Abo
  • Services:
Anzeige
Paul Chambers
Paul Chambers (Bild: Finbarr O'Reilly / Reuters)

Bombendrohung: Höchstes Gericht entlastet Twitter-Witzbold

Paul Chambers
Paul Chambers (Bild: Finbarr O'Reilly / Reuters)

Paul Chambers musste bis zum höchsten Gericht Englands gehen, um eine Geldstrafe abzuwenden. Er hatte im Scherz getwittert, er wolle einen Flughafen in die Luft jagen.

Das höchste englische Zivilgericht hat das Urteil gegen Paul Chambers aufgehoben. Der junge Mann hatte im Januar 2010 scherzhaft getwittert, er werde einen Flughafen in die Luft jagen und war daraufhin zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Ein erstes Berufungsverfahren hatte Chambers verloren. Nun hat der High Court endgültig entschieden: Es war ein Witz.

Anzeige

Der 27-jährige Chambers stammt aus dem englischen Doncaster, lebt mittlerweile aber in Nord-Irland. Als er im Januar 2010 vor dem wegen Schneefalls geschlossenen Flughafen von Doncaster stand, schrieb er sich bei Twitter den Frust von der Seele. Seine 600 Follower lasen dort: "Scheiße! Der Robin-Hood-Airport ist geschlossen. Ihr habt eine Woche, um das hier wieder hinzukriegen, sonst jage ich den Flughafen in die Luft!!"

Eine Woche später wurde er verhaftet, nachdem Mitarbeiter des Flughafens auf den Tweet aufmerksam geworden waren. Ein Gericht verurteilte ihn, weil er eine "bedrohliche elektronische Botschaft" versendet habe, zu einer Geldstrafe in Höhe von knapp 1.000 britischen Pfund.

Chambers verlor seinen Job. Er entschied sich, in Berufung zu gehen. Doch auch in zweiter Instanz, am Crown Court, unterlag er, obwohl Mitarbeiter des Flughafens zu seinen Gunsten ausgesagt hatten. Einer von ihnen gab zu, dass der Tweet "keine Folgen" gehabt habe. Es seien "keine Maßnahmen" getroffen worden.

Doch die Richterin sagte nach Angaben des Guardian, die Nachricht sei "bedrohlich in ihrem Inhalt" gewesen. "Es hätte nicht klarer sein können. Jeder normale Mensch, der das liest, hätte das so verstanden und wäre beunruhigt." Sie entschied, dass Chambers weitere 2.000 Pfund für die Verfahrenskosten zu tragen habe.

Aus Protest gegen diese Entscheidung wiederholten Tausende Twitter-Nutzer den "bedrohlichen" Tweet. Chambers erhielt prominente Unterstützung unter anderem vom Schauspieler Stephen Fry, der anbot, die Geldbuße für ihn zu zahlen.

Am heutigen Freitag entschied nun der High Court, dass der Tweet - des im Übrigen bei Twitter auch sofort identifizierbaren Mannes - ein Scherz gewesen sei. Die Meinung des Crown Courts, die Botschaft von Chambers habe einen bedrohlichen Charakter gehabt, sei objektiv nicht haltbar.

Chambers sagte anschließend, er sei erleichtert. Er fügte hinzu: "Es ist lächerlich, dass es soweit kommen musste."

Richtungsweisendes Urteil

Das Urteil gilt schon jetzt als richtungsweisend. Martin Bryant von thenextweb.com hatte es schon nach dem ersten Berufungsprozess auf den Punkt gebracht: "In der guten alten Zeit hätte ein Brief an die Flughafenbetreiber mit einer solchen Botschaft selbstverständlich zu einer polizeilichen Untersuchung geführt. Die gleichen Worte in einer Comedy-Show im Fernsehen wäre von den Behörden ignoriert worden. Das Problem mit Paul Chambers vermeintlicher Drohung ist, dass sie genau dazwischen gelandet ist - ein öffentlicher Witz, aber so von einer Person formuliert, dass es wie eine direkte Botschaft an den Flughafen aussieht."

Chambers Anwalt sagte nun dem Guardian, mit dem Urteil habe das Gericht hohe Hürden gesetzt, bevor eine öffentliche Botschaft wie eben ein Tweet als "bedrohlich" angesehen werden kann.

Britische Behörden sind im Übrigen nicht die Einzigen, die bei Twitter keinen Spaß verstehen. Die Grenzkontrollbehörde US Customs and Border Protection hatte einem irisch-englischen Pärchen im Januar die Einreise in die USA verweigert, weil der Mann vor der Abreise getwittert hatte, er werde "Marilyn Monroe ausgraben" und "Amerika zerstören".


eye home zur Startseite
__destruct() 30. Jul 2012

Bei einem Araber würden sie aber die komplette Familie auseinandernehmen, um irgendwie...

__destruct() 30. Jul 2012

Ich fände es besser, zu fordern, dass sie die Baumstruktur verbessern sollen, so dass es...

Korashen 30. Jul 2012

Keine Sorge, es gab (trockenen) Lachs. Der Laden steht also noch ;-)

Anonymer Nutzer 29. Jul 2012

Kontext, kontext... Dann relativiert sich einiges...

Sheep_Dirty 29. Jul 2012

http://www.youtube.com/watch?v=KcyzF06ridc Toller Song, nicht wahr?



Anzeige

Stellenmarkt
  1. DIEBOLD NIXDORF, Dortmund
  2. PSD Bank Karlsruhe-Neustadt eG, Karlsruhe
  3. via Harvey Nash GmbH, Berlin
  4. SCHUFA Holding AG, Wiesbaden


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. (täglich neue Deals)
  2. (Core i5-7600K + Asus GTX 1060 Dual OC)
  3. 429,90€ zzgl. Versand

Folgen Sie uns
       


  1. Rockstar Games

    "Normalerweise" keine Klagen gegen GTA-Modder

  2. Stromnetz

    Tennet warnt vor Trassen-Maut für bayerische Bauern

  3. Call of Duty

    Modern Warfare Remastered erscheint alleine lauffähig

  4. Gmail

    Google scannt Mails künftig nicht mehr für Werbung

  5. Die Woche im Video

    Ein Chef geht, die Quanten kommen und Nummer Fünf lebt

  6. Hasskommentare

    Koalition einigt sich auf Änderungen am Facebook-Gesetz

  7. Netzneutralität

    CCC lehnt StreamOn der Telekom ab

  8. Star Trek

    Sprachsteuerung IBM Watson in Bridge Crew verfügbar

  9. SteamVR

    Valve zeigt Knuckles-Controller

  10. Netflix und Amazon

    Legale Streaming-Nutzung in Deutschland nimmt zu



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Sony Xperia XZ Premium im Test: Taschenspiegel mit übertrieben gutem Display
Sony Xperia XZ Premium im Test
Taschenspiegel mit übertrieben gutem Display
  1. Keine Entschädigung Gericht sieht mobiles Internet nicht als lebenswichtig an
  2. LTE Deutsche Telekom führt HD Voice Plus ein
  3. Datenrate Vodafone bietet im LTE-Netz 500 MBit/s

1Sheeld für Arduino angetestet: Sensor-Platine hat keine Sensoren und liefert doch Daten
1Sheeld für Arduino angetestet
Sensor-Platine hat keine Sensoren und liefert doch Daten
  1. Calliope Mini im Test Neuland lernt programmieren
  2. Arduino Cinque RISC-V-Prozessor und ESP32 auf einem Board vereint
  3. MKRFOX1200 Neues Arduino-Board erscheint mit kostenlosem Datentarif

Mesh- und Bridge-Systeme in der Praxis: Mehr Access Points, mehr Spaß
Mesh- und Bridge-Systeme in der Praxis
Mehr Access Points, mehr Spaß
  1. Eero 2.0 Neues Mesh-WLAN-System kann sich auch per Kabel vernetzen
  2. BVG Fast alle Berliner U-Bahnhöfe haben offenes WLAN
  3. Broadcom-Sicherheitslücke Vom WLAN-Chip das Smartphone übernehmen

  1. Re: Illegale Nachfrage nimmt ab

    jonoj | 05:14

  2. Re: Nutzt irgendjemand hier wirklich noch google-mail

    FlorianP | 04:42

  3. Re: Die Gerüchte dazu wurden stets dementiert, ...

    nolonar | 04:09

  4. Re: Die Bläh-Station

    nolonar | 04:04

  5. Re: Taschenrechnerbug behoben?

    sio1Thoo | 03:31


  1. 13:30

  2. 12:14

  3. 11:43

  4. 10:51

  5. 09:01

  6. 17:40

  7. 16:22

  8. 15:30


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel