Bordcomputer: Flugzeuge werden immer angreifbarer

Gefahr über den Wolken: Die Angst davor, dass Hacker in die Elektronik eines Flugzeuges eindringen könnten, wächst. Denn mit der zunehmenden Vernetzung der Maschinen steigt auch die Anzahl der Schwachstellen an Bord.

Artikel von Adrian Lobe veröffentlicht am
Könnte gehackt werden: Bordcomputer im Flugzeugcockpit
Könnte gehackt werden: Bordcomputer im Flugzeugcockpit (Bild: Brendan Smialowski/AFP/Getty Images)

Es muss der Albtraum jedes Piloten sein: bei voller Geschwindigkeit die Kontrolle über das Flugzeug zu verlieren. Die Maschine geht in die Tiefe, und die Technik spielt verrückt. Doch nicht nur technische Pannen, wie im November 2014, als irregeleitete Bordcomputer einen Airbus auf dem Weg von Bilbao nach München in einen steilen Sinkflug zwangen, können solche Katastrophen verursachen, sondern auch gezielte Manipulationen von Dritten.

Inhalt:
  1. Bordcomputer: Flugzeuge werden immer angreifbarer
  2. Mit Android Flugzeuge manipulieren

Terroristen könnten die Bordelektronik hacken und die Maschine zum Absturz bringen. Ganz unrealistisch ist das Szenario nicht. Der US-Sicherheitsexperte Chris Roberts soll sich laut einem FBI-Dokument (PDF) während eines Fluges mit United Airlines von Chicago nach Syracuse in das Computersystem der Maschine gehackt und so die Kontrolle über die Triebwerke gewonnen haben.

Das U.S. Government Accountability Office (GAO) warnte kürzlich in einem Bericht vor Cyberattacken in Flugzeugen. "Moderne Flugzeuge sind immer mehr mit dem Internet verbunden. Diese Verwobenheit kann potenziell unautorisierten ferngesteuerten Zugang zu den Avionik-Systemen des Flugzeugs verschaffen", heißt es in dem Bericht.

Trojaner an Bord

Immer mehr Fluggesellschaften bieten ihren Passagieren WLAN an Bord an. Sowohl der Boeing 787 Dreamliner als der Airbus A350 und A380 besitzen Wifi-Netze an Bord, die dasselbe Netzwerk wie die Avionik und damit die elektronischen Geräte an Bord nutzen. Das Cockpit ist indirekt mit der Kabine über eine geteilte IP-Adresse verbunden. Zwar sind die Verbindungen mit einer Firewall geschützt. Doch Hacker könnten diesen Schutzwall überwinden - und sich in das Inflight Entertainment oder WLAN einhacken.

Stellenmarkt
  1. Spezialistin Supportmanagement (m/w/d)
    Stadtwerke München GmbH, München
  2. Junior Network Engineer - Firewall (m/w/d)
    STRABAG BRVZ GMBH & CO.KG, Köln, Stuttgart
Detailsuche

In dem GAO-Bericht heißt es weiter: "Ein Virus oder Schadprogramm, die in eine von den Passagieren besuchte Website eingeschleust wurden, könnten eine Möglichkeit für einen bösartigen Angriff eröffnen, um Zugang zu den IP-verbunden Informationen der infizierten Maschine zu erlangen." Der Passagier wird so zum unfreiwilligen Komplizen. Wenn es gelänge, einen Trojaner in das Bord-System einzuschleusen, könnten Terroristen die Maschine kapern, ohne selbst an Bord zu sein.

Die US-Luftfahrtbehörde FAA (Federal Aviation Administration) hat bereits vor sieben Jahren auf das Risiko von internetbasierten Kommunikationssystemen hingewiesen. Die Warnungen wurden ignoriert - bis zum jüngsten Vorfall. Der Sicherheitsforscher Ruben Santamarta sagte Golem.de: "Diese Art von Berichten ist nützlich, um ein öffentliches Bewusstsein zu schaffen. Die Angriffsszenarien, die in dem Report beschrieben werden, können nicht gänzlich ausgeschlossen werden und sollten fallweise untersucht werden." Man sollte diese potenziellen Attacken proaktiv bearbeiten, anstatt zu warten, bis etwas passiert.

Sicherheitslücken in der Technik

Auf der Black Hat Conference im vergangenen Jahr in Las Vegas demonstrierte Santamarta bereits, wie man mit einem einfachen Programm in die Sicherheitsarchitektur eines Flugzeugs eindringen kann. Swift Broadband, ein IP-basiertes Kommunikationsnetz, das mit Satellitentechnik funktioniert und an das die wichtigsten elektronischen Geräte angeschlossen sind, könne über Wifi angegriffen werden, sagte Santamarta. Der Clou daran ist, dass man gar keinen physischen Zugriff auf die Schnittstellen braucht, sondern die Ports mit ein paar Zugangsdaten umgehen kann. Die Technik weist erhebliche Sicherheitslücken auf. Können sich Cyberkriminelle das zunutze machen?

"Es gibt keine generelle Antwort auf die Frage, ob man vom Wifi an Bord in die Avionik springen kann", sagt Cyber-Experte Santamarta. Es gebe Fälle, in denen es "physisch unmöglich" sei, einen Hackerangriff zu starten, in anderen Fällen wäre dies aber realistisch.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Mit Android Flugzeuge manipulieren 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Oldschooler 20. Mai 2015

Du scheinst ja der allwissende Indianer zu sein, dass du weißt was ALLE und was KEINER...

user_name2015 19. Mai 2015

Wenn Internet samt Wlan für die Fluggäste das gleiche Netzwerk verwenden, wie der...

RheinPirat 19. Mai 2015

Ich frage mich, wieso diese Systeme nicht auf der Hardwarebene getrennt werden? Sollte ja...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Mojo Lens
Erster Tragetest mit Augmented-Reality-Kontaktlinse

Ein winziges Micro-LED-Display, ein Funkmodem, ein Akku - und kein Kabel: Der Chef von Mojo Lens hat seine AR-Kontaktlinse im Auge getragen.

Mojo Lens: Erster Tragetest mit Augmented-Reality-Kontaktlinse
Artikel
  1. Ouca Bikes: E-Lastenrad für eine Viertel Tonne Fracht oder acht Kinder
    Ouca Bikes
    E-Lastenrad für eine Viertel Tonne Fracht oder acht Kinder

    Ouca Bikes hat ein elektrisches Lastenrad vorgestellt, das eine Zuladung von rund 250 kg transportieren kann. Das E-Bike fährt auf drei Rädern.

  2. Bill Nelson: Nasa-Chef warnt vor chinesischem Weltraumprogramm
    Bill Nelson
    Nasa-Chef warnt vor chinesischem Weltraumprogramm

    Gibt es Streit um den Mond? Nasa-Chef Bill Nelson fürchtet, dass China den Trabanten als militärischen Außenposten für sich haben möchte.

  3. Microsoft: Exchange Server von gut versteckter Hintertür betroffen
    Microsoft
    Exchange Server von gut versteckter Hintertür betroffen

    Sicherheitsforscher haben eine Backdoor gefunden, die zuvor gehackte Exchange-Server seit 15 Monaten zugänglich hält.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • MindStar (u. a. G.Skill Trident Z Neo 32 GB DDR4-3600 149€ und Patriot P300 512 GB M.2 39€) • Alternate (u. a. Acer Nitro XZ270UP QHD/165 Hz 246,89€ und Acer Predator X28 UHD/155 Hz 1.105,99€) • Samsung GU75AU7179 699€ • Kingston A400 480 GB 39,99€ • Alterrnate Weekend Sale [Werbung]
    •  /