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Die totale Ortung aller Nutzer per MBS?

Es gibt noch viele weitere Anwendungsfälle. So sei es möglich, Mobilfunksender innerhalb von Gebäuden mit Hilfe der Beacons mit einem GPS-Zeitstempel zu versorgen, sagte Pattabiraman. Dadurch könnte man die teure Verbindung solcher Sender mit einem GPS-Empfänger auf dem Dach zur Netzwerksynchronisierung einsparen. Gerade für den neuen 5G-Standard würden Sender innerhalb von Gebäuden, sogenannte Mikrozellen, benötigt. Das System könne zudem dazu genutzt werden, um beispielsweise autonome Autos innerhalb von Parkhäusern zu orten. Denkbar sei auch eine Steuerung von Drohnen mit Hilfe der Signale.

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Laut Nextnav hat das System mehrere Vorteile gegenüber GPS. So brauche die Lokalisierung in den Handys deutlich weniger Energie, zudem dauere die Ortung nur rund eine Sekunde. Damit würde sich die Technik beispielsweise auch für Systeme eignen, um gestohlene Fahrräder innerhalb von Städten zu orten. Ein Test der Berliner Tageszeitung hatte vor einigen Monaten gezeigt, dass Diebstahlsicherungen, die nur auf GPS beruhen, in Städten rasch an ihre Grenzen stoßen. Auch die präzise Ortung gestohlener Handy könnte auf diesem Weg einfacher werden.

Sicherheitsbehörden dürften großes Interesse zeigen

Es stellt sich jedoch die Frage, ob mit Hilfe von MBS nicht die totale Überwachung von Handynutzern ermöglicht wird. Eltern könnten dadurch sogar überprüfen, ob ihre Kinder gerade im richtigen Klassenzimmer sitzen. Von den Möglichkeiten der Geheimdienste und Ermittlungsbehörden ganz zu schweigen. Solche Bedenken hat Nextnav jedoch nicht. Das System sei sehr datenschutzfreundlich, sagte Pattabiraman. Schließlich funktioniere die Ortung ähnlich wie GPS: Nur diejenige App erhalte die Daten, die vom Nutzer dazu autorisiert werde.

Man braucht jedoch nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass Sicherheitsbehörden alles daran setzen werden, um in bestimmten Fällen eine solche MBS-Ortung auslösen zu können. Als deutlich genaueren Ersatz für eine sogenannte stille SMS oder eine Positionsbestimmung per Imsi-Catcher. Pattabiraman erwähnte die Terroranschläge von Paris im November 2015: "Wenn sie genau gewusst hätten, wo sich die Personen befinden, hätten Polizei und Feuerwehr viel effizienter und schneller eingesetzt werden können."

Nutzungslizenz erforderlich

Das Unternehmen sieht sich dabei als neutraler Dienstleister, der lediglich das Signal liefert. Die Positionsdaten selbst sammelt das Nextnav nicht. Anders als bei GPS brauchen die einzelnen Anwendungen jedoch eine Nutzungslizenz, da das Signal verschlüsselt ist und von Nextnav ein Schlüssel erworben werden muss.

Nach Ansicht von Nextnav kann das System in ein bis zwei Jahren einsatzbereit sein. Es gebe bereits Gespräche mit Providern sowie den Herstellern von Prozessoren und Handys. Der Chiphersteller Broadcom erwarb bereits vor drei Jahren eine Nutzungslizenz. Andere seien inzwischen gefolgt. Das Unternehmen geht davon aus, dass sich die Telekommunikationsfirmen im kommenden Frühjahr für einen Standard entscheiden.

Die FCC habe die Gebäudeortung im vergangenen Jahr auch deswegen verpflichtend gemacht, weil Nextnav mit Hilfe von Bosch-Sensoren die Möglichkeit der genauen Höhenbestimmung habe demonstrieren können, sagte Pattabiraman. Entscheidend sei für FCC gewesen, dass die Bauteile nur wenig kosteten und für den Massenmarkt geeignet seien. Laut Bosch verfügen drei von vier Handys inzwischen über sogenannte MEMS-Sensoren (Micro Electro Mechanical System) aus der 1995 gestarteten MEMS-Produktion bei Bosch. Eine Kooperation mit Nextnav war im vergangenen Jahr vereinbart worden.

Einsatz in anderen Ländern möglich

Sollte Nextnav den Zuschlag bekommen, würde das Unternehmen in städtischen Gebieten der USA die MBS-Sender aufstellen. Schon jetzt sei das Unternehmen in 47 US-Regionen präsent und habe bereits 170 Millionen Dollar in Entwicklung und Aufstellung der Sender investiert. Die Geräte zum Stückpreis von 10.000 Dollar verfügen über eine eigene Atomuhr sowie Batterien. Damit soll sichergestellt werden, dass die Ortung auch dann funktioniert, wenn das GPS-Signal gestört ist oder der Strom ausfällt. Der Einsatz in ländlichen Regionen mit wenigen komplexen Gebäuden ist hingegen nicht geplant.

Inwieweit das MBS-System auch in anderen Ländern eingesetzt werden wird, ist derzeit unklar. Pattabiraman räumte ein, dass sich Regierungen anderer Staaten bereits für das System interessierten. Voraussetzung für den Einsatz sei die Bereitstellung des erforderlichen Frequenzbereichs von 900 MHz. Einige Länder aus dem Nahen Osten hätten bereitwillig angeboten, das benötige Band zur Verfügung zu stellen. In anderen Ländern sei das schwieriger.

Eine Verpflichtung von Mobilfunkprovidern zur Notrufortung gibt es in Deutschland nicht. Sollte die erforderliche Hard- und Software jedoch in allen Smartphones zur Verfügung stehen, wäre der Aufbau eines Sendernetzes auch hierzulande umzusetzen. Das Standardisierungsgremium 3GPP hat die entsprechenden Anforderungen in seine Spezifikationen (Release 13) bereits aufgenommen. Nextnav verweist darauf, dass die Verpflichtung der FCC zur Notrufortung im Jahr 2001 zur weiten Verbreitung von GPS beigetragen habe. Das Gleiche erhofft sich das Unternehmen auch von MBS.

Hinweis: Golem.de hat auf Einladung vom Bosch im Silicon Valley verschiedene Startups besucht.

 Boden-GPS: So lassen sich Handynutzer in jeder Gebäudeecke orten
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quasides 21. Nov 2016

du verwechselst das mit einem crowdfunder der dazu nichtmal ein startup sein muss. ein...

tKahner 18. Nov 2016

wenn ich den Artikel richtig verstehe, betrifft das nur Smartphones. Handys werden da...

Vincent-VEC 18. Nov 2016

+1 Gestern noch mit einem externen über die Datensammelwut allgemein gesprochen. Wir...

Moe479 17. Nov 2016

interessant währe es auch zu wissen auf welcher grundlage die regulierungsbehörde so...

empeausk 17. Nov 2016

Es geht mir nicht um Selbstbeweihräucherung aber: Ich selbst habe schon 2009 eine...


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