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BMW und Daimler: Mit ganz viel Now gegen die Uber-Konkurrenz

BMW und Daimler bündeln ihre Mobilitätsdienste unter einem Dach. Zwar hat das Dach noch keinen Namen, doch die einzelnen Angebote wie Share Now oder Reach Now sollen ohnehin unabhängig agieren.
/ Friedhelm Greis
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BMW-Chef Harald Krüger und Daimler-Chef Dieter Zetsche strahlen über die neue Kooperation. (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)
BMW-Chef Harald Krüger und Daimler-Chef Dieter Zetsche strahlen über die neue Kooperation. Bild: Friedhelm Greis/Golem.de

Mit dem Zusammenschluss ihrer Mobilitätsdienste wie den Carsharing-Plattformen Drive Now und Car2go wollen die Autohersteller BMW und Daimler langfristig der Konkurrenz aus dem Silicon Valley die Stirn bieten. "Wir liefern die Mobilität der Zukunft" , sagte BMW-Chef Harald Krüger bei der gemeinsamen Präsentation der Pläne mit Daimler-Chef Dieter Zetsche am Freitag in Berlin. Die beiden Firmen wollen zunächst eine Milliarde Euro in fünf Geschäftsfelder investieren. Kooperationen mit anderen Anbietern sowie Übernahmen von Startups oder etablierten Firmen seien nicht ausgeschlossen. Firmensitz werde Berlin sein(öffnet im neuen Fenster) , geplant sei die Einstellung von 1.000 Mitarbeitern weltweit.

Die beiden Firmen, die vor allem im Luxuswagensegment seit Jahrzehnten miteinander konkurrieren, hatten die geplante Fusion ihrer Carsharing-Dienste vor gut einem Jahr angekündigt . Anfang November 2018 hatte die EU-Kommission die Fusion unter Auflagen genehmigt . So müssen die beiden Unternehmen in bestimmten Städten Schnittstellen bereitstellen, so dass andere Anbieter von Mobilitätsdiensten die Carsharing-Angebote in ihre jeweilige App integrieren können. Daimler muss zudem anderen Carsharing-Diensten Zugang zu seiner Mobilitäts-App Moovel gewähren.

Umfirmierung erst ganz am Anfang

Doch die App Moovel sowie die anderen firmenspezifischen Apps wird es nicht mehr lange geben. Für die Carsharing-Dienste soll ist künftig eine einzige App mit dem Namen Share Now geplant. Schon jetzt werden die Autos beider Firmen in beiden Apps angezeigt, allerdings erfolgt die Buchung weiterhin in der speziellen Firmen-App, für jeweils eine eigene Registrierung erforderlich ist.

BMW Group und Daimler AG erklären Reach Now
BMW Group und Daimler AG erklären Reach Now (08:28)

Wann die Umfirmierung beginnt und abgeschlossen sein soll, steht noch nicht fest. Zunächst sollen die Teams der beiden Firmen in den fünf Geschäftsfeldern gemeinsame Geschäftsmodelle entwickeln. Anschließend sollen die neuen Marken etabliert werden. Neben Share Now gehören dazu noch der Ladedienstleiter Charge Now, die Parkplatzvermittler Park Now, die multimodale Mobiltätsapp Reach Now (früher Moovel) und der Mitfahrdienst Free Now. Eine gemeinsame Dachmarke für alle fünf Firmen gibt es noch nicht.

Wachstum vor Profit

Der Schwerpunkt bei der Entwicklung der Dienste solle zunächst beim Wachstum liegen, sagte Zetsche. Dabei gehe Wachstum zunächst vor Profit, wobei die einzelnen Bereiche langfristig profitabel sein müssten. Den Angaben zufolge nutzen derzeit rund 60 Millionen Kunden weltweit die Dienste, von denen allerdings die Hälfte auf den Parkdienst Park Now entfällt. Share Now verfügt demnach über vier Millionen Kunden, die 20.000 Fahrzeuge in 31 internationalen Städten nutzen.

Der Ladedienst Charge Now unterstützt inzwischen mehr als 100.000 Ladepunkte in 25 Ländern. Dazu kooperiert er mit mehr als 250 Ladestationsbetreibern. Das Unternehmen stellt sein Angebot allerdings auch als sogenannte White-Label-Lösung zur Verfügung, so dass Audi für seinen neuen E-Tron diesen Dienst unter Audi Charge anbietet.

Separate Apps für jeden Dienst

Diese unterschiedlichen Dienste sollen in der App von Reach Now zusammengeführt werden. Angestrebt werde eine "Tiefenintegration" , sagte die Chefin des Dienstes, Daniela Gerd tom Markotten. Suchen, Buchen und Bezahlen solle künftig in der App für die verschiedensten Mobilitätsdienste nahtlos möglich sein. Die Integration des öffentlichen Nahverkehrs spiele gerade in europäischen Großstädten eine wichtige Rolle. In die App solle demnächst auch die Möglichkeit integriert werden, ein Mobilitätsguthaben einzurichten. Firmen könnten beispielweise ihren Mitarbeitern einen bestimmten monatlichen Betrag freischalten, den sie dann für die unterschiedlichsten Transportmittel nutzen könnten. Von März an sollen die Mitarbeiter von Daimler Financial Services 100 Euro Guthaben im Monat erhalten.

Doch trotz aller Integration: Die einzelnen Dienste sollen mit ihren Apps auch künftig separat nutzbar sein. Es sei daher nicht geplant, die Apps für Park Now oder Share Now langfristig abzuschalten. Die Unternehmen begründeten die Entscheidung damit, dass viele Nutzer nur einen bestimmten der fünf Dienste nutzen wollten. Zudem könnte eine einzelne App zu komplex werden, wenn sämtliche Funktionen aller Dienste darin integriert werden müssten.

Uber verbrennt deutlich mehr Geld

Die Kooperation ist ein weiteres Beispiel dafür, dass die deutschen Autohersteller bei digitalen Themen ihre Konkurrenz hinter sich lassen, um gemeinsam gegen die IT-Konkurrenz aus dem Silicon Valley mit Google, Uber oder Apple bestehen zu können. Ein erstes Beispiel dafür war die gemeinsame Übernahme des Kartendienstes Here im Jahr 2015. Zuletzt gab es sogar Spekulationen, dass BMW und Daimler beim autonomen Fahren zusammenarbeiten könnten .

Allerdings stellt sich die Frage, ob eine Investition von einer Milliarde Euro ausreicht, um langfristig mit Uber mithalten zu können. Daimler-Chef Zetsche wollte die Frage daher nicht beantworten, wie lange die neuen Firmen mit dem Geld auskommen müssten. Zunächst müssten die Businesspläne aufgestellt werden, dann werde man weitersehen. Vor allem beim sogenannte Ride-Hailing-Geschäft (private Mitfahrgelegenheiten) komme es auf die Größe an.

Uber hat nach eigenen Angaben derzeit etwa 75 Millionen Nutzer weltweit. Der Mitfahrdienst machte aber allein im vergangenen Jahr einen bereinigten Verlust von 1,8 Milliarden US-Dollar(öffnet im neuen Fenster) , nach 2,2 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017. In diesem Jahr könnten Uber und dessen Konkurrent Lyft an die Börse gehen. Ein solches Vorgehen, um Geld von Investoren einzusammeln, schloss Zetsche für die neuen Mobilitätsdienste aber zunächst aus.

Vertrauen trotz Dieselskandal

BMW-Chef Krüger verwies darauf, dass die Autohersteller im Gegensatz zu den IT-Konzernen nicht nur die Software, sondern auch die Hardware kontrollieren könnten. Zudem hätten die Nutzer trotz des Dieselskandals noch Vertrauen in die Hersteller, dass sie mit deren Daten sicher umgehen könnten. Dieses Vertrauen sei wichtig im Datengeschäft.

Die Vision der beiden Firmen: "Die fünf Services verschmelzen immer mehr zu einem Mobilitätsangebot mit vollelektrischen und selbstfahrenden Flotten, die sich selbstständig aufladen und parken sowie mit anderen Verkehrsmitteln vernetzen lassen" , sagte Krüger. In zehn Jahren werde diese Präsentation rückblickend als wichtiger Tag in Erinnerung bleiben.


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