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Vom Familienbetrieb zum anonymen Großkonzern

Auf den ersten Blick erscheint die Firma als ehrwürdige Institution, 1957 gegründet, ein Familienunternehmen(öffnet im neuen Fenster) mit gutem Ruf. "Die Dancenter-Gründer setzten von Anfang an auf Qualität und Kundenservice." Doch als aus einem kleinen dänischen Zentralbüro für Ferienwohnungen ein "führender europäischer Anbieter" wurde, veränderte sich offenbar auch die Firmenkultur.

Seit dem Jahr 2019 gehört das Unternehmen zum indischen OYO-Konzern (früher Oravel). OYO Rooms ist heute das drittgrößte Hotelunternehmen weltweit, früher firmierte es unter dem Mehrheitseigentümer Axel Springer als Leisure Group in Amsterdam. Laut BBC(öffnet im neuen Fenster) kaufte OYO die Leisure Group 2019 für 369 Millionen Euro, finanziert von Bekannten in der Onlinewelt wie der Softbank und Airbnb.

Im Rabbithole

Doch der Kaninchenbau ist noch tiefer: Ritesh Agarwal, ein "einfacher indischer Junge", hatte mit Oravel eine Online-Zimmervermittlung gegründet und mithilfe eines Stipendiums von Peter Thiels Unternehmen Thiel Followship ein Zehn-Milliarden-Unternehmen aufgebaut. Dass der US-Broligarch jedoch bei der 100.000-Euro-Anschubfinanzierung seine Hände im Spiel gehabt hat, kann man wohl getrost ausschließen, Thiel wird sicher nicht jedem Stipendiaten über die Schulter schauen.

Oravel selbst funktionierte ohnehin nie wirklich, erst die Umfirmierung zu OYO (Own your Own) brachte ein funktionierendes Geschäftsmodell und verschaffte den Anbietern 60 bis 80 Prozent mehr Rendite. Bis zum Jahr 2021 sammelte OYO knapp 3,5 Milliarden ein, mit der Softbank und Airbnb(öffnet im neuen Fenster) als größte Aktionäre.

Warum das hier eine Rolle spielt? Booking.com dürfte geringes Interesse daran haben, ernsthaft gegen einen unlauteren Anbieter vorzugehen, vor allem wenn der vielleicht größer ist als Booking.com. Zu guter Letzt dürften auch alle Klagen von Geschädigten an Rechtsabteilungen abprallen. Booking.com ist uns eine Antwort schuldig geblieben, ob und wie das Unternehmen gegen Praktiken wie die von Dancenter vorgeht – wie auch zu allen anderen Fragen, die wir gestellt haben.

Was eine Hochzeit und Booking.com gemeinsam haben

Gut, dass internationale Verbraucherschützer sich mit der Thematik beschäftigen. Für Leute wie uns ist es oft schwierig, vor Vertragsabschluss herauszufinden, mit wem wir es zu tun haben und ob die ausgewiesenen Kosten vollumfänglich und rechtens sind oder ob hier jemand mit böser Absicht agiert.

Im vorliegenden Fall hat der Ärger über 140 Euro zu einer sechsmonatigen journalistischen Recherche geführt. Ausgestattet mit dem heutigen Wissen hätten wir niemals bei Dancenter gebucht. Wir werden es auch nicht mehr machen. "Drum prüfe, wer sich (ewig) bindet, ob er nicht noch etwas Besseres findet": So lautet der scherzhafte Rat bei Hochzeiten. Bei Booking.com ist das Kunden nicht immer ausreichend möglich – und das scheint System zu haben.

Nachtrag vom 27. Juli 2026, 10:31 Uhr

Nach Erscheinen des Artikels erreichten die Redaktion und den Autor mehrere E-Mails von Betroffenen sowie der Pressestelle von Booking.com.

Booking.com hat dem Autor den Mietpreis von 155 Euro vollständig als Gutschein erstattet – zwar ohne einen Fehler einzuräumen, aber sehr freundlich: "Ein positives Reiseerlebnis ist uns sehr wichtig. Um die Situation wieder ins Lot zu bringen, möchten wir Ihnen ein Reiseguthaben in Höhe von 155,04 Euro anbieten, das Sie für Ihre zukünftigen Buchungen verwenden können."

Die Presseagentur von Booking.com entschuldigte sich per E-Mail für ihr Nichtantworten – ihr sei nicht klar gewesen, dass der Autor einen Artikel plane, sie werde sich künftig "direkt" melden. Eine Stellungnahme zu den Machenschaften von Dancenter enthielt auch diese E-Mail nicht.

Gleichzeitig erreichten uns mehrere Zuschriften von Geschädigten, die den Sachverhalt untermauern.

Darunter ist auch der Betreiber eines eigenen Ferienwohnungsportals. Er schreibt, er könne unseren Schilderungen von Dancenter "nur zustimmen", der Anbieter sei berüchtigt. Er selbst habe Dancenter solche "Maschen" verboten, daher seien Kunden auf seinem Portal sicher.

Ein weiterer Leser hat Ähnliches erlebt wie der Autor, auch ihm sei eine Abrechnung mit 0 DKK für eine Reinigung präsentiert worden, während er 30 Euro (250 DKK) extra bezahlen sollte – wegen "Krümeln in der Küchenschublade". "Ich hatte alles fotografiert, nur die Schubladen nicht, als würde der Anbieter uns beobachten. Am Ende bin ich mit den 250 DKK noch günstig davongekommen. Ansonsten nie wieder Dancenter."

Noch Schlimmeres allerdings berichtet er von Novasol, das laut dem Betreiber des oben genannten Ferienwohnungsportals auch auf dessen Plattform schlecht bewertet wird. "Schon bei der Ankunft stellte sich heraus, dass die Wohnung in einem katastrophalen Zustand war: stark verschmutzt, mit Ungeziefer-Spuren, Schimmel im Bad und insgesamt nicht ansatzweise so, wie sie beschrieben war. Ich habe den Mangel sofort gemeldet und auf eine Lösung gehofft, aber innerhalb der Mietzeit kam keine brauchbare Abhilfe zustande. Das Ganze eskalierte weiter: Ich ließ das Geld über Paypal zurückbuchen, woraufhin vier Wochen später Mahnungen von Novasol kamen, während sich der Anbieter zugleich praktisch tot stellte."

Novasol habe seinen Anruf und seine Schilderung bei der Notfallhotline wegen des extrem verschmutzten, nicht bewohnbaren Zimmers als"schriftlich bestätigten Check-out" betrachtet, weshalb keine Kompensation möglich sei. Uns liegen Videos, Fotos und E-Mails vor.


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