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BMW iVision Dee: Das bunte Origami-Auto aus der Bastelwerkstatt

CES 2023
Nach dem zweifarbigen iX Flow stellt BMW in diesem Jahr sogar ein richtig buntes Auto vor. Wir haben uns die Entwicklung der E-Ink -Technik zeigen lassen.
/ Friedhelm Greis
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Mit einem solchen Auto ist man schnell bekannt wie ein bunter Hund. (Bild: BMW)
Mit einem solchen Auto ist man schnell bekannt wie ein bunter Hund. Bild: BMW

Er war der Hingucker der CES 2022: Mit dem zweifarbigen iX Flow hat BMW im vergangenen Jahr in Las Vegas für weltweite Aufmerksamkeit gesorgt. In diesem Jahr geht der Münchner Autohersteller noch deutlich weiter. Für die Konzeptstudie iVision Dee hat BMW eine vollfarbige Version der E-Ink-Technik entwickelt. Bis zu 32 Farben könnten auf diese Weise dargestellt werden, teilte das Unternehmen mit.

Bereits im vergangenen November zeigte BMW die Entwicklung der farbigen Fahrzeughülle im Forschungshaus Garching bei München. Projektleiterin Stella Clarke hat dort die Technik für den iX Flow konzipiert und experimentiert mit ihrem Team nun an mehrfarbigen Folien. "Das sieht harmlos aus, ist es aber nicht" , sagt die Ingenieurin. Das neue Material bestehe aus mehreren Schichten, die teilweise leitfähig seien und verschiedene Farbpartikel enthielten. "Das Material so zu bearbeiten, wie wir das beim iX Flow gemacht haben, ist wirklich nicht leicht" , erklärt Clark.

Das Material stammt von der US-Firma E Ink, die die elektrophoretische Technik(öffnet im neuen Fenster) zunächst für elektronisches Papier(öffnet im neuen Fenster) entwickelt hat. In die Folien sind Millionen Mikrokapseln eingebracht, deren Durchmesser jeweils der Stärke eines menschlichen Haares entspricht. In jeder dieser Mikrokapseln befinden sich negativ und positiv geladene Pigmente. Je nach gewählter Einstellung wird mittels Anregung durch ein elektrisches Feld dafür gesorgt, dass sich die gewünschten Pigmente an der Oberfläche der Mikrokapseln sammeln und so der Karosserie den gewünschten Farbton geben.

Wie Origami

Das Problem bei BMW: Die Folien müssen genau an die Konturen der Karosserie angepasst werden. "Das Material ist nicht so flexibel, dass man das thermisch verformen kann" , erläutert Clarke. Inspirieren ließ sich die Entwicklerin dabei von gelaserten Holzfiguren. "Wenn man solche Strukturen in Holz schneiden kann, dann wird es flexibel, wie Origami" , sagt Clarke.

In der E-Ink-Werkstatt im Forschungshaus Garching stehen daher große Maschinen zum Schneiden der Folien mit einem Laser. Damit lässt sich das Material zwar an die Karosserie anpassen, doch gleichzeitig gibt es ein neues Problem: "Man braucht Kontaktstellen, um den Strom einzubringen" , sagt Clarke, "anschließend kann man prüfen, ob die Farbveränderung funktioniert." Bevor das Material auf das Fahrzeug aufgebracht werde, müsse es noch laminiert werden.

Die Werkstatt erscheint dabei wie der Traum eines jeden Elektronikbastlers. "Wir machen alles selbst, Lasern, Elektronik und Software" , sagt Clarke. Die Gehäuse für die Steuerungselektronik stammen selbstverständlich aus dem 3D-Drucker. Dass das Anbringen der Kontaktstellen diffizil sein dürfte, zeigen mehrere Mikroskope, unter denen vermutlich gelötet wird.

Bis zu 1.000 steuerbare Segmente

Was die Steuerung betrifft, so nutzt BMW inzwischen neue Controller, die noch schneller schalten sollen. Inzwischen könnten fast 1.000 verschiedene Segmente geschaltet werden. Beim iVision Dee ist die Karosserieoberfläche jedoch nur in 240 Segmente unterteilt, die individuell angesteuert werden könnten. Dadurch lasse sich "eine nahezu unendliche Vielfalt an Mustern generieren und innerhalb weniger Sekunden variieren" .

Ob und wie die E-Ink-Technik künftig bei BMW-Fahrzeugen zum Einsatz kommt, dürfte vor allem davon abhängen, wie sich der Fertigungsprozess vereinfachen und auf eine größere Produktion umstellen lässt. Eine gewisse Nachfrage nach solchen Chamäleon-Autos dürfte es sicherlich geben.

Darüber hinaus sollen Scheinwerfer und geschlossene BMW-Niere eine einheitliche Fläche bilden, die durch die E-Ink-Technik ihren Status ändern kann. "Auf diese Weise lassen sich diverse Mimiken darstellen" , schreibt BMW. So könne der iVision Dee zusammen mit Soundeffekten "mit dem Menschen sprechen und gleichzeitig Stimmungslagen wie Freude, Erstaunen oder Zustimmung auch optisch zum Ausdruck bringen" .

Offenlegung: Golem.de hat auf Einladung von BMW an einer eintägigen Veranstaltung in der Umgebung von München teilgenommen. Die Kosten für die Anreise wurden zur Gänze von BMW übernommen. Unsere Berichterstattung ist davon nicht beeinflusst und bleibt gewohnt neutral und kritisch. Der Artikel ist, wie alle anderen auf unserem Portal, unabhängig verfasst und unterliegt keinerlei Vorgaben seitens Dritter.


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