Boeing: Die Probleme der Starliner-Raumkapsel waren vorprogrammiert
Der am 30. Juni veröffentlichte Bericht des Generalinspektorats der US-Raumfahrtbehörde Nasa(öffnet im neuen Fenster) (Office of Inspector General, OIG) erhöht die Unsicherheit, wann das kommerzielle Besatzungsraumschiff Starliner für astronautische Missionen zur Internationalen Raumstation zugelassen wird – unabhängig vom Optimismus des Boeing-Vorstandsvorsitzenden.
Ein Grund ist laut dem Bericht übermäßiges Vertrauen der Nasa in Boeing. Deshalb wurden wichtige Systemtests übersprungen und unrealistische Zeitpläne akzeptiert. Zudem sei der Zugriff auf Simulator-Daten vertraglich eingeschränkt gewesen, und selbst die verfügbaren Sicherheitsdaten seien von der Nasa ignoriert worden.
Trotz jahrelanger Verzögerungen habe die Nasa lange so agiert, als stünde der Start kurz bevor. Verschärft worden sei die Lage durch Personalmangel und Unklarheiten über interne Zuständigkeiten bei der Sicherheitsüberprüfung. Statt die Probleme anzugehen, habe die Nasa sie aufgeschoben.
Flugzertifizierung ausgeschlossen?
Wann und ob der Starliner wieder starten wird, ist laut OIG mit großer Unsicherheit verbunden. Aufgrund der bevorstehenden Stilllegung der ISS im Jahr 2030 sei unklar, ob der Starliner für eine Besatzungsrotationsmission zu der Raumstation zertifiziert werde.
Im Beratungsgremium für Luft- und Raumfahrtsicherheit der Nasa(öffnet im neuen Fenster) wurde am 22. Juni 2026 verkündet, dass der Starliner im Verlauf des kommenden Jahres eine Frachtmission fliegen soll. Einen konkreten Zeitplan gibt es nicht.
Nasa-Vertreter hatten eine Zertifizierung des Starliner bis Herbst 2026 als realistisch eingeschätzt, das OIG geht nicht von einer Flugzertifizierung vor 2027 aus. Zumal einige der schwerwiegenden Probleme der Raumkapsel wie die Triebwerksausfälle weiterhin bestehen.
Demnach beruhen die seit Langem bestehenden technischen Probleme auf einer Kombination aus Überheblichkeit, unrealistischen Zeitplänen und mangelnder Kenntnis der Nasa über das Raumschiff.
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