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Bowers & Wilkins PX8 S2 im Test: Teurer Premium-Kopfhörer enttäuscht trotz tollem Klang

Nach drei Jahren hat Bowers & Wilkins seinen Oberklasse-Kopfhörer endlich überarbeitet. Das Ergebnis ist trotz Verbesserungen unbefriedigend.
/ Ingo Pakalski
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Neuer Px8 S2 von Bowers & Wilkins im Test (Bild: Bowers & Wilkins)
Neuer Px8 S2 von Bowers & Wilkins im Test Bild: Bowers & Wilkins

Der Px8 S2 ist das neue Spitzenmodell bei ANC-Kopfhörern von Bowers & Wilkins und mit einem Listenpreis von 730 Euro doppelt so teuer wie die etablierte Konkurrenz. Der Hersteller verspricht viele Verbesserungen in den Disziplinen, in denen seine Produkte bisher schwach abschnitten.

Wir konnten den neuen Px8 S2 bereits ausprobieren und haben ihn mit den beiden Sony-Produkten WH-1000XM6 und WH-1000XM5 verglichen. Sie sind die derzeit besten Gesamtpakete, wenn es um gute ANC-Kopfhörer geht.

Wie Sonys WH-1000XM5 lässt sich der neue Px8 S2 nicht platzsparend zusammenfalten, so dass die mitgelieferte Transporttasche vergleichsweise voluminös ist. Dabei setzt Bowers & Wilkins auf einen herkömmlichen Reißverschluss und nicht auf einen praktischen Clip-Verschluss wie Sony beim WH-1000XM6.

Px8 S2 verwendet angenehmes Nappaleder

Der Px8 S2 wirkt sehr hochwertig verarbeitet und der Einsatz von Nappaleder am Bügel und der Hörmuschel sorgt an sich für ein angenehmes Tragegefühl. Der typische Schwitzeffekt unter solchen Kopfhörern tritt so deutlich weniger oder gar nicht auf.

Dennoch sind wir mit dem Tragegefühl unzufrieden, weil die Px8 S2 einen recht hohen Anpressdruck besitzen. Schon nach wenigen Stunden ist es unangenehm – und ein Segen, die Kopfhörer abzusetzen.

Px8 S2 klingen toll

Klanglich lässt der Px8 S2 die Konkurrenz von Sony ganz klar hinter sich, allerdings ist der Unterschied nicht so gewaltig, wie der Hersteller verspricht. Für den Klang wird ein 40-mm-Treiber mit Kohlefasermembran verwendet, die einen besonders angenehm tiefen Bass schafft und sehr knackige, besonders druckvolle Höhen liefert.

Die Klangbühne hat mehr Räumlichkeit, präsentiert mehr Details und ist allgemein dynamischer als bei der Sony-Konkurrenz. Bei uns macht sich ein bei ANC-Kopfhörern selten auftretender, besonders ausgeprägter Schritthall bemerkbar. Beim Herumlaufen ist jeder Schritt unangenehm im Ohr zu hören. Das trübt den Musikkonsum nachhaltig. Die Sony-Konkurrenz kennt dieses Problem nicht.

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Das ist insofern besonders schade, nachdem Bowers & Wilkins beim neuen Modell endlich etwas gegen Windgeräusche unternommen hat. Wir können die Kopfhörer draußen sowohl im ANC-Betrieb als auch im Transparenzmodus verwenden, ohne dass die Musik durch pfeifende Windgeräusche gestört wird.

So schneidet der Px8 S2 in den übrigen Disziplinen ab.

ANC-Leistung der Px8 S2 ist mittelmäßig

Bowers & Wilkins verspricht eine deutlich verbesserte ANC-Leistung, liegt aber unterhalb der Leistung der Sony-Produkte. In allen Krachkulissen lassen die Px8 S2 für ein Produkt dieser Preisklasse noch viel zu viele Geräusche durch. Sony schlägt die Neuvorstellung überdeutlich, in lauten Umgebungen können wir hier deutlich mehr Stille erzeugen.

Der Transparenzmodus klingt in den meisten Umgebungen zwar natürlich, ist aber bei Gesprächen etwas gedämpft, und wenn in leiser Umgebung keine Musik gehört wird, rauscht es uns zu stark.

Auch hier zeigt die Sony-Konkurrenz, wie es besser geht. Das gilt auch für Komfortfunktionen rund um den Transparenzmodus, bei dem die Sony-Kopfhörer besonders gut abschneiden. Die Px8 S2 haben nichts davon, die Musik wird also weder angehalten noch leiser gestellt.

Steuerung über Tasten

Wie bei anderen Kopfhörern von Bowers & Wilkins bieten die Px8 S2 ausschließlich eine Tastensteuerung. Sie ist prinzipiell gelungen, lässt sich aber für unseren Geschmack zu wenig anpassen. Besonders ätzend im Alltag: Es gibt keine Möglichkeit, am Kopfhörer direkt vom ANC-Betrieb in den Transparenzmodus und wieder zurückzuwechseln.

Bowers & Wilkins hat einen Tragesensor eingebaut, der die Musikwiedergabe anhält, wenn der Kopfhörer abgenommen wird, und sie fortsetzt, wenn er wieder aufgesetzt wird. Sie arbeitet zuverlässig, die Musikwiedergabe wird auch fortgesetzt, wenn er mal länger als zehn Minuten abgesetzt wird. Die Funktion lässt sich bei Bedarf abschalten.

Schwache Kopfhörer-App

Bowers & Wilkins setzt auch beim neuen Spitzenmodell auf die bisherige Kopfhörer-App, die im Vergleich zur Konkurrenz eine Zumutung ist. Es fängt damit an, dass sich die App nur verwenden lässt, wenn ein Nutzerkonto angelegt wird. Außerdem findet die App den Kopfhörer nicht, wenn keine Internetverbindung vorhanden ist – und das, ohne dass es einen Hinweis darauf gibt, warum der Kopfhörer nicht gefunden wird.

Wer sich also in einem Bereich befindet, wo keine Internetverbindung verfügbar oder nicht erlaubt ist, kann die Kopfhörer-App nicht nutzen. Für solche unnötigen Beschränkungen haben wir kein Verständnis, zumal die Konkurrenz zeigt, wie es besser geht.

In der App lassen sich nur vergleichsweise wenige Funktionen konfigurieren und wir können den Kopfhörer nur minimal an unsere Bedürfnisse anpassen. Obwohl es so wenige Einstellungen gibt, ist die App zu unübersichtlich, mit vielen Funktionen, die wir nicht benötigen. Dazu gehört etwa die Einbindung von Streamingabos in die App, was wir bei einem Bluetooth-Produkt nicht brauchen.

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Bluetooth-Multipoint vorhanden

Der Px8 S2 unterstützt die Bluetooth-Codecs SBC und AAC sowie die HD-Codecs aptX Adaptive und aptX Lossless. Auracast-Unterstützung fehlt noch und soll erst im Laufe des Jahres als Update nachgereicht werden. Der Kopfhörer unterstützt Bluetooth-Multipoint mit bis zu maximal zwei Geräten gleichzeitig, was sich bei Bedarf abschalten lässt.

Der Px8 S2 soll im ANC-Betrieb bei AAC-Nutzung 30 Stunden Akkulaufzeit erreichen. Das ist ein guter Wert für diese Geräteklasse und liegt auf dem Niveau der Konkurrenz.

Bowers & Wilkins Px8 S2: Verfügbarkeit und Fazit

Bowers & Wilkins bietet den Px8 S2(öffnet im neuen Fenster) in Onyx Black und Warm Stone zum Preis von 730 Euro an. Er soll beim Hersteller und im Fachhandel bereits verfügbar sein. Zum Vergleich: Sonys aktuelles Oberklassemodell WH-1000XM6 kostet regulär 450 Euro und ist im Handel schon für 400 Euro zu haben . Das in einigen Punkten sogar bessere Sony-Vorgängermodell WH-1000XM5 kostet regulär 280 Euro und ist im Handel für rund 250 Euro zu haben .

Fazit

Ohne Zweifel: Von der Verarbeitung her ist der ANC-Kopfhörer Px8 S2 von Bowers & Wilkins ein Premium-Produkt. Der Nappalederbezug an den Ohrpolstern und am Bügel fühlt sich wesentlich angenehmer an als das typische Kunststoffmaterial der meisten übrigen Kopfhörer.

Vom Tragegefühl sind wir dennoch nicht so begeistert, weil der Anpressdruck vergleichsweise hoch ist, so dass es nach längerem Tragen unangenehm wird. Bei der Klangqualität lässt der Px8 S2 die Konkurrenz hinter sich, schwächelt dann aber in vielen anderen Bereichen. Die ANC-Leistung ist vergleichsweise schwach und der Transparenzmodus rauscht zu stark.

Dabei ist der neue Kopfhörer von Bowers & Wilkins zwar erfreulicherweise nicht mehr windempfindlich, aber der bei uns auftretende starke Schritthall stört die Unterwegsnutzung deutlich. Die Steuerung ist zwar überwiegend gut, aber an einigen Stellen rückständig. Wir vermissen Einstellmöglichkeiten und etliche Komfortfunktionen, die es bei der Konkurrenz gibt.

Auch das neue Modell lässt sich nicht falten, und die App für den Kopfhörer ist nicht konkurrenzfähig. Sie lässt sich unverständlicherweise weiterhin ausschließlich mit einem Benutzerkonto verwenden.

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Gemessen am Preis erwarten wir von einem modernen ANC-Kopfhörer deutlich mehr Komfort und einen größeren Funktionsumfang – vor allem bei dem hohen Preis. Die Konkurrenz von Sony ist klanglich zwar etwas schwächer, schlägt die Px8 S2 dafür aber in den meisten anderen Disziplinen mühelos.

Ingo Pakalski hat in den vergangenen siebeneinhalb Jahren schon viele Dutzend Kopfhörer pro Jahr für Golem getestet – ob In-Ears, Over-Ears oder Open-Ears. Nur sehr selten stößt er dabei auf Geräte, die er guten Gewissens empfehlen kann.


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