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Fünf Antriebsarten auf einer Linie

Golem: Welche Antriebstechnik wird sich im Laufe der kommenden zehn Jahre im Pkw durchsetzen?

Post: Die Glaskugel, um das vorauszusehen, haben wir nicht. Unsere Strategie ist seit jeher Technologieoffenheit. Darum gestalten wir unsere Fahrzeugarchitekturen so, dass wir in der Lage sind, das Bordnetz und das Infotainmentsystem unabhängig vom Antrieb zu realisieren.

Noch in diesem Jahr kommt die nächste Generation des X5, bei dem wir in der Lage sind, fünf Antriebsarten auf einer Linie zu fertigen. Das ist für uns als globaler Player wichtig. Der Markt in den USA ist nach wie vor stark verbrennerlastig. In China haben wir eine andere Situation mit dem Schwerpunkt auf Hybrid- und Elektroantrieben.

Europa befindet sich in einer Findungsphase. Dabei haben wir in Skandinavien einen hohen Anteil an Elektroautos. In Südeuropa ist er zum Teil verschwindend gering.

Golem: Die Entscheidung, den X5 mit einer Brennstoffzelle sowie Wasserstoff im Tank anzubieten überrascht – zumindest in Deutschland, wo es gerade mal rund 50 passende Tankstellen gibt. Wo sehen Sie einen Markt für diesen Antrieb?

Post: Wenn Sie nach Korea und Japan schauen, spielt Wasserstoff eine ganz andere Rolle. Auch in Kalifornien besteht hohes Interesse an Wasserstoff. Wir wollen vom Wachstum in diesem Segment profitieren. Für große Fahrzeuge wie den X5 bietet sich das an, weil Batterien schwer und kostenintensiv sind.

Grundsätzlich haben wir beim Wasserstoff aber noch die Henne-Ei-Problematik, wie früher bei der Elektromobilität. Als wir seinerzeit den BMW i3 gebracht haben, war die Ladeinfrastruktur noch sehr lückenhaft. Irgendwann müssen Sie Vorreiter sein und neue Technologien anbieten.

Die Wasserstoffwirtschaft wird entstehen, denn die Industrie benötigt das zur Dekarbonisierung – wie auch der schwere Nutzlastverkehr. Sechs-Tonnen-Batterien in einem Lkw sind ökologisch schwierig und kostentechnisch schwer zu realisieren. Zudem steigt die Abhängigkeit von Rohstoffen aus Asien. Da bietet Wasserstoff eine gute Alternative.

Golem: Bedauern Sie, dass BMW keine Lkw baut?

Post: Überhaupt nicht, BMW ist klassisch auf den Personenkraftverkehr ausgelegt. Das ist unsere große Stärke. Wir werden jetzt nicht anfangen, 40-Tonner zu bauen. Aber ich spreche natürlich mit meinen Kollegen im VDA über Standardisierungsthemen. Man muss neue Technologien breit nutzbar machen. Ein Beispiel ist die Tankstelleninfrastruktur bei Wasserstoff: Hier sollten Zapfsäulen nicht nur für den Nutzlastverkehr passen, sondern auch für Pkw, damit man eben nicht zwei verschiedene Systeme benötigt.

Golem: Die wesentlichen Bauteile dafür liefert Toyota. Was ist ihr Anteil beim Wasserstoffauto?

Post: Wir arbeiten in der Konzeptentwicklungsphase für das nächste Brennstoffzellensystem eng mit Toyota zusammen, um die Kernkomponenten zu vereinheitlichen und ein gemeinsames System für individuelle Toyota- und BMW-Fahrzeuge zu entwickeln.

Toyota wird erneut seine Brennstoffzellen der nächsten Generation an BMW liefern. Seitens BMW übernehmen wir die Entwicklung und Integration der einzelnen Systeme sowie die Absicherung der Montage- und Prüfprozesse, um höchste Qualität und Zuverlässigkeit sicherzustellen. Der Wasserstoffantriebsstrang umfasst neben dem Brennstoffzellensystem auch die Tanktechnologie und eine Pufferbatterie. Zudem liegt die vollständige Industrialisierung und Produktion der gesamten Antriebseinheit bei BMW.

Golem: Der Übergang zu alternativen Antrieben dauert länger als zunächst erwartet. Entwickeln Sie daher weiter an Verbrennungsmotoren?

Post: Wir sind in der glücklichen Situation, dass wir unsere Grundmotoren mit der aktuellen Baukastengeneration der Verbrennungsmotoren so entwickelt haben, dass sie für künftige Abgasgesetzgebungen sowie EU-7 weiter optimiert werden können. Wir haben hocheffiziente Aggregate im Programm, die sich über 48 Volt oder in Kombination mit einem Plug-in-Hybrid mit niedrigen Emissionen und dennoch hoher Performance realisieren lassen.


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