BMWs Brennstoffzellen-Pkw: Eine flüchtige Idee
BMW-Chef Oliver Zipse hat den Begriff der Technologieoffenheit schon früh verwendet. Diesen füllt der Autohersteller auch mit Leben und bietet den BMW X5 ab 2028 mit fünf Antriebsarten an: Benzin, Diesel, Plug-in-Hybrid, batterieelektrisch und mit einer Brennstoffzelle. Dagegen ist nichts zu sagen. Ein privatwirtschaftliches Unternehmen lässt den Markt entscheiden, welcher Antrieb sich durchsetzt.
Doch 273 Millionen Euro Subventionen für die Brennstoffzelle sind dabei fehl am Platz. Das Bundesverkehrsministerium und das Land Bayern fördern das BMW-Projekt Hypower Drive mit Steuergeldern.
Subventionen sollen neuen Technologien den Markteintritt erleichtern und neue Arbeitsplätze schaffen. Beide Ziele werden hier voraussichtlich nicht erreicht.
Technik kommt von Toyota
Bereits seit 2014 nutzt BMW die Brennstoffzellentechnologie. Beim Aufeinandertreffen der Gase Sauerstoff und Wasserstoff in den Zellmembranen wird elektrische Energie freigesetzt, die einen E-Motor antreibt – eine faszinierende Technik.
Allerdings hält sich der Forschungsaufwand dafür bei BMW in engen Grenzen. Die Zellen stammen nicht aus einem bayerischen Labor. Sie werden seit mehr als zehn Jahren von Toyota aus Japan bezogen.
Platinanteil senken
Das gilt auch für die dritte Generation, die ab 2028 im BMW x5 Hydrogen zum Einsatz kommt. Bereits heute betreibt BMW eine Flotte von knapp 100 Fahrzeugen mit Zellen der vorhergehenden Generation. Der Autor dieses Artikels testete ein solches Fahrzeug bereits im Frühjahr 2025.
Warum noch drei Jahre vergehen sollen, bis der X5 mit Brennstoffzelle auf den Markt kommt, ist unklar. In einem Gespräch am Rande des Pariser Autosalons 2024 sagte BMW-Projektmanager Jürgen Guldner: "Wir gehen die gesamte Liste noch einmal durch, wollen den Platin-Anteil in den Membranen senken, die Effizienz steigern und so mehr Reichweite herausholen, um am Ende zu einem industrialisierten Produkt zu kommen."
Kein BMW-Transporter
Die Arbeitspläne der Bayern überraschen. Bereits im Februar des Jahres teilte Toyota mit, man habe die Energieeffizienz für 20 Prozent mehr Reichweite verbessert. Auch das Zelldesign und der Fertigungsprozess seien überarbeitet worden. Die Japaner betonen, ihr Brennstoffzellen-Stack halte inzwischen in Sachen Haltbarkeit mit einem Dieselmotor mit – ein klares Signal an die Käufer von Nutzfahrzeugen.
Toyota will aufgrund mangelnden Erfolges im Pkw-Segment mit der Brennstoffzelle in Transporter und Zugmaschinen ausweichen. Das kann BMW nicht, denn sie bauen keine Nutzfahrzeuge.
Lkw-Hersteller zögern
Auch wenn in Diskussionen über die Antriebswende immer wieder der Satz fällt, Wasserstoff sei der Schlüssel beim Schwerlastverkehr, bleiben Zweifel. Schon 2022 lautete das Fazit des Autors nach dem Besuch der IAA-Transportation in Hannover: Akku schlägt Brennstoffzelle .
Dieser Eindruck wiederholte sich im Jahr darauf. Auf den Messeständen der großen Marken standen die batterieelektrischen Zugmaschinen im Rampenlicht. Die Brennstoffzellenversion stand weiter hinten oder auf dem Freigelände. Markstart: unbekannt oder in zehn Jahren.
135 Zulassungen im Jahr 2025
Aber zurück zum Pkw-Markt. Da ergibt sich in Deutschland und Europa ein trauriges Bild: Laut Kraftfahrtbundesamt wurden bis einschließlich Oktober 135 Brennstoffzellenfahrzeuge im laufenden Jahr angemeldet. In der gleichen Zeit waren es 434.627 batterieelektrische Pkw.
Die Suche nach absoluten Zahlen beim europäischen Herstellerverband ACEA führt zu keinem Ergebnis. In der September-Meldung wird die Brennstoffzelle nicht explizit ausgewiesen. Sie verschwindet im 3,2-Prozent-Anteil "Andere".
Für das laufende Jahr wird der Toyota Mirai vom European Alternative Fuels Observatory mit 387 Stück als erfolgreichster Brennstoffzellen-Pkw in den 27 EU-Ländern geführt. Toyota selbst gibt an, dass in den vergangenen zehn Jahren 28.000 Exemplare des Mirai in 30 Ländern verkauft worden seien. Allein vom Toyota Yaris wurden im laufenden Jahr 23.600 Stück zugelassen – nur in Deutschland.
Teurer Wasserstoff – kaum Tankstellen
Den Massenmarkt hat der größere und teurere Mirai (ab 71.590 Euro) nie erreicht. In Deutschland haben Kunden bei der Brennstoffzelle auch nur die Wahl zwischen dem Toyota-Modell und dem Hyundai Nexo. Der Konfigurator für das koreanische Modell ist aktuell nicht aktiv, somit gibt es auch keine Preisangabe.
Bei einer Proberunde mit dem Nexo 2020 kostete ein Kilogramm Wasserstoff 9,95 Euro. Da der Umsatz gering ist, die Logistikkosten jedoch hoch sind, liegt der Preis für das Gas aktuell zwischen 15,05 und 19,25 Euro. Der Kilogrammpreis entspricht grob dem Preis für 100 km Fahrleistung.
Beim damaligen Test verzeichnete der Tankstellenverbund H2-Mobility rund 100 Wasserstofftankstellen in Deutschland. Die Zahl sank inzwischen auf 43 Tankstellen, die auf Pkw mit 700 bar Tankdruck ausgelegt sind. Die Schließung weiterer 14 Standorte bis Ende des Jahres kündigte der Verband bereits an. "Diese Tankstellen wurden für einen Pkw-Markt erbaut, welcher sich in den vergangenen Jahren nicht wie erwartet entwickelt hat," sagt Martin Jüngel, Geschäftsführer von H2 Mobility zur Begründung.
Fahrtechnisch keine Vorteile
Kaum Tankstellen, hohe Kraftstoffpreise und fahrtechnisch bietet das Brennstoffzellenauto auch keine Vorteile. Es beschleunigt nicht schneller und kommt auch nicht weiter als der batterieelektrische BMW iX3.
Die Bedingungen für den Marktstart des BMW X5 Hydrogen sind ausgesprochen schwierig. Eine große Zahl Arbeitsplätze dürfte das Projekt nicht sichern, schon gar nicht langfristig.
Sollte BMW mehr als eine niedrige dreistellige Zahl an Fahrzeugen in Europa verkaufen, wäre es ein Wunder. Im Gespräch mit dem Projektleiter wird klar, BMW hat unter anderem Länder im Blick, in denen bei weiten Entfernungen die elektrische Ladeinfrastruktur mangelhaft ist. Brasilien oder Australien sind denkbare Beispiele. Doch muss in diesen Ländern erst noch eine Produktion für grünen Wasserstoff mit nachhaltiger Energie aufgebaut werden.
In Europa hat der Autohersteller Flottenbetreiber wie Taxi-Betriebe im Blick . Allerdings rechnen derartige Unternehmen bei der Fahrzeuganschaffung mit spitzem Bleistift. Ohne Fördergelder dürften sie kaum auf die Wasserstoff-Technik setzen.
Zipses Vertrag bei BMW läuft im kommenden Jahr aus. Wer sein Nachfolger wird, ist unklar, genau wie dessen Position zum Brennstoffzellen-Pkw. Es liegt die Vermutung nahe, dass er oder sie das Projekt sang- und klanglos in der Versenkung verschwinden lassen wird.
IMHO ist der Kommentar von Golem. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)
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