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Bluebrixx USS Enterpise-D aufgebaut: Eines der coolsten Star-Trek-Modelle

Bluebrixx verkauft tolle Star-Trek -Modelle wie die USS Enterprise-D. Es gibt dabei mehr Unterschiede zu Lego als zunächst vermutet.
/ Oliver Nickel
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Die USS Enterprise-D ist ein absoluter Hingucker im Regal. (Bild: Oliver Nickel/Golem.de)
Die USS Enterprise-D ist ein absoluter Hingucker im Regal. Bild: Oliver Nickel/Golem.de

Es gab eine Zeit, in der die dänische Spielzeugfirma Lego nahezu allein auf dem Markt der Klemmbausteine existierte. Diverse Jahre und abgelaufene Patente später wurde dieser Markt immer mehr von Konkurrenz bevölkert. Heute ist Lego längst nicht mehr der definitive Anlaufpunkt für coole Noppenbausteine aus Kunststoff. Andere Firmen wie Cobi, Mouldking, Cada und viele weitere sind bereits mehr oder weniger etabliert.

Unter den Lego-Konkurrenzfirmen befindet sich auch Bluebrixx, ein deutscher Importeur von Klemmbausteinen, der teils auch eigens designte Sets verkauft. Der Hersteller macht es Lego nach und hat sich ebenfalls eine bekannte Science-Fiction-Lizenz besorgt: Star Trek. Das macht uns natürlich hellhörig, schließlich können wir als Star-Trek-Fans es kaum erwarten, die USS Enterprise in unser Regal zu stellen. Doch was taugt die neue Serie von Bluebrixx und wie unterscheiden sich die Produkte vom Branchenführer Lego? Wir sehen schnell Unterschiede.

Eins vorweg: Unsere Bluebrixx Pro USS Enterprise NCC-1701-D (104184)(öffnet im neuen Fenster) aus der Fernsehserie The Next Generation ist kein einfach zusammenzubauendes Modell und daher nicht für Kinder geeignet. Ganz klar: Ein solches Set mit 1.971 Bauteilen richtet sich direkt an erwachsene Klemmbausteinfans. Und selbst dann: Einige Bauschritte wirken hier nicht ganz so gut durchdacht. Andere Vorzüge werden aber beim finalen Produkt ersichtlich.

Vermutlich ist es die Star-Trek-Lizenz: Aber das Bluebrixx-Raumschiff liegt mit knapp 200 Euro im Bereich von Lego-Sets mit ähnlich vielen Bausteinen. Die Enterprise NCC-1701 aus der originalen Star-Trek-Serie von 1966 kostet mit 2.888 Teilen und 220 Euro sogar noch etwas mehr.

Nehmen wir etwa den Lego R2-D2 75308 mit 2.147 Bausteinen für 200 Euro als Vergleich, ist der Unterschied auf dem Papier kaum ersichtlich. Beide Sets setzen auf eine Lizenz (Star Trek und Star Wars), beide haben nahezu gleich viele Teile und beide sind eher für Erwachsene gedacht.

Graue statt bunte Steine

Warum sagen also viele kritische Stimmen, dass Lego an vielen Stellen enttäuscht und es andere Hersteller teilweise besser machen? Oft fällt das Argument der vielen verbauten Farben in Lego-Sets, um laut Hersteller die Übersicht beim Bauen zu verbessern. Bei einigen Sets scheinen die Farben allerdings durch die Verkleidung hindurch und wirken daher teils unpassend.

Nach dem Auspacken merken wir: Das gibt es hier nicht. Sämtliche Teile der Enterprise-D bestehen aus größtenteils grauen (light bluish grey) und schwarzen Elementen. Selbst das Innenleben wird so eingefärbt. Eine Chance, dass hier bunte Steine durch die Fassade scheinen, ist also zu keiner Zeit gegeben.

Dazu sollte gesagt werden, dass die Teile, die im Bluebrixx-Set beiliegen, primär große Platten, Slopes und Standardsteine sind. Gerade flache Grundplatten sind im Hause Lego seltener geworden. So setzt etwa der von Golem.de aufgebaute UCS AT-AT 75313 auf weniger große Platten als die wesentlich günstigere Enterprise von Bluebrixx. Wir bekommen hier also definitiv mehr Bausteinmasse pro Euro. Auch freuen wir uns über die nostalgieanregenden quaderförmigen und simplen Bricks, die bei Lego immer seltener werden und bei der Enterprise-D von Bluebrixx in Massen beiliegen.

Lego hat bessere Steine

Doch wie sieht es mit der Teilequalität aus? Halten wir Lego-Steine und die im Bluebrixx-Set enthaltenen Pendants nebeneinander, sind die Unterschiede bis auf das Hersteller-Branding beim Lego-Produkt nicht allzu groß. Übrigens importiert Bluebrixx Steine vom chinesischen Klemmbausteinhersteller Xingbao, der selbst auch Bausteinsets verkauft, meist mit für die chinesische Kundschaft ausgelegten Themengebieten.

Sowohl Lego als auch Xingbao können die Trennmarkierungen, die durch das Spritzgussverfahren und die Abtrennung der Gussrahmen während der Herstellung der Steine entstehen, nicht ganz kaschieren. Allerdings sind die Markierungen beim Bluebrixx-Modell wesentlich deutlicher wahrnehmbar, obwohl das beim fertig zusammengebauten Schiff kaum ins Gewicht fällt. Schließlich werden die meisten Noppen mit flachen Fliesensteinen und durch Rundschrägen verdeckt.

Wir merken aber beim Bau: Xingbao-Steine müssen generell mit mehr Kraft zusammengedrückt werden und halten dabei teilweise extrem fest zusammen. Das kann ein Vorteil für ein Modell sein, das wir nie wieder auseinanderbauen wollen – wie unsere Enterprise-D im Regal.

Allerdings sollten wir aufpassen: Stecken wir Steine falsch zusammen, hilft in manchen Fällen auch der beigelegte Teiletrennhebel nicht mehr und die Steine müssen etwa durch ein Skalpell voneinander getrennt werden.

Generell kommt die Steinequalität nicht ganz an Lego heran. Dafür verzichtet Bluebrixx auf Sticker.

Bedruckte Klemmbausteine statt Aufkleber

Trotz der hohen Klemmfestigkeit sind die Toleranzen beim Bluebrixx-Modell etwas großzügiger ausgelegt. An einigen Stellen sind die Lücken zwischen einzelnen Teilen unterschiedlich groß. Lego-Bausteine scheinen hier etwas besser genormt zu sein und bauen sich generell angenehmer.

Das bedeutet nicht, dass wir hier minderwertige Steine bekommen. Im Gegenteil: Für den geringeren Preis ergänzen sie gut eine existente Bausteinsammlung – auch in gut nutzbaren Farben wie Grau und Schwarz. Sie sind mit Lego und anderen Herstellern kompatibel.

Definitiv ein Plus: Beim Bluebrixx-Modell für Erwachsene werden sämtliche bedruckten Teile auch tatsächlich bedruckt. Das ist besonders spannend, da gerade die Aufschriften auf der Untertassensektion mit dem Schriftzug U.S.S. Enterprise NCC-1701-D auf einer kreisrunden Bahn gedruckt werden, damit das Modell runder wirkt.

Wir freuen uns über die gute Qualität der Drucke, vor allem, da sie sich teilweise auf mehrere Steine verteilen. Einzig die Aufschrift unterhalb der linken Warpgondel ist etwas schief geraten. Das bekommen wir allerdings auch beim Anbringen der Sticker, die Lego selbst in 800 Euro teure Sets integriert, nicht unbedingt besser hin. Außerdem haben direkte Drucke den Vorteil, dass sie sich im Laufe der Zeit nicht so schnell abnutzen – danke dafür, Xingbao und Bluebrixx.

Komplexe Bauschritte für Erwachsene

Einige Lego-Enthusiasten sehen die Bauanleitungen von Sets meist als viel zu kleinteilig und Bauschritte als kinderleicht an. Bluebrixx verfolgt einen etwas anderen Ansatz und richtet sich direkt eher an erfahrenere Bausteinfans. Das liegt zum Teil an der etwas komplexeren Bauanleitung, die größtenteils sehr durchdacht ist. Es gibt aber Stellen, an denen wir gegrübelt haben.

Die Anleitung an sich unterscheidet sich vom Lego-Vorbild doch recht deutlich. Wir bauen hier zwar auch in nummerierten Schritten unser Modell auf und verwenden dabei Bilder in der ISO-Perspektive. Allerdings wird nur der aktuelle Schritt in voller, hier meist grauer Farbe angezeigt. Das bereits gebaute Stück wird dabei leicht ausgegraut.

So werden Positionen und Farben der zu steckenden Steine schnell ersichtlich. Allerdings kann es selten auch passieren, dass die verblasste Version etwas täuscht, wenn etwa ein dunkelgrauer Stein eines vergangenen Schrittes verblasst fast hellgrau aussieht.

Generell werden in jedem Schritt viel mehr Steine verbaut. So müssen wir etwa die Untertassensektion mit mehr als 100 umgedrehten 2x2-Fliesen bestücken – das alles in einem einzigen Bauschritt. In den allermeisten Fällen ergibt das Sinn. Wir müssen eben nur wesentlich genauer darauf achten, an welchen Noppen wir Stangen und Platten anbringen und dass wir nicht ein kleines Teil vergessen.

Uns ist es das eine oder andere Mal passiert, dass wir uns verzählt haben und daher die schwer voneinander trennbaren Steine wieder auseinanderziehen mussten. Am besten ist es also, wenn wir uns viel Zeit für den Bau nehmen und dabei nicht ungeduldig werden.

Mit genug Geduld macht der Bau der Enterprise-D auch viel Spaß – und das Ergebnis sieht klasse aus.

Star Trek sah selten besser aus

Durch die komplexere und etwas unübersichtlichere Anleitung ist der Bau unseres Modells nicht immer kinderleicht. So müssen wir in einem Bauschritt die bei der Original-Enterprise rot leuchtenden Vorderseiten der Warpgondeln aus vielen kleinen Stangen und Zylindern konstruieren. Die Konstruktion ist so fragil, dass sie uns mehr als einmal während des Einbaus komplett auseinandergefallen ist. Erst wenn wir sie in die graue Schale der Gondeln einklicken – übrigens auch hier mit viel Kraftaufwand – sitzt sie wirklich sehr fest.

An anderer Stelle ist es umgekehrt: Das gesamte Modell ist sehr kopflastig, da die Untertassensektion schwer ist. Dort findet auch ein Großteil der knapp 2.000 Steine seinen Platz. Drücken wir die beiden Raumschiffsektionen in einem Bauschritt zusammen, dann hält das nur auf dem mitgelieferten und direkt zu Beginn zusammengesteckten Sockel. Wenn die Tochter also im Wohnzimmer Raumschiff Enterprise spielen möchte, wird das bei diesem Modell eher schwierig. Die beiden Teile lösen sich dafür einfach zu leicht voneinander.

Übrigens fallen uns auch ein paar Verpackungsfehler auf. Generell ist das Modell nach Lego-Vorbild in nummerierte Tüten eingeteilt. Bei uns fehlten allerdings einige Beschriftungen, so dass wir teils raten mussten, welche Beutel nun zu welchem Bauschritt gehören. Bluebrixx bestellt die Sets in Chargen und setzt Verbesserungen kontinuierlich um. Es ist also möglich, dass wir bei unserer Bestellung eine frühe Version erwischt haben.

Ein paar Fehler bei der Verpackung

Über das Verpackungsdesign selbst können wir derweil nicht klagen: Die Steine werden in zwei Einzelkartons aufgeteilt, die mit einem coolem Grundriss der USS Enterprise-D bedruckt sind. Wir begrüßen auch, dass die Verpackung nur so groß ist wie notwendig und wenig Freiraum im Karton bleibt.

Ja, das Bluebrixx-Modell ist durch die nicht ganz so hochwertigen Teile, die teils komplexeren Bauschritte und einige nicht so gut durchdachte Anweisungen eine größere Herausforderung, als es etwa der von Golem.de aufgebaute Lego UCS AT-AT ist. Das bedeutet nicht, dass der Bau keinen Spaß macht. Wir hatten definitiv Freude, schließlich ist eine (mehr oder weniger gewollte) Herausforderung eine spannende Abwechslung zu den normalerweise kinderleichten Bauweisen bei Lego.

Und ganz ehrlich: Das Endergebnis ist ein sehr schönes Modell der Enterprise-D für die Vitrine. Wir würden uns eventuell noch Minifiguren von Picard, Riker, Worf und anderen Charakteren der Serie als nette Dreingabe freuen. Es ist aber verständlich, dass Bluebrixx darauf komplett verzichtet, um eine möglichst kleine Angriffsfläche für mögliche Rechtsstreits mit der doch recht aktiven Lego-Konkurrenz zu bieten.

Bluebrixx USS Enterprise NCC 1701-D – Verfügbarkeit und Fazit

Bluebrixx verkauft die Enterprise-D für 200 Euro(öffnet im neuen Fenster) im eigenen Onlineshop. Das Modell ist Teil einer ganzen Reihe an Star-Trek-Lizenzprodukten(öffnet im neuen Fenster) . Dazu zählen etwa auch die Ur-Enterprise und kleinere Modelle eines Borg-Kubus, der USS Voyager, der Enterprise-D, des Transportshuttles, eines klingonischen Bird-of-Prey und mehr. Das Modell wird aus einem Lager in Deutschland geliefert. Der Versand erfolgt entsprechend schnell.

Fazit

Auch wenn es für Unwissende den Anschein hat, dass Bluebrixx mit der Enterprise-D nur günstigere Kopien von Lego-Steinen verkauft: Die Enterprise-D und die Star-Trek-Lizenz sind beim Klemmbausteinverkäufer aus Deutschland sehr gut aufgehoben.

Das Modell verwendet Xingbao-Steine, die mit dem Lego-System kompatibel sind. Statt vieler bunter Steine wird hier aber fast ausschließlich Grau und Schwarz beigelegt. Das liegt auch an der typischen Bluebrixx-Anleitung, in der wir uns nicht nach Farben orientieren, sondern zu bauende Schritte nicht verblasst dargestellt werden.

Bluebrixx schafft es, auf Sticker und Aufkleber zu vermeiden, die von einigen Lego-Kritikern teilweise zu Recht bemängelt werden. Sämtliche Aufschriften und Details sind hier gedruckt. Die Qualität der Drucke ist zudem größtenteils sehr gut und eines doch recht teuren Bausatzes würdig.

Die etwas höhere Toleranz, schnell erkennbare Spritzgussmarkierungen und die generell relativ im Vergleich zu Lego schwierig zu steckenden Bausteine mindern den Bauspaß nur wenig. Denn das Konzept bleibt: Stein für Stein ein schönes Modell zu erstellen und sich am Fortschritt und Ergebnis zu freuen.

Hier ist die Ausrichtung an erwachsene Fans definitiv gerechtfertigt: Schritte benötigen teils sehr filigrane Arbeit und eignen sich nicht unbedingt für Kinder. Spielen können wir mit dem Modell, das wirklich nur auf dem Standfuß stabil hält, sowieso nicht.

Das Ergebnis ist aber eines der wohl coolsten Star-Trek-Modelle, das wir uns derzeit ins Regal stellen können. Wir können uns daran nicht sattsehen. Also dann, Star-Trek-Fans: Energie!


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