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Botanicula - Test-Video: Öko-Orchester auf Rettungsmission

Nach der Robotergeschichte Machinarium zeigt Amanita Design in Botanicula die Natur von ihrer musikalischen Seite. Daedalic hat das Indie-Adventure nun für PC und Mac veröffentlicht.
/ Daniel Pook
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Besuch beim Baumhauskoch (Bild: Amanita Design)
Besuch beim Baumhauskoch Bild: Amanita Design
Botanicula - Test
Botanicula - Test (05:06)

Eine Nuss, ein Ast, ein Pilz, eine Feder und eine Mohnknospe: Das sind die Helden im neuen Adventure von Amanita Design(öffnet im neuen Fenster) . Die fünf Naturfreunde müssen ihren Heimatbaum vor dunklen Spinnenmonstern beschützen. Die Handlung bleibt vage angedeutet, denn sprechen können die Hauptfiguren nicht. Stattdessen geben sie drollige Töne von sich, genau wie alles andere um sie herum.

Klickt der Spieler auf Tiere, Pflanzen oder Gegenstände, hört er als Belohnung interessante Klänge. So kann er Insekten im Chor tröten und Bienen ein Lied summen lassen. Bäume danken mit einem Glockenspiel, wenn der Mauszeiger ihre Knospen blühen lässt.

In Kombination mit der meditativen Hintergrundmusik tragen die vom Spieler ausgelösten Geräusche zu einem ungewöhnlichen Hörerlebnis bei. Der Ansatz des Entwicklerteams, Soundeffekte vorwiegend mit dem Mund zu imitieren oder durch minimalistisches Instrumentenspiel zu ersetzen, verleiht Botanicula eine ganz eigene Atmosphäre.

Der Spieler wird durch die faszinierende Akustik in eine skurrile 2D-Welt gezogen, die auch optisch kunstvoll gestaltet ist. Er beobachtet am laufenden Band unmögliche Dinge wie eine Zwiebel, die fliegende Fische angelt. Oder Schweine, die auf einem Ast leben und als Trampolin missbraucht werden. Die Grafik von Botanicula ist einfach. Den Look eines liebevoll animierten Bilderbuchs hätte Amanita Design aber kaum besser darstellen können.

Auf ihrer Reise über den großen Baum entdecken die fünf Helden des Spiels viele Orte und Gegenstände, die eigentlich nicht in die Natur gehören, darunter verrückte Maschinen, wie ein von Truthähnen in Laufrädern betriebenes Fluggerät. Aber auch verhältnismäßig Normales, etwa eine Kantine mit Suppenküche oder ein Klavier. Mit diesem kreativen Mix aus Alltagsobjekten und lustigen Kreaturen erinnert Botanicula sehr an die deutsche Fernsehserie Ijon Tichy .

Der Reiz des Unvorhersehbaren

Der Vergleich kommt nicht von ungefähr, denn oft schaut und hört der Spieler mehr zu, als dass er richtig spielt. Dialoge gibt es nicht, nur selten tragen die Figuren einzelne Objekte im Inventar. Einen Großteil des Abenteuers über wandert der Spieler von Bildschirm zu Bildschirm und klickt wahllos alles im Sichtfeld einmal an. Die meisten Hürden lassen sich so wie von selbst überwinden.

Botanicula von Daedalic - Trailer (Gameplay)
Botanicula von Daedalic - Trailer (Gameplay) (00:49)

Wird ein Objekt gebraucht, weist Botanicula darauf an passender Stelle zum Beispiel mit Comic-Denkblasen hin. An anderen Orten kann der Spieler sein Inventar gar nicht erst anklicken. Dank dieser Hilfen ist der Titel wie geschaffen für Kinder und Gelegenheitsspieler, Adventure-Profis fühlen sich dagegen unterfordert.

Was neben Klangkulisse und amüsanten Figuren den Spaß an Botanicula ausmacht, ist der Reiz des Unvorhersehbaren. So sehr es dem Spiel an Logik fehlt, so sehr glänzt es mit Überraschungen. Der Spieler klickt beispielsweise auf ein Samenkorn, aus dem ein riesiger Apfel wächst, der auf eine Wippe hüpft und die Hauptfiguren so in den Weltraum katapultiert. Dort beobachten sie die Mondlandung eines kleinen Astronauten. Der Ausflug bringt sie in ihrem Abenteuer zwar nicht voran, ereignisreich und sehenswert ist er aber allemal. Szenen wie diese ereignen sich in Botanicula von Anfang bis Ende reihenweise.

Von Zeit zu Zeit muss der Spieler auch einfache Minigames bewältigen. Er setzt dann etwa mit einer Kurbel ein Riesenrad in Betrieb oder beweist sich in einer Partie Tischtennis.

Daedalic Entertainment hat Botanicula zum Preis von rund 20 Euro veröffentlicht. Das Programm funktioniert auf PC und Mac. Im Mac App Store kostet der Titel sogar nur 8 Euro. Die USK hat eine Altersfreigabe ab 6 Jahren erteilt.

Fazit

Botaniculas Baumwelt fasziniert mit kreativer Gestaltung und ungewöhnlichen Ideen. Die Reise von Nuss, Ast, Pilz, Feder und Mohnknospe hätte auch als kunstvoller Zeichentrickfilm überzeugt. Genrefans vermissen knackige Rätsel, die logisches Denken und Kombinationsgabe erfordern.

Wer damit leben kann, dass Botanicula mehr Erlebnis als Spiel ist, sollte den sympathischen und günstigen Titel nicht verpassen. Mit seiner verrückten Soundmischung und vielen lustigen Momenten eignet sich das Adventure besonders gut zum abendlichen Entspannen oder gemeinsamen Daddeln mit der ganzen Familie.


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