Börsenbeben: Trump verlangt jährliche Zahlungen von der EU

An den Börsen drohen den dritten Tag in Folge herbe Kursstürze wegen der Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump . Der 78-Jährige befeuerte den Ausverkauf mit Aussagen, wonach er die teils schon in Kraft getretenen Zölle nicht rückgängig machen wolle. Auf die Frage einer Reporterin, ob es bei den Kurstürzen eine Schwelle gebe, die er nicht mehr tolerieren wolle, antwortete er: "Ich denke, Ihre Frage ist so dumm. Ich möchte nicht, dass irgendetwas abstürzt. Aber manchmal muss man Medizin nehmen, um etwas zu heilen."
Weiter sagte Trump am 6. April 2025 an Bord der Air Force One(öffnet im neuen Fenster) : "Vergessen Sie die Märkte für einen Moment. Wir haben alle Vorteile. Wir kriegen das schon hin." Die Aktienmärkte in Asien verzeichneten am Montag starke Verluste von teilweise mehr als 10 Prozent. Der deutsche Leitindex Dax startete mit einem Minus von mehr als 10 Prozent und pendelte sich bei Verlusten von 6 Prozent ein. Die übrigen europäischen Indizes notierten ebenfalls um mehr als 5 Prozent schwächer.
Trump sagte darüber hinaus, dass er am Wochenende mit führenden Vertretern der Technologiebranche gesprochen habe, darunter mit "vier oder fünf der größten" . Die Namen der Unternehmen wollte er auf Nachfrage nicht nennen. Aber sie hätten ihm gesagt: "Wir geben Ihnen keine Schuld." Der Börsenwert der sieben großen US-amerikanischen IT-Firmen ist in den ersten beiden Tagen nach den Zollankündigung um 1,8 Billionen US-Dollar gesunken .
Trump lehnt jedes Handelsdefizit ab
Auch mit Politikern habe er verhandelt. "Ich habe mit vielen Europäern, Asiaten, überall auf der Welt gesprochen. Sie brennen darauf, ein Abkommen zu schließen" , sagte Trump. Er forderte China und andere Länder auf, ihre Handelsdefizite anzugehen. "Solange wir dieses Problem nicht gelöst haben, werde ich kein Abkommen schließen" , sagte er weiter.
Er habe den Regierungschefs gesagt, "dass wir keine Defizite mit Ihrem Land haben werden. Das werden wir nicht tun. Denn für mich ist ein Defizit ein Verlust. Wir werden Überschüsse haben oder im schlimmsten Fall ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen."
Schwere Vorwürfe gegenüber der EU
Wie diese Forderung umgesetzt werden soll, ist völlig unklar. Das betrifft unter anderem die EU, die Trump auf dem Flug von Florida nach Washington scharf kritisierte. "Sie kommen an den Tisch, sie wollen reden, aber es gibt keine Gespräche, wenn sie uns nicht jährlich eine Menge Geld zahlen, erstens für die Gegenwart, aber auch für die Vergangenheit, denn sie haben uns einen großen Teil unseres Reichtums genommen, und das werden wir nicht zulassen" , sagte der US-Präsident.
Trump sagte darüber hinaus: "Die Vereinigten Staaten können nicht 1,9 Billionen Dollar im Handel verlieren. Wir können das nicht tun und gleichzeitig viel Geld für die Nato ausgeben, um die europäischen Nationen zu schützen. Wir beschützen sie mit Militär, und dann verlieren wir Geld im Handel. Das Ganze ist verrückt, und ich bin auf dieser Grundlage gewählt worden. Wir haben es erklärt. Das amerikanische Volk versteht es viel besser als die Medien."
Er wiederholte Vorwürfe gegenüber der EU, die er schon früher geäußert hatte: "Die Europäische Union wurde aus einem Grund gegründet. Wissen Sie, was das war? Um die Vereinigten Staaten abzuzocken."
EU verhandelt über Gegenmaßnahmen
Noch ist unklar, wie die EU auf die angekündigten Strafzölle in Höhe von 20 Prozent reagieren wird. Nach einem Gespräch mit dem britischen Premierminister Keir Starmer bekräftigte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die Bereitschaft der EU(öffnet im neuen Fenster) , "ihre Interessen erforderlichenfalls durch angemessene Gegenmaßnahmen zu verteidigen" .
Am Montag treffen sich in Brüssel die Wirtschaftsminister der 27 EU-Mitgliedstaaten, um über ein gemeinsames Vorgehen zu bereiten. Der scheidende Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) bezeichnete das Vorgehen der US-Regierung vor dem Treffen in Luxemburg als "Unsinn" und fügte hinzu: "Schon die Grundlage der Berechnung ist Unsinn."
Habeck bezog sich auf die Berechnung der Zölle in Höhe von 39 Prozent, die angeblich von der EU gegenüber den USA erhoben würden. De facto ergibt sich der Prozentsatz jedoch aus dem Verhältnis des Handelsdefizits zum Handelsvolumen. Der Dienstleistungssektor, in dem die USA dank ihrer Banken und IT-Konzerne einen großen Überschuss erwirtschaften, ist in der Berechnung nicht enthalten.
Nachtrag vom 7. April 2025, 17:53 Uhr
Nach Angaben von EU-Handelskommissar Maroš Sefčovič(öffnet im neuen Fenster) ist die EU uneingeschränkt bereit, über die gemeinsamen Zölle zu verhandeln. Dazu sei den USA eine gegenseitige Null-Zoll-Vereinbarung für Autos und Industriegüter angeboten worden.
Sefčovič rechnet jedoch nicht mit einer schnellen Einigung, "da die USA Zölle nicht als taktischen Schritt, sondern als Korrekturmaßnahme betrachten" . Die EU wolle sich mit Gegenmaßnahmen jedoch nicht endlos Zeit lassen. Dazu wolle die Gemeinschaft dreigleisig vorgehen: die Interessen durch Gegenmaßnahmen verteidigen, den Handel durch neue Abkommen diversifizieren und die schädliche Umlenkung von Handel verhindern. Die finale Liste der Gegenmaßnahmen könnte am 15. April 2025 beschlossen werden.
Was den dritten Punkt betrifft, so befürchtet die EU offenbar, dass ursprünglich für die USA bestimmte Produkte nun unter Umgehung von EU-Vorgaben auf den europäischen Markt gelangen. "Wir sind bereit, alle uns zur Verfügung stehenden Instrumente des Handelsschutzes einzusetzen, um den EU-Binnenmarkt, die EU-Produzenten und die EU-Verbraucher zu schützen" , sagte Sefčovič. Dazu werde eine Task Force eingerichtet.
Berg- und Talfahrt an US-Börsen
Trump selbst drohte China mit weiteren Zöllen in Höhe von 50 Prozent, wenn das Land seine angekündigten Gegenzölle in Höhe von 34 Prozent nicht zurücknehmen werde. "Außerdem werden alle Gespräche mit China über die von ihnen gewünschten Treffen mit uns abgebrochen! Die Verhandlungen mit anderen Ländern, die ebenfalls um Treffen gebeten haben, werden sofort aufgenommen" , schrieb Trump auf Truth Social(öffnet im neuen Fenster) .
Darüber hinaus dementierte das Weiße Haus Gerüchte,(öffnet im neuen Fenster) wonach Trump die angekündigten Zölle für 90 Tage aussetzen wolle. Nachdem die Kurse nach Bekanntwerden des Gerüchts wieder stark zugelegt hatten, tendierten sie nach dem Dementi wieder ins Minus.
Einem Bericht des Wall Street Journal(öffnet im neuen Fenster) (Paywall) zufolge liegt der US-Zoll für Waren aus China inzwischen bei 76 Prozent. Das gehe aus Berechnungen von Chad Bown vom Peterson Institute for International Economics hervor. Laut Bown(öffnet im neuen Fenster) lag der Zoll vor der Ankündigung vom 2. April 2025 bereits bei 42,1 Prozent für Importe aus China. Importe aus den USA wurden in China bis dato mit 22,6 Prozent besteuert. Dieser Wert stieg durch die Gegenzölle dann auf 56,6 Prozent.



