Boom Supersonic: Überschalltriebwerk treibt KI-Rechenzentren statt Jets an

In den USA werden KI-Rechenzentren aktuell schneller gebaut als die Energieinfrastruktur ausgebaut werden kann. Viele setzen daher auf eigene, teils mobile Gaskraftwerke, deren Hersteller aber mit der Produktion ebenfalls nicht hinterherkommen . Hier hat Boom Supersonic seine Chance gesehen: Auf Basis der für das geplante Überschallpassagierflugzeug Overture entwickelten Turbine baut das Unternehmen nun Gasturbinen für Generatoren(öffnet im neuen Fenster) .
Unter dem Namen Superpower will das Unternehmen 2027 den ersten Generator ausliefern – die ersten Teile würden bereits gefertigt. Dabei setzt Boom Supersonic auf eigene Fertigungskapazitäten. Gegenüber dem Symphony-Triebwerk für Overture habe man die Turbine nur leicht verändern müssen, schreibt Gründer Blake Scholl: Es wurden zusätzliche Verdichterstufen und eine freilaufende Welle(öffnet im neuen Fenster) für den Generator ergänzt, die Turbinenwelle leicht modifiziert und auf Erdgas angepasste Einspritzdüsen entwickelt.
Flugzeugtriebwerke für Gasgeneratoren zu nutzen, ist dabei keineswegs ungewöhnlich: Eine Reihe von Herstellern reparieren und modifizieren ausgemusterte Flugzeugtriebwerke, um sie anschließend in Generatoren zu verbauen. Möglich ist das, da der Aufbau von Gasturbinen für Kraftwerke und Flugzeugtriebwerke prinzipiell identisch ist.
Überschalltriebwerk soll die bessere Turbine sein
Allerdings werden aufgrund der hohen Nachfrage nach Generatoren auch die Flugzeugtriebwerke knapp. Sie seien, so schreibt Scholl, zudem nur bedingt geeignet – das eigene Symphony-Triebwerk passe viel besser.
Denn normale Flugzeugtriebwerke sind für vergleichsweise niedrige Betriebstemperaturen und kurze Hochlastphasen optimiert. Bei der stationären Nutzung als Motor eines Kraftwerks müsse ihre Leistung, insbesondere in den südlichen Bundesstaaten der USA, um bis zu 30 Prozent reduziert werden. Andernfalls drohe die Turbine zu überhitzen. Ein Überschalltriebwerk hingegen muss deutlich höhere Lasten und Temperaturen aushalten. Daher brauche es auch keine Wasserkühlung und eigne sich insgesamt besser für erdgasbetriebene Generatoren.
Boom Supersonic hat nach eigenen Angaben Maschinen bestellt, um Generatoren mit einer Gesamtleistung von 2 Gigawatt (GW) pro Jahr bauen zu können – was bei einer angegebenen Leistung von 42 Megawatt (MW) knapp 50 Stück entspricht. Zum Vergleich: Für 2025 werden Bestellungen für Gasturbinen mit einer Gesamtleistung von bis zu 70 GW erwartet(öffnet im neuen Fenster) .
Dem Ursprungsprojekt bleibt Boom Supersonic trotz des neuen Geschäftsfelds aber treu – es soll sogar davon profitieren. Denn im Rahmen der Ankündigung von Superpower gab das Unternehmen noch eine neue Finanzierungsrunde über 300 Millionen US-Dollar bekannt. Die Gaskraftwerke generieren zudem erste Umsätze, während an Overture noch gebaut wird. Bevor das erste Flugzeug ausgeliefert wird, vergehen wohl noch einige Jahre – denn Gründer Scholl erwähnt als weiteren Vorteil, dass man mit den Gasgeneratoren mehr Testdaten des Triebwerks sammeln könne.



