Boeing: "Würdet ihr eure Familie in die 737 Max setzen? Ich nicht!"
Interne E-Mails zwischen Boeing-Mitarbeitern zeigen, dass der Konzern beim Training der Piloten für das umstrittene Flugzeugs 737 Max wohl Geld sparen wollte. Entsprechende Dokumente(öffnet im neuen Fenster) hat das IT-Magazin The Verge(öffnet im neuen Fenster) veröffentlicht, nachdem das Unternehmen sie der Behörde FAA übergeben hatte. Boeing bewarb anfangs in den Jahren 2017 und 2018 die 737 Max wohl ausdrücklich damit, dass keine weiteren Trainingseinheiten im Simulator notwendig seien, um die Maschine zu fliegen.
"Es gibt absolut keinen Grund, dass ihre Piloten einen Max-Simulator benötigen, um die Max fliegen zu können" , schrieb der technische Chefpilot des Projektes im Jahr 2017. Er habe Boeing davon überzeugt, auf zusätzliches Training zu verzichten. Durch diese Einstellung seien Piloten später nicht auf mögliche Worst-Case-Szenarios vorbereitet gewesen. Die Folge: zwei Abstürze und 346 Tote.
Kritik aus Unternehmen und Politik
"Würdet ihr eure Familie in ein 737-Max-Flugzeug setzen? Ich nicht" , schrieb ein Boeing-Mitarbeiter in den E-Mails. Auch seien einige Piloten mit der Sparmaßnahme von Anfang an nicht einverstanden gewesen. "Ich wäre schockiert, wenn die FAA diesen Scheißhaufen bestehen lässt" , heißt es in einer E-Mail vom Mai 2018.
Aufgrund der Veröffentlichung halten Politiker wie der Demokrat Peter DeFazio Entschuldigungen seitens des Konzerns für nicht genug. Der Senator Richard Blumenthal, ebenfalls Demokrat, schrieb auf Twitter(öffnet im neuen Fenster) : "Handeln und das Übernehmen der Verantwortung sind längst überfällig."
Derzeit ist der Bau der 737 Max eingestellt. Bereits fertiggestellte Flugzeuge werden zunächst einmal ausgeliefert. Auch hat Boeing in einer eigenen Stellungnahme(öffnet im neuen Fenster) versichert, dass es mittlerweile umfassende Simulatoreinheiten für Piloten gebe. Das Vertrauen in die Maschine wiederherzustellen, dürfte allerdings wesentlich mehr Arbeit erfordern.
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