BMW i5: Ein Blick in den Spiegel genügt und das Auto zieht rüber
Ein Blick in den linken Außenspiegel genügt und der BMW i5 zieht auf die linke Spur der Autobahn. Meine Hände liegen im Schoß. Der Pilot Assist Plus übernimmt die Fahrt bis Tempo 120. Er könnte es sogar bis 130 km/h machen, doch auf der portugiesischen Autobahn ist nicht mehr erlaubt. Ich lehne mich entspannt zurück und genieße den spektakulären Blick von der Vasco-Da-Gama-Brücke über den Tejo in Lissabon.
Auf dem Beifahrersitz sitzt ein BMW-Mitarbeiter, denn die Funktion wurde vom Kraftfahrtbundesamt nur für Deutschland freigegeben. Das Assistenzsystem zählt zum SAE-Level 2. Somit sind die Fahrer für alles verantwortlich. Erst mit Level 3 und dem Einsatz von Lidar-Sensoren geht die Haftung für derartige Fahrfunktionen auf den Hersteller über.
Mercedes-Benz bietet mit seinem Drive Pilot bereits ein System im Level 3, doch der Stauassistent arbeitet nur bis 60 km/h. Der Wettbewerb, wer seine Autos als erstes hochautomatisiert beziehungsweise autonom fahren lässt, ist längst entbrannt. Ford bietet mit Bluecruise ein vergleichbares System zum BMW i5.
Freihändiges Überholen
BMW hat die Technik bereits in der großen 7er-Limousine im Einsatz. Doch bei der Testfahrt im Herbst 2022 musste der Fahrer noch den Blinker für einen Spurwechsel aktivieren. Für die Funktion nutzt der Autohersteller Kameras, Radarsensoren sowie eine HD-Straßenkarte von Here.
Zunächst aktiviert der Fahrer den Abstandstempomaten. Sobald dieser die Spur und den Vorausfahrenden erkennt, schaltet das System auf Grün. Das sieht man im Fahrer- und Head-up-Display sowie an den zwei LEDs im Lenkrad. Nimmt der Fahrer seine Hände vom Lenkrad, ist die Plus-Funktion aktiviert.
Erkennt das System ausreichend Abstand zu nachfolgenden Fahrzeugen auf der linken oder rechten Spur, schlägt es im Head-up-Display einen Spurwechsel vor. Mit einem Blick in den jeweiligen Außenspiegel nimmt man den Vorschlag an und der Wagen wechselt die Spur.
Gibt es keinen Vorschlag, kann der Fahrer mit seinem Blick auch keinen Spurwechsel vollziehen. Man kann aber immer noch auf eigenen Wunsch über den Blinkerhebel einen Überholvorgang initiieren. "Ich bin damit über 70 Kilometer ohne jeglichen Eingriff gefahren. Das war sehr entspannt," sagte BMW-Technikvorstand Frank Weber bei der Präsentation in Lissabon.
Die Testfahrt in Portugal verläuft ebenfalls entspannt, dank wenig Verkehr auf der Autobahn und dem erwähnten Tempolimit. In Deutschland könnte Tempo 130 für Überholvorgänge auf manchen Strecken schon zu knapp ausfallen. Für BMW ist der Autobahnassistent ein Testballon, wie Kunden derartige Assistenzfunktionen annehmen. Für 850 Euro erhält man Pilot Assist Plus für zunächst zwei Jahre. Wie der Preis für eine Verlängerung aussieht, steht noch nicht fest.
Golf, Fußball und Spiele
Große Teile der Software für Fahrzeug und Smartphone-App entwickelt BMW in Portugal. Hier sind 2.300 von konzernweit 8.500 Entwicklern zu Hause. "Mit unseren beiden Standorten in Porto und Lissabon sind wir das größte Softwareunternehmen des Landes," sagt Jochen Kirschbaum, COO von Critical Techworks.
Der Manager ist seit Gründung des Joint Ventures zwischen BMW und Critical Software im Jahr 2018 dabei. Das Unternehmen bezieht gerade einen größeren Büroturm mit 11.200 Quadratmetern plus Dachterrasse in der Nähe des Messegeländes.
Hier entwickeln Programmierer für die BMW-Produktion, den Kundenservice, Verkauf, Finanzdienstleistungen und Fahrzeuge. Günstigere Personalkosten und lediglich eine Stunde Zeitverschiebung sprechen für den Standort in Südeuropa. In den eigenverantwortlich arbeitenden Teams findet man Scrum Knights, Design Fairys und Rockstar Developer. Sämtliche Rollen werden mit Cartoonfiguren visualisiert.
Bis zu sieben Spieler möglich
Ein Product Visionary präsentiert das neue In-Car-Entertainment. Mit Tivo hält eine Videoplattform Einzug, die unter anderem Youtube, TED sowie den Ryder Cup ins Fahrzeug überträgt. Letzteres ist ein Golfturnier, das BMW unterstützt. Fußballfans können Liveübertragungen und Highlights der Bundesligaspiele anschauen. Die Zusammenarbeit mit der Deutschen Fußball Liga ist ein Test, der zunächst bis März 2024 läuft.
Neben Fußball sind auch Spiele im Angebot. Mit Air Console integrieren die Entwickler das Angebot der Schweizer N-Dream AG. Dabei erklärt der Produktname Air Console bereits die Funktionsweise. Das Smartphone dient als Controller. Bis zu sieben Spieler können mitmachen.
Natürlich verfügt auch die achte Generation des 5er-BMWs nur über fünf Sitzplätze, zwei Spieler müssen während der Ladepause draußen stehen. Während einer Ladepause am Atlantik probierten wir Neighbours, einen Angry-Bird-Klon.
Verbindung via Internet, nicht per Bluetooth
Die Verbindung hakte etwas, da die Smartphones nicht per Bluetooth mit dem Auto, sondern über eine Internetverbindung mit Air Console verbunden waren. Wer also eine schlechte Mobilfunkverbindung hat, erlebt keinen latenzfreien Spielspaß.
Während der Fahrt mit dem Autobahnassistenten sind Spiele und Videowiedergabe nicht möglich. Das ist erst ab Level 3 zulässig, wenn das Fahrzeug die vollständige Kontrolle über die Fahrfunktionen übernimmt.
Offenlegung: Die Reisekosten nach Lissabon und die Übernachtung wurden vom Hersteller übernommen. Unsere Berichterstattung ist davon nicht beeinflusst und bleibt gewohnt neutral und kritisch. Der Artikel ist, wie alle anderen auf unserem Portal, unabhängig verfasst und unterliegt keinerlei Vorgaben seitens Dritter.
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