• IT-Karriere:
  • Services:

Bombardier und TU Berlin: Triebzug mit Akku soll Dieselzüge ersetzen

Ungefähr die Hälfte des Deutschen Eisenbahnnetzes ist nicht elektrifiziert. Dort fahren derzeit Diesel-Züge. Der Stromnetzausbau ist aufwendig und lohnt nicht für alle Strecken. Aus Sachsen kommt nun eine sehr pragmatische Lösung: Batteriezüge.

Ein Bericht von Jan Frintert veröffentlicht am
Talent 3 als Variante für den reinen Batteriebetrieb
Talent 3 als Variante für den reinen Batteriebetrieb (Bild: PR/Bombardier Transportations)

Es klingt so einfach. Wenn das Stromnetz vorhanden ist, wird die E-Lok angetrieben und gleichzeitig der Akku aufgeladen. Wenn das Netz endet, fährt der Zug einfach mit Strom aus dem Speicher weiter. Der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) will das Konzept in den kommenden Jahren umsetzen. Er ist für vier nicht elektrifizierte Nebenstrecken rund um die sächsische Landeshauptstadt Dresden zuständig. Dort fahren derzeit Dieseltriebwagen. Das ambitionierte Ziel des VVO: Bis 2024 sollen diese Diesel-Züge durch Fahrzeuge mit einem batterieelektrischen Antrieb ersetzt werden.

Stellenmarkt
  1. Freie und Hansestadt Hamburg Finanzbehörde Hamburg, Hamburg
  2. ALDI International Services GmbH & Co. oHG, Mülheim an der Ruhr

Die Möglichkeiten dafür loten jetzt die Technische Universität Berlin und der Zughersteller Bombardier Transportation aus. Der Hersteller hat mit dem Talent 3 schon einen Zug mit Batterieantrieb entwickelt, der erhält nun die passende Technik für den Oberleitungsbetrieb. Erste Probefahrten soll es schon im September geben.

Wirtschaftlichkeit und technische Umsetzung werden geprüft

Mit einer Machbarkeitsstudie soll die Wirtschaftlichkeit der neuen Technik und die mögliche Umsetzung geprüft werden. Die TU Berlin und Bombardier haben schon Erfahrungen mit batterieelektrischen Antrieben gesammelt. Professor Dietmar Göhlich von der TU Berlin sagt: "Durch die Zusammenarbeit profitieren alle Seiten von Synergieeffekten, da neue Modelle nicht immer wieder von Grund auf erstellt werden müssen."

Bombardier hat im Rahmen des Projektes einen Triebwagen mit Li-Ionen-Traktionsbatterien ausgestattet. Dabei wird das Primove Battery System eingesetzt, das der Hersteller schon in Bussen und Straßenbahnen verwendet. Das sind Nickel-Mangan-Cobalt (NMC)-Li-Ion-Zellen, die mit einer Wasser-Glykol Mischung gekühlt werden. Die Kühlung soll verhindern, dass die Akkus bei der Wiedergewinnung von Energie beim Bremsen überhitzen und so den Einsatz der normalen Bremsen minimieren.

Auf der internationalen Bahnkonferenz in Kopenhagen präsentierte Bombardier im vergangenen Jahr (PDF) schon ein paar Zahlen, wie ein solcher Batterietriebwagen aussehen könnte: Länge 56,20 m, maximale Leistung pro Triebwagen 2.020 kW. Vier Primove-Batterien sorgen auf dem Dach für eine Kapazität von 300 kWh. Diese Batterien sollen insgesamt rund 7,5 Tonnen wiegen. Weitere Batterien, um die Kapazität auf 440 kWh zu erhöhen, sind möglich. Geplant ist, die Akkus nur auf minimal 40 Prozent der Kapazität zu entladen, um die Akkus während der Ladezyklen zu entlasten, was die Lebensdauer verlängert.

Um die Reichweite zu erhöhen, soll die Höchstgeschwindigkeit auf 120 Kilometer pro Stunde reduziert werden. "Ist der Zug auf einer elektrifizierten Strecke unterwegs, lädt er über den Stromabnehmer auf dem Dach die Akkus auf", erläutert Stefan von Mach, Technischer Leiter des Projektes von Bombardier. "Wenn er dann ohne Oberleitung weiterfahren muss, nutzt er die gespeicherte Energie für den Antrieb." Die Kapazität des Testzuges ermöglicht derzeit Reichweiten von bis zu 40 Kilometern. Laut Bombardier ist das Ziel für die künftige Serienproduktion aber eine Reichweite von bis zu 100 Kilometern. Allerdings sollen die Batterien dann für die jeweilige Anwendung optimiert sein.

Erste Ergebnisse im Februar 2019

Mit einer solchen Reichweite könnten mehr als die Hälfte aller nicht elektrifizierten Strecken in Deutschland bewältigt werden. "Für die Streckenabschnitte in Sachsen kann der Einsatz solcher Fahrzeuge sinnvoll sein", sagt Burkhard Ehlen, Geschäftsführer des VVO. Zudem strebe der Freistaat Sachsen in der Zukunft einen weiteren Ausbau der Elektrifizierung an. Die Partner gehen davon aus, dass die Ergebnisse über eine mögliche Umsetzung im Februar 2019 vorliegen.

Die ersten mit Batterien ausgestatteten Züge gab es schon Ende des 19. Jahrhunderts. Das Fahrzeug der Pfälzischen Eisenbahn hatte 1896 immerhin schon eine Reichweite von 4,3 Kilometern. Derzeit ist der Einsatz von Akkus vor allem im Nahverkehr in Bussen verbreitet. Pilotprojekte gibt es unter anderem in Berlin, Braunschweig und Dresden. Im chinesischen Nanjing gibt es seit 2014 eine Batteriestraßenbahn.

Nach bisherigen Analysen geht Bombardier davon aus, dass die Kosten und der CO2-Ausstoß etwas über dem eines normalen E-Zuges liegen. Die Kosten für die Anschaffung eines Batteriezuges werden auf etwa 130 Prozent im Vergleich zu einem Dieselzug geschätzt, die Energiekosten liegen bei etwa 65 Cent pro Kilometer, beim Dieselzug kostet der Kilometer rund 1 Euro. Damit ist ein Batteriezug in der Anschaffung etwa so teuer wie ein Brennstoffzellenzug.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 8,29€
  2. 7,49€

Auspuffanlage 17. Sep 2018

Mach es einfach als Ironie kenntlich, dann ist es ok. Ja das stimmt :D

Eheran 30. Aug 2018

Alles klar, weiß ich bescheid. Damals, 1976, war Youtube noch nicht so überladen wie...

SJ 30. Aug 2018

Was hat das damit zu tun? Fläche Deutschland: 357'380km^2 Fläche Schweiz: 41290km^2...

Eheran 30. Aug 2018

Graphit*

norbertgriese 29. Aug 2018

- Realistische Reichweite im Sommer 250km - im Winter weniger - Dieselheizung im Winter...


Folgen Sie uns
       


Sega Mega Drive (1990) - Golem retro_

Mit Mega-Power sagte Sega 1990 der Konkurrenz den Kampf an. Im Golem retro_ holen wir uns die Spielhalle nach Hause.

Sega Mega Drive (1990) - Golem retro_ Video aufrufen
Programm für IT-Jobeinstieg: Hoffen auf den Klebeeffekt
Programm für IT-Jobeinstieg
Hoffen auf den Klebeeffekt

Aktuell ist der Jobeinstieg für junge Ingenieure und Informatiker schwer. Um ihnen zu helfen, hat das Land Baden-Württemberg eine interessante Idee: Es macht sich selbst zur Zeitarbeitsfirma.
Ein Bericht von Peter Ilg

  1. Arbeitszeit Das Sechs-Stunden-Experiment bei Sipgate
  2. Neuorientierung im IT-Job Endlich mal machen!
  3. IT-Unternehmen Die richtige Software für ein Projekt finden

Weclapp-CTO Ertan Özdil: Wir dürfen nicht in Schönheit und Perfektion untergehen!
Weclapp-CTO Ertan Özdil
"Wir dürfen nicht in Schönheit und Perfektion untergehen!"

Der CTO von Weclapp träumt von smarter Software, die menschliches Eingreifen in der nächsten ERP-Generation reduziert. Deutschen Perfektionismus hält Ertan Özdil aber für gefährlich.
Ein Interview von Maja Hoock


    Fiat 500 als E-Auto im Test: Kleinstwagen mit großem Potenzial
    Fiat 500 als E-Auto im Test
    Kleinstwagen mit großem Potenzial

    Fiat hat einen neuen 500er entwickelt. Der Kleine fährt elektrisch - und zwar richtig gut.
    Ein Test von Peter Ilg

    1. Vierradlenkung Elektrischer GMC Hummer SUV fährt im Krabbengang seitwärts
    2. MG Cyberster MG B Roadster mit Lasergürtel und Union Jack
    3. Elektroauto E-Auto-Prämie übersteigt in 2021 schon Vorjahressumme

      •  /