprecher haben". In dem Brief betont Netflix, dass der Anbieter diesen Weg eigentlich nicht gehen wolle: "Dies ist keineswegs unsere Präferenz, da wir Ihre Arbeit schätzen, und wir hoffen aufrichtig, dass dies nicht notwendig sein wird", heißt es gerichtet an die Sprecher.

Synchronsprecher boykottieren Netflix

Viele Synchronsprecher verweigern die Zusammenarbeit mit Netflix seit Januar 2026, weil der Anbieter neue Verträge vorgelegt haben soll, in denen einer neuen KI-Klausel zugestimmt werden müsse. Demnach verlangt Netflix, dass die deutsche Synchronisation für KI-Trainingszwecke verwendet werden dürfe, ohne dass die Sprecher dafür bezahlt werden.

Diese KI-Klausel wird etwa vom Verband Deutscher Sprecher:innen e.V. (VDS) abgelehnt. Sie fordern(öffnet im neuen Fenster), dass Sprecher "frei darüber entscheiden dürfen, ob ihre persönlichen Daten, ihr Instrument, ihre Essenz unwiederbringlich in KI-Software eingespeist werden dürfen oder nicht".

Die Resultate der Sprecher seien "untrennbar von ihnen als Person" und sie müssten der "Nutzung ihrer persönlichen Daten ablehnen dürfen, ohne negative Konsequenzen für zukünftige Projekte zu fürchten". Der Verband sieht das Risiko, dass mit den KI-Trainingsdaten Kopien oder Deepfakes ermöglicht werden.

Synchronbranche befürchtet negative Folgen

In einer aktuellen Stellungnahme(öffnet im neuen Fenster) zeigt sich der Verband enttäuscht darüber, "dass unsere Bedenken und Wünsche kein Gehör finden und dass Regelungen ohne unseren Input über unsere Köpfe hinweg für unser Gewerk gemacht wurden".

Der Verband lobt eine bisherige vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Netflix auf Augenhöhe und räumt ein, dass das neue Verhalten beim Unternehmen bisher nicht üblich gewesen sei. Der Verband setzt weiterhin darauf, "gemeinsam mit Netflix eine branchenweisende Regelung erarbeiten" zu können. Nur so könne die hohe Qualität erhalten werden, die Zuschauer von Netflix-Inhalten erwarten, heißt es.

Dafür gab der Sprecherverband ein juristisches Gutachten bei Spirit Legal in Auftrag, um die neuen Verträge hinsichtlich Datenschutz, Vertragsrecht, Urheberrecht und der KI-Verordnung zu beurteilen. Damit sollen rechtssichere Produktionen von synchronisierten Inhalten für den deutschen Markt ermöglicht werden.

Juristisches Gutachten soll bei Verhandlungen helfen

Der Verband lädt Netflix nach eigenen Angaben ein, mit ihm zusammenzuarbeiten. In dem Schreiben an Synchronsprecher spricht auch Netflix von einem "offenen und kontinuierlichen Dialog", den das Unternehmen führen wolle. Dabei geht das Unternehmen in dem Brief von "Missverständnissen" aus, die im Rahmen der Debatte aufgekommen seien.

Netflix verteidigt die KI-Klausel: "Wir glauben, dass diese Bestimmungen Ihnen die Gewissheit geben sollten, dass wir ohne Ihre gesonderte und ausdrückliche Zustimmung keine digitale Nachbildung oder synthetische Stimme verwenden werden, die aus Ihrer Stimme generiert wurde."

Teile der Synchronbranche fordern Ende des Netflix-Boykotts

Während die Sprecher auf weitere Verhandlungen mit Netflix hoffen, erfuhr die Schauspielgewerkschaft BFFS(öffnet im neuen Fenster) von Netflix nach eigenen Angaben, dass es lediglich darum gehe, Vertreter des VDS informell zu treffen, um die KI-Klauseln näher zu erläutern. Verhandlungen mit dem VDS seien nicht geplant.

Der Bundesverband Synchronregie und Dialogbuch (BSD)(öffnet im neuen Fenster) rief dazu auf, den Boykott gegen Netflix(öffnet im neuen Fenster) zu beenden und den KI-Klauseln zuzustimmen. Der Bundesverband sieht gute Chancen, mit Netflix weitere KI-Schutzregelungen zu erarbeiten, wie sie Synchronschauspieler mit der Netflix-KI-Vereinbarung Synchron-Schauspiel vor einem Jahr erzielt hätten.


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