BMW i8 Roadster: BMW verspielt den Vorsprung bei Elektroautos

BMW war der erste deutsche Autohersteller, der konsequent auf Elektromobilität setzte. Doch zwischen dem i3 und i8 klafft eine große Lücke. Die Fahrt im offenen i8 Roadster hat unseren Autor zwar begeistert, doch es ist die Geschichte einer vergebenen Chance.

Eine Analyse von Dirk Kunde veröffentlicht am
BMW i8 Coupé: Ein Hybrid-Sportwagen begeistert nur wenige.
BMW i8 Coupé: Ein Hybrid-Sportwagen begeistert nur wenige. (Bild: BMW)

Fast lautlos rauscht der BMW i8 Roadster über die Landstraße zwischen Mais- und Getreidefeldern. Auf den Waldstrecken höre ich statt Motorenbrummen Vogelgezwitscher. Jeder Radfahrer, den ich überhole, erschrickt. Sie hören mich nicht kommen. In den Dörfern schauen mir - vor allem Männer - nach. Dabei sollte man in der Region nördlich von München an die sportlichen BMW-Modelle gewöhnt sein.

Inhalt:
  1. BMW i8 Roadster: BMW verspielt den Vorsprung bei Elektroautos
  2. Project i blutet aus

Die Testfahrzeuge werden in Garching an die Fahrer übergeben. In der restlichen Republik sieht man den BMW i8 nur selten. Er ist das Safety-Car bei der Formel-E und wird von der Polizei in Dubai genutzt. In Deutschland sind die Ausstellungsflächen auf Flughäfen sein bevorzugter Lebensraum. Addiert man die Zulassungszahlen des Kraftfahrtbundesamtes, erstes Halbjahr 2018 inklusive, kommt man auf 1.300 Fahrzeuge und das bei 3,2 Millionen zugelassenen BMWs. Das liegt in erster Linie am Preis: Der BMW i8 Coupé startet bei 138.000 Euro, der i8 Roadster bei 155.000 Euro. Die Version meines zweisitzigen Testfahrzeugs kostet 175.000 Euro. In zweiter Linie liegt es an BMWs Innovationskraft. Ein Hybrid-Sportwagen begeistert nur wenige, wenn bereits sechs Jahre zuvor Tesla mit seinem elektrischen Roadster den Grundstein für den automobilen Wandel gelegt hat.

Hier hat BMW leichtfertig seinen Vorsprung verspielt. Die Gründe dafür sind unklar. Sie mögen in internen Strukturen und Streitigkeiten liegen. Die vertane Chance fällt nur aus einem Grund öffentlich nicht sofort ins Auge: Die übrigen deutschen Autohersteller sind auch noch nicht weiter.

Dabei hat alles so gut angefangen: 2013 kommt der batterie-elektrische BMW i3 auf den Markt. Ein Jahr später folgt der i8. Mein erster Gedanke: Was für ein großartig aussehender elektrischer Sportwagen! Da der i3 ein Elektroauto ist, lag die Vermutung nahe, dass das auch für den i8 gilt. Doch der Sportwagen ist ein Plugin-Hybrid mit einem 105-kW-Elektromotor an der Vorderachse und einem 1,5-Liter-Drei-Zylinder-Benzinmotor mit 170 kW im Heck. Im Kanal zwischen Fahrer und Beifahrer stecken Lithium-Polymer-Akku-Zellen mit einem nutzbaren Energiespeichervermögen von 9,4 kWh. Der Bruttowert liegt bei 11,6 kWh. Das sind immerhin 63 Prozent mehr als in der ersten Version.

Der Akku sitzt vor, neben und hinter dem Fahrer

Stellenmarkt
  1. Referentin bzw. Referent (m/w/d) für IT und Digitalisierung
    Behörde für Justiz und Verbraucherschutz, Hamburg
  2. IT-Netzwerkadministrator (m/w/d)
    DRK Landesverband Rheinland-Pfalz e.V., Mainz
Detailsuche

Eine rein batterie-elektrische Variante bekäme die gewünschten Leistungsdaten eines Sportwagens nicht hin, heißt es im Gespräch mit BMW-Experten. Im Sportwagen muss man tief sitzen, somit bleibt für Batterien der Raum vor, neben und hinter dem Fahrer. Aber: Bei Teslas Roadster oder dem Rimac Concept Two geht das. Mit Reichweiten zwischen 650 und 1.000 Kilometer und Beschleunigungswerten von knapp über zwei Sekunden auf 100 km/h. Der i8 Coupé benötigt dafür 4,4 Sekunden.

Aber dieser Wert ist mir herzlich egal. Im Alltag beschleunige ich selten von null auf hundert. Mir ist wichtig, dass der Wagen bei 140 km/h noch ausreichend Reserven hat, um auf 180 km/h für einen Überholvorgang zu kommen. Aber das kann ich an einem Freitag während der bayerischen Sommerferien nicht ausprobieren. Hier sind auf der Autobahn überall maximal 120 km/h erlaubt. Somit kann ich auch die Höchstgeschwindigkeit nicht austesten. Der i8 wird bei 250 km/h von der Software gedeckelt.

Das Head-up-Display zeigt an, wo abgebogen wird

Die Landstraßen sind für den offenen Roadster sowieso die bessere Alternative. Viele Kurven und dank Head-up-Display (HUD) muss ich die Augen nie von der Straße nehmen. Sowohl meine aktuelle als auch die erlaubte Geschwindigkeit sowie die Navi-Richtungsanzeigen schweben gestochen scharf vor dem Wagen. Nutze ich die Schaltwippen am Lenkrad, schaltet das HUD auf eine Gang- und Drehzahlanzeige um. Drücke ich den eDrive-Knopf, fahre ich rein elektrisch. Das funktioniert maximal für 53 Kilometer und nur bis Tempo 120 km/h.

Im Normalfall entscheidet die Software über die kombinierte Leistung beider Motoren mit zusammen 275 kW oder 374 PS. Mit 2,1 Litern Benzin und 14,5 kWh Energie bewältigt man laut Broschüre 100 Kilometer. Ordentlich hörbarer wird der Benzinmotor erst im Sport-Modus. Das Display wechselt von Blau auf Rot. Nun reagiert das Beschleunigungspedal so, wie man es von einem Sportwagen kennt. In diesem Modus geht aber nicht die komplette Leistung des Heckmotors auf die Räder, sondern lädt auch die Batterie auf. So kann ich am Zielort wieder lautlos durch die Straßen rollen.

Stauraum ist rar

Als ich vom BMW Testgelände fahre, habe ich die vollen 53 Kilometer elektrische Reichweite. An einer Schuko-Steckdose dauert eine vollständige Ladung viereinhalb Stunden. Mit der Wallbox verkürzt sich das auf drei Stunden (3,6 kW). Zuallererst öffne ich das Faltdach. Das funktioniert bis Tempo 50 und ist innerhalb von 15 Sekunden erledigt. Da das Verdeck im Heck verschwindet, bleiben nur 88 Liter Stauraum im Heck. Den meisten Platz nimmt hier bereits der Beutel mit dem Ladekabel ein. Aber hinter den beiden Sitzen gibt es ein Ablagefach mit 92 Litern Volumen. Für Supermarkteinkäufe oder einen längeren Familienurlaub ist der Wagen nichts. Es ist ein Spaß-Mobil fürs Wochenende. Damit am Montag der Nacken nicht schmerzt, gibt es eine versenkbare Heckscheibe. Auf Stufe eins hält sie die Luftverwirbelung außerhalb der Fahrerkabine.

Somit ist meine bayerische Landpartie eine komfortable Angelegenheit. Am Fahrerlebnis im Roadster als auch im Coupé gibt es nichts auszusetzen. Doch warum BMW im Sommer 2018 zu Testfahrten aller i-Modelle einlädt, bleibt mir ein Rätsel.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Project i blutet aus 
  1. 1
  2. 2
  3.  


birdy 31. Aug 2018

Wurde die Leute von BMW abgeworben? Hat BMW sie einfach ziehen lassen? Oder hat BMW sie...

SanderK 28. Aug 2018

Wäre, wünschenswert. Aktuell gibt es Städte, wo es kaum noch Händler gibt und die...

Abakus 24. Aug 2018

Argumente interessiert dein Wunschdenken aber nicht, BEVs sind nicht die Zukunft.

nachgefragt 24. Aug 2018

Frag sie doch mal warum Sie das tun. Vielleicht können Sie es dir logisch und...

bofhl 24. Aug 2018

Dabei hat BMW mit den existierenden Fahrzeugen vom Platz her ja Fahrzeuge die sich für...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Waffensystem Spur
Menschen töten, so einfach wie Atmen

Soldaten müssen bald nicht mehr um ihr Leben fürchten. Wozu auch, wenn sie aus sicherer Entfernung Roboter in den Krieg schicken können.
Ein IMHO von Oliver Nickel

Waffensystem Spur: Menschen töten, so einfach wie Atmen
Artikel
  1. Wochenrückblick: Moderne Lösungen
    Wochenrückblick
    Moderne Lösungen

    Golem.de-Wochenrückblick Eine Anzeige gegen einen Programmierer und eine neue Switch: die Woche im Video.

  2. Pornoplattform: Journalisten wollen Xhamster-Eigentümer gefunden haben
    Pornoplattform
    Journalisten wollen Xhamster-Eigentümer gefunden haben

    Xhamster ist und bleibt Heimat für zahlreiche rechtswidrige Inhalte. Doch ohne zu wissen, wer profitiert, wusste man bisher auch nicht, wer verantwortlich ist.

  3. Ransomware: IT-Wiederaufbau in Schwerin könnte Wochen dauern
    Ransomware
    IT-Wiederaufbau in Schwerin könnte Wochen dauern

    Nach dem Ransomware-Angriff auf Systeme der Stadt Schwerin und eines Landkreises müssen Bürger wohl länger mit Einschränkungen rechnen.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Cyber Week: Bis zu 40€ Rabatt auf Samsung-SSDs • ADATA XPG Spectrix D55 16-GB-Kit 3200 56,61€ • Crucial P5 Plus 1 TB 129,99€ • Kingston NV1 500 GB 35,99€ • Creative Sound BlasterX G5 89,99€ • Alternate (u. a. AKRacing Core SX 248,99€) • Gamesplanet Anniv. Sale Classic & Retro [Werbung]
    •  /