Boeing: Mitarbeiter kritisieren mangelnde Sorgfalt beim Dreamliner

Boeing soll beim Bau des Flugzeugs 787 Dreamliner mehr Wert auf Schnelligkeit als auf Sorgfalt und Sicherheit legen. Das gehe auf Kosten der Sicherheit, kritisieren Mitarbeiter in einem Zeitungsbericht. Boeing weist die Vorwürfe zurück.

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Boeing 787 Dreamliner: Geschwindigkeit vor Qualität
Boeing 787 Dreamliner: Geschwindigkeit vor Qualität (Bild: 玄史生/Wikipedia/CC0 1.0)

Neue Schwierigkeiten für Boeing: Mitarbeiter haben in den vergangenen Jahren mehrfach auf Sicherheitsmängel bei der Produktion des Verkehrsflugzeuges 787 Dreamliner hingewiesen. Die Leitung des Luft- und Raumfahrtkonzerns soll diese ignoriert haben.

Boeing eröffnete 2009 in Charleston im US-Bundesstaat South Carolina ein Werk für die Produktion des Dreamliners. Die Bedingungen, unter denen dort gearbeitet wird, sollen schwerwiegende Auswirkungen auf die Qualität der Flugzeuge haben. Das berichtet die Tageszeitung New York Times (NYT). Ein Arbeiter sagte, er werde aus Sicherheitsgründen nicht mit einem Dreamliner fliegen.

Demnach soll unter hohem Druck produziert worden sein, Geschwindigkeit der Vorzug vor Qualität gegeben worden sein. Mitarbeiter beschrieben beispielsweise, dass fehlerhafte Teile verbaut worden seien. Auch seien schon Flugzeuge zu Testflügen gestartet mit Bauteilen im Triebwerk, die dort nicht hingehörten. Ein ehemaliger Boeing-Qualitätsprüfer erzählte, dass er mehrfach in Flugzeugen Metallspäne in der Nähe der Kabel für die Flugsteuerung gefunden habe.

Wenn die scharfkantigen Teile sich in die Kabel bohrten, könnte das katastrophale Folgen haben. Doch seine Vorgesetzten hatten seine Aufforderungen, diese Späne zu entfernen, ignoriert. Darauf wandte sich der inzwischen pensionierte Mitarbeiter anonym an die zuständigen Behörden.

Er war nicht der einzige Boeing-Mitarbeiter, der vor Qualitätsmängeln warnte: Die NYT beruft sich auf interne E-Mails, Unternehmensdokumente sowie Behördenakten - insgesamt mehrere Hundert Seiten - sowie auf Interviews mit über einem Dutzend aktueller und ehemaliger Mitarbeiter. Diese zeigten, "eine Kultur, die oft Wert auf Produktionsgeschwindigkeit statt auf Qualität legt", schreibt die Zeitung. Es gebe jedoch keine Hinweise, dass die Probleme in der Fabrik zu ernsten Zwischenfällen mit dem Dreamliner geführt hätten.

Allerdings gab es anfangs Probleme: Zwei Akkus gerieten in Brand. Ein Dreamliner der japanischen Fluglinie All Nippon Airways (ANA) musste wegen des Feuers notlanden. Daraufhin verhängte die US-Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA) ein Startverbot für den Dreamliner. Zudem machten die Bordcomputer Schwierigkeiten.

Boeing - ohnehin gerade unter Druck wegen zweier Abstürze von Flugzeugen des Typs 737 Max sowie weiterer Software-Fehler - bestreitet den Bericht der NYT. Im Werk in Charleston werde "auf dem höchsten Qualitätsniveau in unserer Geschichte" produziert, sagte Kevin McAllister, Leiter des Bereichs für die Verkehrsflugzeug bei Boeing.

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