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Boeings Niederlage: Große Änderungen im Raketenprogramm von Artemis

Boeing verliert den Auftrag für die SLS-Oberstufe an ULA. Die neue Centaur-V soll die Kosten senken und die Effizienz des Artemis-Programms steigern.
/ Patrick Klapetz
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Die neue Konfiguration der Mondrakete des Artemis-Programms der Nasa (Illustration). (Bild: Nasa)
Die neue Konfiguration der Mondrakete des Artemis-Programms der Nasa (Illustration). Bild: Nasa

Die US-amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa hat das Ende der Interims-Oberstufe für die SLS-Mondrakete besiegelt. Dieser Schritt folgt im Zuge einer strategischen Neuausrichtung des Artemis-Programms. Mit der Bestellung einer neuen Oberstufe(öffnet im neuen Fenster) bereitet sich die Behörde auf komplexere Missionen zum Mond und darüber hinaus vor.

Am 6. März 2026 wurde die Vergabe des Auftrags für die neue Oberstufe auf der Regierungsseite für Systems for Award Management (sam.gov) aufgelistet. Die United Launch Alliance (ULA) erhielt den Alleinauftrag, um die "nächste Generation der Oberstufen für den Einsatz im Space Launch System (SLS) Artemis IV und Artemis V zu liefern".

Aufgelistet wurde dieser Auftrag als "Vulcan Centaur V Upper Stage for Space Launch System", womit das System auf die Centaur-V-Oberstufe setzt, die bereits bei der Vulcan-Rakete zum Einsatz kommt. Die ULA kann damit ihre Position als zuverlässiger Partner weiter festigen, Boeing muss abtreten. Wobei die Kernstufe, die riesige orangefarbene Hauptstufe, die den Treibstoff für die Haupttriebwerke liefert, weiterhin von Boeing bereitgestellt wird.

Boeing verliert die Kontrolle über das obere Ende der Mondrakete

Bisher nutzt die Nasa für die ersten Artemis-Missionen die ICPS (Interim Cryogenic Propulsion Stage), die auf der Technologie der bewährten Delta-IV-Rakete von Boeing basiert. Das ICPS ist jedoch in seiner Nutzlastkapazität limitiert.

Das Orion-Raumschiff mit Besatzung war zwar kein Problem, bei zukünftigen Missionen sollte die SLS-Rakete diese jedoch gemeinsam mit weiteren schweren Frachtmodulen ins All befördern. Dazu gehören etwa die Module der Mondraumstation Lunar Gateway oder die Landefähren für die Mondlandung.

Ursprünglich war geplant, die kraftvollere EUS-Oberstufe (Exploration Upper Stage) von Boeing dafür einzusetzen. Damit hätte die SLS-Konfiguration von Block-1 zur leistungsstärkeren Version Block-1B gewechselt.

Anders als beim ICPS, welches nur aus einem Triebwerk besteht, wäre EUS mit vier RL10-Triebwerken ausgestattet gewesen. Das sollte die Nutzlastkapazität zum Mond um rund 40 Prozent steigern – was eine Grundvoraussetzung für den Aufbau einer dauerhaften Präsenz auf der Mondoberfläche ist.

Standardisierung für eine höhere Schlagzahl

Für die ersten drei Artemis-Missionen war der Start noch mit der ICPS-Oberstufe vorgesehen. Ab Artemis IV sollten die SLS-Block-1B oder die SLS-Block-2 zum Einsatz kommen. Jedoch würde der Wechsel auch mehr Testläufe bedeuten, was wiederum zu weiteren Verzögerungen im Artemis-Programm führen könnte – wie sie jetzt bereits zur unbeliebten Regel gehören.

Die Standardisierung der SLS-Konfiguration soll dieses Problem beheben. Deswegen hat der amtierende Nasa-Administrator, Jared Isaacman, erst kürzlich die neue Architektur des Artemis-Programms vorgestellt. Dazu gehört auch, dass sich die astronautische Mondlandung von Artemis III auf IV verschiebt. Zudem soll dieser Schritt die Effizienz der teuren Starts erhöhen.

Die Centaur-V verwendet auch die RL10-Triebwerke, aber nur zwei von ihnen. Dadurch kann zwar weniger Masse transportiert werden, jedoch haben sie ein geringeres Eigengewicht und können eine bewährte Serienfertigung vorweisen. Entsprechend bedeutet dieser Auftrag auch, und das hatte Isaacman bereits zuvor bekräftigt, dass die SLS-Rakete primär nur noch als zuverlässiger Startanbieter für das Orion-Raumschiff und dessen Besatzung bedient wird.

Statt gleichzeitig Frachtmodule für den Aufbau einer Mondinfrastruktur mitzuführen, wird dieser Teil an die kommerzielle Raumfahrt übertragen. Die Module des Lunar Gateway und die Landefähren für den Mond sollen zukünftig mit Anbietern wie SpaceX und seinem Starship oder Blue Origin mit seiner New-Glenn-Rakete ins Weltall gebracht werden.

Vorerst sind aber nur Artemis IV und V mit der neuen und standardisierten SLS-Konfiguration ausgestattet. Wird die Standardisierung jedoch ernst genommen, sollten auch zukünftige Missionen mit der ULA-Konfiguration fliegen.


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