Bosch: Auf Einkaufstour im Silicon Wadi

Erst das Silicon Valley in den USA, jetzt das Silicon Wadi in Israel. Bosch-Chef Volkmar Denner pflegt Kontakt in die weltweite Startup-Szene und beteiligt sich finanziell. Warum ihn die Gründermentalität fasziniert.

Ein Bericht von Martin-W. Buchenau/Handelsblatt veröffentlicht am
Der Bosch-Chef Volkmar Denner setzt auf Startups.
Der Bosch-Chef Volkmar Denner setzt auf Startups. (Bild: Alex Wong/Getty Images)

Der schwäbische Technologiekonzern Bosch vergrößert sein Engagement in den wichtigsten Technologie- und Startup-Zentren der Welt. Nach dem Silicon Valley in Kalifornien gründen die Schwaben jetzt auch ein Forschungsbüro in Silicon Wadi, dem jungen Technologie-Zentrum nahe Tel Aviv in Israel.

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Bosch-Chef Volkmar Denner hat ein Faible für Israels Startup-Schmiede. "Bezogen auf die Einwohnerzahl ist kein Land so innovativ wie Israel", sagt Denner. In kaum einer anderen Stadt gebe es so viele Startups wie in Tel Aviv. Bosch will diesen Gründergeist für sich nutzen. Denner spricht in Israel mit vielen Unternehmern, auch über Beteiligungen. Die Kontaktpflege zur internationalen Gründerszene macht er zur Chefsache.

Der 130 Jahre alte Industriekonzern ist einer von Deutschlands größten Risikokapitalgebern. Weltweit ist Bosch an mehr als 30 Startups beteiligt - fünf davon in Israel. Kürzlich hat der Konzern einen dritten Fonds mit einem Volumen von mehr als 150 Millionen Euro aufgelegt. Insgesamt verwaltet Bosch Venture Capital ein Vermögen von rund 420 Millionen Euro. Auch die Beteiligungstochter hält eine Niederlassung in Tel Aviv.

Maschinenlernen, Robotik, Cybersicherheit, Vernetzung und IoT

In Israel hat Denner auch schon ein Schnäppchen gemacht: Pebbles Interfaces zum Beispiel, ein Spezialist für virtuelle Realität und die Erkennung menschlicher Gesten. 2013 von Bosch gekauft, wurde Pebbles zwei Jahre später für ein Vielfaches wieder verkauft - ins Silicon Valley, an Facebook.

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In Israel liegt der Fokus des Forschungsbüros auf Kooperationen mit wissenschaftlichen Instituten der Bereiche maschinelles Lernen, Robotik, Cybersicherheit, Vernetzung und Internet der Dinge. Viele Startups sind Ausgründungen der Universitäten. In Israel ist Bosch nicht allein. Mittlerweile sind auch weitere Unternehmen und Forschungsinstitute in Tel Aviv vertreten.

Auf einer mehrtägigen Reise wird Denner unter anderem das Weizmann Institute of Science für naturwissenschaftliche Grundlagenforschung in Rechovot südlich von Tel Aviv besuchen. Das Institut zählt zu den führenden fachübergreifenden Forschungseinrichtungen der Welt. Zudem wird er sich mit Vertretern der Technischen Universität Technion, dem Israel Institute of Technology, treffen. Technion, mit Sitz in Haifa, wurde 1912 gegründet und ist die älteste Universität des Landes.

Gewaltiger Transformationsprozess für den Industriekonzern

"Pioniergeist, Weltklasseuniversitäten und kreative Ideen. Es ist genau das richtige Umfeld für bahnbrechende Innovationen und damit für Bosch", sagt Denner. Der Bosch-Chef hat dem Konzern seit seinem Amtsantritt 2012 das Thema Vernetzung zum Schwerpunkt gemacht.

500 Millionen investiert Bosch im Jahr in neue Geschäftsfelder. Dazu kommt der Beteiligungsfonds mit mehr als 420 Millionen Euro und komplette Übernahmen, wie das Batterie-Startup Seeo.

Bosch soll zumindest in Teilen die Innovationsgeschwindigkeit der digitalen Wirtschaft aufnehmen können. Es ist ein gewaltiger Transformationsprozess für den traditionsreichen Industriekonzern und seine Mitarbeiter. "Unsere Beteiligungstochter ist für uns ein Frühwarnsystem, um nicht von neuen, bahnbrechenden Technologien überrascht zu werden, die einen Markt völlig umkrempeln können", betont Denner.

Selbst Konzerne wie Facebook, Google oder Apple suchen ständig nach neuem Input aus der Gründerszene. "Hier ist vieles möglich", sagt Denner auf seiner Reise. Es klingt nicht nur begeistert, sondern auch etwas sehnsüchtig.

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