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BMW-Entwicklungsvorstand Joachim Post: "Europa steckt in einer Findungsphase"

Joachim Post ist BMW -Entwicklungsvorstand. Im Golem-Interview plädiert er für Technologieoffenheit, weil noch unklar sei, welcher Antrieb sich im Pkw durchsetze.
/ Dirk Kunde
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Joachim Post findet Technologieoffenheit "auch privat super". (Bild: BMW)
Joachim Post findet Technologieoffenheit "auch privat super". Bild: BMW
Inhalt
  1. BMW-Entwicklungsvorstand Joachim Post: "Europa steckt in einer Findungsphase"
  2. Fünf Antriebsarten auf einer Linie
  3. Freude am Fahren auch bei Level 2 und 3?

"Die Glaskugel, um das vorherzusehen, haben wir nicht" , sagt Joachim Post zur Frage der dominierenden Antriebsart der Zukunft. Deswegen setze BMW auf Technologieoffenheit, die Post "auch privat super" findet. Dazu passt, dass der kommende X5 mit fünf Antriebsarten angeboten wird. Das steigert allerdings die Kosten. Eine Stellschraube, um sie zu reduzieren, ist laut Post Open-Source-Software bei der Entwicklung von Software Defined Vehicles.

Post ist noch relativ neu im Job: Er trat die Stelle als Entwicklungsvorstand im Juni 2025 an. Im Golem-Interview spricht er auch über den umstrittenen Brennstoffzellen-Pkw , über nervige Tempowarner und DMS – und natürlich über den iX3.

Golem: Sind Sie mit Feedback und Vorbestellungen beim iX3, dem ersten Modell der Neuen Klasse, zufrieden?

Joachim Post: Ja, ich bin sehr zufrieden. Nicht nur das positive Echo insgesamt, sondern auch der erfreulich hohe Bestelleingang – sowohl bei Privat- als auch bei Flottenkunden – stimmt uns sehr positiv. Das Modell kommt ja erst im März zu den Händlern. Viele Kunden haben also bestellt, ohne dass sie Probefahrten machen konnten. Das Vertrauen freut uns natürlich!

Golem: Lassen sich die Vorbestellungen in Zahlen fassen?

Post: Detaillierte Zahlen können wir nicht nennen, aber der Auftragseingang ist enorm. Seit der Vorstellung auf der IAA im September 2025 war jeder dritte bestellte vollelektrische BMW in Europa ein BMW iX3.

Golem: Der Aufwand für die Entwicklung der neuen Plattform inklusive Software ist für einen Hersteller mit jährlich rund 440.000 E-Autos hoch. Rechnet sich das im Vergleich zu den globalen Top-Herstellern?

Post: Würden wir die neue Zonen-Architektur mit den vier Superbrains (Rechnern) und die Software nur für ausgewählte Modelle entwickeln, wäre das unbezahlbar. Wir bringen diese Technologien jedoch in alle unserer künftigen Fahrzeuge. Allein in den nächsten zwei Jahren sprechen wir von 40 neuen oder überarbeiteten Modellen über alle Antriebsarten. Damit wirken die Skaleneffekte über die kompletten 2,5 Millionen Fahrzeuge, die wir pro Jahr absetzen. So konsequent, wie wir die Neue-Klasse-Technologien ins gesamte Portfolio bringen, haben wir es zuvor noch nicht gemacht.

Wir haben beispielsweise eine Rechenleistung an Bord, die um den Faktor 20 größer ist als in der letzten Generation. Das versetzt die komplette künftige Flotte in die Lage, auch kommende KI-Funktionen zu adaptieren. Und ganz nebenbei: Wir sind auch der erste Autohersteller, der Alexa+, die KI-Version des Sprachmodells von Amazon, ins Fahrzeug bringt.

Golem: Was kann Ihr Sprachassistent mit der neuen Alexa+-Technologie?

Post: Ein Beispiel: Wenn Sie auf der Fahrt ins Skigebiet sagen, dass Sie noch Sonnencreme benötigen, weiß das System, dieses Produkt findet man in Drogerien, und schlägt einen Zwischenstopp bei entsprechenden Filialen auf dem Weg vor. Wenn Sie nach einer Restaurantempfehlung am Ziel fragen, erfolgt die Empfehlung auf Grundlage von Yelp-Empfehlungen. Sie können über eine Anbindung an Open Table auch direkt einen Tisch in dem Restaurant per Sprachbefehl buchen. Der Mehrwert dieser KI-gestützten Technologie besteht also darin, kombinierte Fragen stellen zu können, und das in einem natürlichen Dialog.

Golem: Noch mal zu den Entwicklungskosten: Um die zu senken, gibt es das Open-Source-Projekt S-Core, an dem 32 globale Unternehmen auf Initiative des Automobilverbands VDA und der Eclipse Foundation teilnehmen. Bislang stammen die meisten Zeilen Code im Projekt von BMW. Warum machen Sie da mit?

Post: Wir müssen mit einer soliden Basis starten, um schnell konkret werden zu können. Einen Teil dieser kritischen Masse haben wir bereitgestellt. In der Entwicklung zu S-Core 1.0 sehen wir jetzt auch ein hohes Momentum unserer Partner, die sich ebenfalls stark einbringen. Die Entwicklung und der Betrieb der Software-Infrastruktur wächst im Aufwand und muss gleichzeitig mit der Entwicklungsgeschwindigkeit der digitalen Welt mithalten.

Daher ist es sinnvoll, die Kräfte zu bündeln, um Aufwand zu sparen, noch mehr Geschwindigkeit zu bekommen und das Rad nicht mehrfach neu erfinden zu müssen.

Ein Beispiel: Bluetooth-Treiber. Die kabellose Verbindung mit dem Fahrzeug muss man wirklich nicht für jedes Modell selbst neu programmieren. Wir hoffen auch in der Welt der Zulieferer auf eine stärkere Standardisierung. Grundsätzlich geht es darum, die Entwicklungsgeschwindigkeit zu erhöhen und zugleich die Kosten und somit auch den Fahrzeugpreis zu senken.

Golem: Die Preise für Autos sind in den letzten Dekaden immer weiter gestiegen, ganz unabhängig vom Antrieb. Ein Auto zu kaufen, wird für viele Kunden immer schwieriger. Lässt sich dieser Trend stoppen?

Post: Das S-Core Projekt ist hoffentlich ein Baustein dazu. Sie müssen sich aber nur mal ansehen, was der Gesetzgeber beim Auto fordert. Die Regulatorik hat einen erheblichen Anteil bei den Preissteigerungen. Das reicht von Emissionsvorgaben bis zu Assistenzsystemen.


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