Bohr: Erster kommerzieller nuklearbetriebener Satellit ist gestartet
Der erste kommerziell atomgetriebene Satellit ist am 7. Juli 2026(öffnet im neuen Fenster) mit einer Falcon-9-Rakete von SpaceX ins Weltall gebracht worden. Bei der Transporter-17 Rideshare Mission handelt es sich laut dem US-Unternehmen City Labs(öffnet im neuen Fenster)um den ersten atomgetriebenen Kleinsatelliten Cubesat(öffnet im neuen Fenster).
Der Satellit Bohr (Betavoltaic Orbital High-Reliability) wird von zwei Energiesystemen mit Strom versorgt: einerseits mit den konventionellen Solarpaneelen, die am Satellitenbus angebracht sind, andererseits mit der von City Labs entwickelten Nanotritium-Technik(öffnet im neuen Fenster). Diese basiert auf dem Zerfall von Tritium, einem radioaktiven Wasserstoffisotop, das als Betastrahler Teilchen emittiert. Sobald die Betateilchen auf den verbauten Halbleiter treffen, wird Strom erzeugt. Die Methode wird Betavoltaik(öffnet im neuen Fenster) genannt.
Die Halbwertszeit von Tritium liegt bei 12,32 Jahren. Zudem zerfällt das Isotop zu stabilem Helium-3. Da das System von Bohr mit extrem niedrigen Strahlungswerten arbeitet, sollten die Risiken bei einem Ausfall oder Fehlstart gering ausfallen.
Blick in die Geschichtsbücher: Nuklearbetriebene Satelliten
Diese Energiequelle soll in Aktion treten, wenn die Solarpaneele keinen Strom liefern. Das kann passieren, wenn sich der Satellit auf seiner Umlaufbahn im Erdschatten befindet. Dadurch könnten Raumfahrzeuge im Dauerbetrieb voll einsatzfähig sein, was auch für Missionen in den schattigen Mondkratern gilt. Laut Peter Cabauy, CEO von City Labs, zeigt Bohr, dass "kompakte und behördlich zugelassene Atomenergiesysteme für den normalen kommerziellen Einsatz bereit" sind.
Raumfahrzeuge wie die US-amerikanischen Marsrover Perseverance und Curiosity, oder der chinesische Mondrover der Chang'e-3-Mission sind schon lange mit Radionuklidbatterien ausgestattet. Das gilt ebenso für die Nasa-Raumsonden Voyager 1, Voyager 2 und New Horizons. Diese Batteriesysteme nutzen die thermische Energie oder die Strahlung des spontanen Kernzerfalls, um elektrischen Strom zu erzeugen.
Zwischen 1967 und 1988 hatte die damalige Sowjetunion die mit Kernreaktoren ausgestatteten Radar Ocean Reconnaissance Satellites(öffnet im neuen Fenster)(Rorsat) zur Radarüberwachung von Nato-Schiffen eingesetzt. Diese wurden mit radioaktivem Argon-39 betrieben, das eine Halbwertszeit von 269 Jahren hat.
Die Satelliten gelten als Hauptverursacher des Weltraumschrotts in einer Höhe von etwa 950 Kilometern über der Erde. Doch all das zeigt: Die Kernenergie ist nichts Neues in der Raumfahrt, wurde bisher aber nicht privatwirtschaftlich eingesetzt.
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