BMW-Entwicklungsvorstand Joachim Post:"Europa steckt in einer Findungsphase"
Joachim Post ist BMW -Entwicklungsvorstand. Im Golem-Interview plädiert er für Technologieoffenheit, weil noch unklar sei, welcher Antrieb sich im Pkw durchsetze.
"Die Glaskugel, um das vorherzusehen, haben wir nicht" , sagt Joachim Post zur Frage der dominierenden Antriebsart der Zukunft. Deswegen setze BMW auf Technologieoffenheit, die Post "auch privat super" findet. Dazu passt, dass der kommende X5 mit fünf Antriebsarten angeboten wird. Das steigert allerdings die Kosten. Eine Stellschraube, um sie zu reduzieren, ist laut Post Open-Source-Software bei der Entwicklung von Software Defined Vehicles.
Post ist noch relativ neu im Job: Er trat die Stelle als Entwicklungsvorstand im Juni 2025 an. Im Golem-Interview spricht er auch über den umstrittenen Brennstoffzellen-Pkw , über nervige Tempowarner und DMS – und natürlich über den iX3.
Golem: Sind Sie mit Feedback und Vorbestellungen beim iX3, dem ersten Modell der Neuen Klasse, zufrieden?
Joachim Post: Ja, ich bin sehr zufrieden. Nicht nur das positive Echo insgesamt, sondern auch der erfreulich hohe Bestelleingang – sowohl bei Privat- als auch bei Flottenkunden – stimmt uns sehr positiv. Das Modell kommt ja erst im März zu den Händlern. Viele Kunden haben also bestellt, ohne dass sie Probefahrten machen konnten. Das Vertrauen freut uns natürlich!
Golem: Lassen sich die Vorbestellungen in Zahlen fassen?
Post: Detaillierte Zahlen können wir nicht nennen, aber der Auftragseingang ist enorm. Seit der Vorstellung auf der IAA im September 2025 war jeder dritte bestellte vollelektrische BMW in Europa ein BMW iX3.
Golem: Der Aufwand für die Entwicklung der neuen Plattform inklusive Software ist für einen Hersteller mit jährlich rund 440.000 E-Autos hoch. Rechnet sich das im Vergleich zu den globalen Top-Herstellern?
Post: Würden wir die neue Zonen-Architektur mit den vier Superbrains (Rechnern) und die Software nur für ausgewählte Modelle entwickeln, wäre das unbezahlbar. Wir bringen diese Technologien jedoch in alle unserer künftigen Fahrzeuge. Allein in den nächsten zwei Jahren sprechen wir von 40 neuen oder überarbeiteten Modellen über alle Antriebsarten. Damit wirken die Skaleneffekte über die kompletten 2,5 Millionen Fahrzeuge, die wir pro Jahr absetzen. So konsequent, wie wir die Neue-Klasse-Technologien ins gesamte Portfolio bringen, haben wir es zuvor noch nicht gemacht.
Wir haben beispielsweise eine Rechenleistung an Bord, die um den Faktor 20 größer ist als in der letzten Generation. Das versetzt die komplette künftige Flotte in die Lage, auch kommende KI-Funktionen zu adaptieren. Und ganz nebenbei: Wir sind auch der erste Autohersteller, der Alexa+, die KI-Version des Sprachmodells von Amazon, ins Fahrzeug bringt.
Golem: Was kann Ihr Sprachassistent mit der neuen Alexa+-Technologie?
Post: Ein Beispiel: Wenn Sie auf der Fahrt ins Skigebiet sagen, dass Sie noch Sonnencreme benötigen, weiß das System, dieses Produkt findet man in Drogerien, und schlägt einen Zwischenstopp bei entsprechenden Filialen auf dem Weg vor. Wenn Sie nach einer Restaurantempfehlung am Ziel fragen, erfolgt die Empfehlung auf Grundlage von Yelp-Empfehlungen. Sie können über eine Anbindung an Open Table auch direkt einen Tisch in dem Restaurant per Sprachbefehl buchen. Der Mehrwert dieser KI-gestützten Technologie besteht also darin, kombinierte Fragen stellen zu können, und das in einem natürlichen Dialog.
Bild 1/41: Der iX3 ist das Einstiegsmodell von BMW in die sogenannte Neue Klasse. (Foto: Friedhelm Greis/Golem)
Bild 2/41: Statt mit einer protzigen Niere wartet das Elektro-SUV mit kleinen Hasenzähnen auf. (Foto: Friedhelm Greis/Golem)
Bild 3/41: Der iX3 ist 4,78 Meter lang, 1,9 Meter breit und 1,64 Meter hoch. Es gibt kaum Unterschiede zum Vorgänger. (Foto: Friedhelm Greis/Golem)
Bild 4/41: Auffallend am Heck sind die breiten, fast durchgängigen Heckleuchten. (Foto: Friedhelm Greis/Golem)
Bild 5/41: Der Kofferraum des iX3 hat ein Volumen von 530 Litern. (Foto: Friedhelm Greis/Golem)
Bild 6/41: Mit umgeklappten Rücksitzen steigt der Stauraum auf 1.750 Liter. (Foto: Friedhelm Greis/Golem)
Bild 8/41: Der Stauraum unter der Fronthaube fällt mit 58 Litern nicht sehr üppig aus, reicht aber für ein Ladekabel. (Foto: Friedhelm Greis/Golem)
Bild 9/41: Die maximale Ladeleistung beträgt 400 Kilowatt. (Foto: Friedhelm Greis/Golem)
Bild 10/41: Mit der Panoramic Vision hat BMW ein neues Bedienkonzept entwickelt. (Foto: BMW)
Bild 11/41: Die Leiste ist vom Fahrersitz aus gut erkennbar. Der Verkehr lässt sich gleichzeitig noch verfolgen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem)
Bild 12/41: Die Leiste ist rechts und in der Mitte frei konfigurierbar. Selbst Strom und Temperatur des Akkus lassen sich anzeigen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem)
Bild 13/41: Je nach Wunsch lassen sich Navigationshinweise einblenden. (Foto: Friedhelm Greis/Golem)
Bild 14/41: Auf der Teststrecke Ascari ließen sich die fahrdynamischen Eigenschaften testen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem)
Bild 15/41: Dazu nutzten die Fahrzeuge spezielle Reifen von Michelin. (Foto: Friedhelm Greis/Golem)
Bild 16/41: Die Ausweichübung mit Vollbremsung meisterte der iX3 problemlos. (Foto: BMW)
Bild 17/41: Mit dem linken Bedienfeld des Lenkrades werden die Assistenzsysteme gesteuert. (Foto: Friedhelm Greis/Golem)
Bild 18/41: Im Menü lässt sich einstellen, ob die Limiter-Taste genutzt werden soll. (Foto: Friedhelm Greis/Golem)
Bild 19/41: Es gibt keine Tasten für den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug. Die Einstellung erfolgt über das Menü. (Foto: Friedhelm Greis/Golem)
Bild 20/41: Mit dem rechten Bedienfeld steuert man die Medieninhalte und startet die Spracherkennung. (Foto: Friedhelm Greis/Golem)
Bild 21/41: Der Fahrwahlhebel befindet sich in der Mittelkonsole. Den iDrive-Controller gibt es nicht mehr. (Foto: Friedhelm Greis/Golem)
Bild 22/41: Über die Ladeschale lassen sich induktiv zwei Smartphones aufladen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem)
Bild 23/41: Gegen Aufpreis verfügt der iX3 über einen Autobahnassistenten. Das grüne Lenkrad zeigt an, dass die Funktion aktiv ist. (Foto: Friedhelm Greis/Golem)
Bild 24/41: Eine Kamera im Innenspiegel überwacht, ob der Fahrer noch das Verkehrsgeschehen verfolgt. (Foto: BMW)
Bild 25/41: Kameras und Radare überwachen die Umgebung. (Foto: Friedhelm Greis/Golem)
Bild 26/41: An den Außenspiegeln befinden sich ebenfalls Kameras. (Foto: Friedhelm Greis/Golem)
Bild 27/41: Wird der normale Tempomat benutzt, müssen die Hände regelmäßig das Lenkrad berühren. (Foto: Friedhelm Greis/Golem)
Bild 28/41: Beim Autobahnassistenten wird hingegen die Aufmerksamkeit genauer überwacht. (Foto: Friedhelm Greis/Golem)
Bild 29/41: Bei zu häufigen Fehlermeldungen wird die Funktion für 30 Minuten oder bis zum nächsten Halt deaktiviert. (Foto: Friedhelm Greis/Golem)
Bild 30/41: Das automatische Einparken funktionierte gut und ist auch per Handy von außen steuerbar. (Foto: Friedhelm Greis/Golem)
Bild 31/41: Per Apple Carplay und Android Auto lässt sich das Smartphone einbinden. (Foto: Friedhelm Greis/Golem)
Bild 32/41: Im Menü lassen sich Routinen programmieren, die beim Fahrzeugstart ausgeführt werden. (Foto: Friedhelm Greis/Golem)
Bild 33/41: Die Routenplanung liefert auch bei langen Strecken schnelle Ergebnisse. (Foto: Friedhelm Greis/Golem)
Bild 34/41: Der gewünschte Mindestladestand bei Erreichen des Ladestopps oder des Ziels lässt sich einstellen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem)
Bild 35/41: Der Akku lässt sich automatisch oder manuell vorkonditionieren. (Foto: Friedhelm Greis/Golem)
Bild 36/41: Das System zeigt an, ob Ladepunkte an einer Ladestation verfügbar sind. (Foto: Friedhelm Greis/Golem)
Bild 37/41: Auf den Testfahrten im Süden Spaniens lag der Verbrauch meist zwischen 18 und 19 kWh/100 km. (Foto: Friedhelm Greis/Golem)
Bild 38/41: Das entsprach dem Verbrauch der Testfahrzeuge ab Werk. (Foto: Friedhelm Greis/Golem)
Bild 39/41: Die Reichweitenanzeige differierte bisweilen jedoch stark. 671 km bei 73 Prozent Ladestand sind eher unrealistisch. (Foto: Friedhelm Greis/Golem)
Bild 40/41: Realistischer scheinen hingegen die 658 km bei fast vollem Akku. (Foto: Friedhelm Greis/Golem)
Bild 41/41: BMW schlüsselt im Menü den Verbrauch detaillierter auf. (Foto: Friedhelm Greis/Golem)
Golem: Noch mal zu den Entwicklungskosten: Um die zu senken, gibt es das Open-Source-Projekt S-Core, an dem 32 globale Unternehmen auf Initiative des Automobilverbands VDA und der Eclipse Foundation teilnehmen. Bislang stammen die meisten Zeilen Code im Projekt von BMW. Warum machen Sie da mit?
Post: Wir müssen mit einer soliden Basis starten, um schnell konkret werden zu können. Einen Teil dieser kritischen Masse haben wir bereitgestellt. In der Entwicklung zu S-Core 1.0 sehen wir jetzt auch ein hohes Momentum unserer Partner, die sich ebenfalls stark einbringen. Die Entwicklung und der Betrieb der Software-Infrastruktur wächst im Aufwand und muss gleichzeitig mit der Entwicklungsgeschwindigkeit der digitalen Welt mithalten.
Daher ist es sinnvoll, die Kräfte zu bündeln, um Aufwand zu sparen, noch mehr Geschwindigkeit zu bekommen und das Rad nicht mehrfach neu erfinden zu müssen.
Ein Beispiel: Bluetooth-Treiber. Die kabellose Verbindung mit dem Fahrzeug muss man wirklich nicht für jedes Modell selbst neu programmieren. Wir hoffen auch in der Welt der Zulieferer auf eine stärkere Standardisierung. Grundsätzlich geht es darum, die Entwicklungsgeschwindigkeit zu erhöhen und zugleich die Kosten und somit auch den Fahrzeugpreis zu senken.
Golem: Die Preise für Autos sind in den letzten Dekaden immer weiter gestiegen, ganz unabhängig vom Antrieb. Ein Auto zu kaufen, wird für viele Kunden immer schwieriger. Lässt sich dieser Trend stoppen?
Post: Das S-Core Projekt ist hoffentlich ein Baustein dazu. Sie müssen sich aber nur mal ansehen, was der Gesetzgeber beim Auto fordert. Die Regulatorik hat einen erheblichen Anteil bei den Preissteigerungen. Das reicht von Emissionsvorgaben bis zu Assistenzsystemen.