Börsenkurse: EZB warnt vor Risiken durch KI-Börsenhype
Die Europäische Zentralbank hat vor einem Crash an den Finanzmärkten(öffnet im neuen Fenster) gewarnt, der vom anhaltenden Hype um KI ausgehen könnte. EZB-Vizepräsident Luis de Guindos äußerte sich am Montag auf der Euro Finance Week in Frankfurt besorgt über die Bewertungen großer US-Technologiekonzerne. Und auch Google-Chef Sundar Pichai sieht Parallelen zur Dotcom-Blase.
Plötzliche Kursverluste könnten Investmentfonds unter Druck setzen und zu Verlusten für Anleger führen, erklärte de Guindos. Die Warnung reiht sich ein in Bedenken, die zuvor bereits von der Bank of England und zahlreichen Finanzexperten geäußert wurden. Und auch Google-Chef Sundar Pichai warnt vor einer möglichen Überhitzung. In einem BBC-Interview(öffnet im neuen Fenster) räumte er ein, dass der KI-Markt derzeit Anzeichen irrationaler Investitionen zeige. "Ich glaube, kein Unternehmen wird verschont bleiben, auch wir nicht" , erklärte Pichai auf die Frage nach möglichen Marktkorrekturen.
Die aufgekommene optimistische Stimmung seit der Erholung der globalen Aktienmärkte von ihren Tiefstständen im April habe die hohen Bewertungen weiter steigen lassen, so der EZB-Vizepräsident. Gleichzeitig habe die Marktkonzentration und Vernetzung zwischen einer Handvoll großer US-Technologieunternehmen zugenommen.
Liquiditätsprobleme und Notverkäufe möglich
Liquiditätsrisiken bei offenen Fonds und ein hoher Verschuldungsgrad bei Hedgefonds erhöhen laut de Guindos das Risiko von Notverkäufen. Solche Zwangsverkäufe erfolgen binnen kurzer Zeit und können Börsenverluste drastisch verschärfen.
Die Nervosität an den Finanzmärkten wächst aufgrund der hohen Bewertungen bei US-Technologiekonzernen. Diese haben wegen ihres immensen Börsenwerts ein hohes Gewicht auch in Indexfonds wie dem MSCI World, die bei Privatanlegern beliebt sind.
Zuletzt stieg die Unsicherheit, da Investoren Zweifel äußerten, ob sich die gewaltigen Investitionen vieler Konzerne in KI jemals rechnen und die aktuellen Kursniveaus rechtfertigen. Die EZB ist nicht die erste Zentralbank, die vor einem möglichen Ende des KI-Hypes warnt. Die Bank of England wies unlängst auf die Risiken für die globalen Finanzmärkte hin, die einbrechen könnten, wenn sich die Stimmung der Anleger eintrübe.
Der Crash wird größer als das Platzen der Dotcom-Blase
Das Wirtschaftsmagazin Economist(öffnet im neuen Fenster) schätzte Anfang November 2025, dass ein Börsencrash größere Folgen für die US-Bevölkerung hätte als das Platzen der Dotcom-Blase. Mittlerweile seien 21 Prozent des gesamten Haushaltsvermögens an Börsen investiert, im Jahr 2000 waren es 17 Prozent. Ein Börsencrash würde zu einem Einbruch des US-Konsums um etwa 500 Milliarden US-Dollar führen, was 1,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht.
Die Marktkonzentration hat sich deutlich verstärkt: Die 20 größten Unternehmen im S&P 500 machen heute 52 Prozent des Indexwerts aus, im Jahr 2000 waren es 39 Prozent. Elf dieser Top-20-Unternehmen sind heute stark in KI investiert.
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