Bolivien: China erhält Zugriff auf weltgrößte Lithiumvorkommen

Ein chinesisches Konsortium um den Batteriehersteller CATL soll in Bolivien die weltgrößten Lithiumvorkommen fördern. Eine entsprechende Vereinbarung mit der bolivianischen Regierung wurde laut Medienberichten (öffnet im neuen Fenster) am 20. Januar 2023 unterzeichnet.
Das Konsortium um den weltgrößten Batteriehersteller CATL soll für die Förderung die sogenannte Direkte Lithium-Extraktion (DLE)(öffnet im neuen Fenster) einsetzen. Frühere Pläne mit deutschen Anbietern wurden von der bolivianischen Regierung wieder gestoppt .
Bolivien verfügt mit 21 Millionen Tonnen über die weltweit größten Vorkommen an Lithium. Das Land hat es in den vergangenen Jahren jedoch trotz Investitionen in Höhe von rund 900 Millionen US-Dollar nicht geschafft, eine Produktion im industriellen Maßstab aufzubauen. Das staatliche Bergbauunternehmen Yacimientos del Litio Bolivianos (YLB) kooperiert daher künftig mit den chinesischen Firmen.
Dem Bericht zufolge will das 2021 gegründete Konsortium(öffnet im neuen Fenster) CATL Brunp & CMOC (CBC) zwei Produktionsstätten errichten, eine davon am Salar de Uyuni, die andere am Salar de Coipasa. Jede dieser Anlagen soll die Kapazität haben, bis zu 25.000 Tonnen Lithiumcarbonat in Batteriequalität mit einem Reinheitsgrad von 99,5 Prozent pro Jahr zu produzieren.
In der ersten Phase des Projektes werde CBC rund eine Milliarde Dollar investieren, sagte Staatspräsident Luis Arce. Das binationale Unternehmen gehe davon aus, dass es schon im ersten Quartal 2025 Lithiumbatterien exportieren werde. Arce sagte, die staatliche YLB werde sich an der Erschließung, Verarbeitung und Vermarktung der Batterien beteiligen, was dem Land höhere Einnahmen sichern werde. Dazu wolle das Land weitere Firmen auswählen.
Bolivien schrieb die Projekte zur Lithiumgewinnung im Juli 2021 komplett neu aus . Von den sechs am Ende zur Auswahl zugelassenen Firmen stammen vier aus China: CATL, Citic Guaong/Crigg, Xinjiang TBEA und Fusion Enertech. Hinzu kamen noch Lilac Solutions aus den USA und Uranium One aus Russland, eine Tochterfirma von Rosatom.
DLE-Verfahren noch in Pilotphase
Angesichts der Tatsache, dass DLE bislang noch nicht in großem Maßstab eingesetzt wird und solche Projekte einen langen Vorlauf benötigen, rechnen Marktbeobachter von Fastmarkets und Bloomberg NEF(öffnet im neuen Fenster) nicht vor dem Jahr 2032 mit einer nennenswerten Produktion.
Für Bolivien hat das Verfahren jedoch Vorteile. Im Gegensatz zum bislang üblichen Vorgehen, bei dem die Salzlauge in riesigen Becken verdunstet, soll DLE weniger Frischwasser verbrauchen und einen deutlich geringeren Eingriff in die Natur darstellen. Anstatt der großen Eindampfungsbecken benötige man nur noch Bohrlöcher, erläuterte der Geologe Micha Zauner im vergangenen Jahr im Gespräch mit Golem.de .

















Dieses Verfahren werde gerade im großen Maßstab getestet. "Es gibt schon Pilotversuche. Wenn das funktioniert, dann ist der Eingriff nicht mehr so groß, weil man nur noch eine endliche Anzahl von Bohrungen hat und keine großen Becken mehr," sagte Zauner.
Sollte Bolivien zusammen mit CATL in den kommenden Jahren in der Lage sein, nennenswerte Mengen an Lithiumcarbonat oder gar Batterien zu produzieren, könnte dies die Situation auf dem Rohstoffmarkt etwas entschärfen. So ging die Deutsche Rohstoffagentur (Dera) in einer Studie vom Juni 2022 noch davon aus , dass es bis zum Jahr 2030 ein Defizit von bis zu 341.000 Tonnen Lithium geben könnte. Studienautor Michael Schmidt schätzte die politische Situation in den Ländern Chile und Bolivien als schwierig ein, was zu Verzögerungen bei der Lithiumgewinnung führen könne.



