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Blue Origin: New Glenn soll schon im dritten Flug wiederverwendet werden

Landen reicht nicht, Raketen müssen auch wieder fliegen. Blue Origin will schon beim nächsten Flug der New Glenn zeigen, dass das funktioniert.
/ Frank Wunderlich-Pfeiffer
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Die erste Raketenstufe wird für den zweiten Flug vorbereitet. (Bild: Blue Origin / Screenshot: Golem)
Die erste Raketenstufe wird für den zweiten Flug vorbereitet. Bild: Blue Origin / Screenshot: Golem

Die Schwerlastrakete New Glenn von Blue Origin wird beim dritten Flug die erste Raketenstufe ihres zweiten Flugs wiederverwenden, nachdem sie im November erfolgreich im Atlantik auf einem Schiff landete . Das kündigte der CEO von Blue Origin, Dave Limp, in einem Post auf X an(öffnet im neuen Fenster) , der die alte Raketenstufe zusammen mit einer neuen Oberstufe zeigt.

Blue Origin macht damit deutlich, dass die Wiederverwendung von Raketenstufen ein Jahrzehnt nach der ersten Landung einer Falcon-9-Raketenstufe von SpaceX zum Stand der Technik gehört, sofern die Rakete von Anfang an dafür konzipiert wurde. Die Falcon 9 wurde hingegen als gewöhnliche Einwegrakete konstruiert und erst nach einer Reihe von Mess- und Testflügen für die Wiederverwendung modifiziert.

Gegenüber der Falcon 9 zeichnet sich die New Glenn vor allem durch Triebwerke mit sauber verbrennendem Methan aus, die so weit gedrosselt werden können, dass eine fast leere Raketenstufe vor der Landung schweben und dann langsam abgesetzt werden kann. Ersteres vereinfacht die Aufarbeitung der Triebwerke und Zweiteres macht den Landevorgang wesentlich einfacher als das Hoverslam-Manöver der Falcon 9, die nicht schweben kann und im letzten Moment der Landung das Triebwerk abschalten muss.

New Glenn startet Nutzlasten vor dem Starship

Anders als das Starship, für dessen Triebwerke Ähnliches gilt, setzt die New Glenn mit gewöhnlichen Landebeinen auf. Das vereinfacht das Manöver und minimiert die notwendige Infrastruktur.

Die minimal reduzierte Nutzlast durch das Zusatzgewicht der ersten Stufe wird durch die Landung auf einem Schiff mehr als kompensiert. Denn beim Flug zurück zum Startplatz geht ein großer Teil der Leistung verloren, besonders wenn die Oberstufe ein hohes Leergewicht aufweist.

Im Resultat hat die pragmatischer konstruierte New Glenn bereits zwei Nutzlasten ausgesetzt. Derweil verschiebt SpaceX den Start des 13. Starship immer weiter und hat trotz eines massiven Materialverbrauchs von Hunderten Triebwerken und komplexen Systemen zur Wiederverwendung noch keine orbitalen Flüge demonstriert. Blue Origin will später im Rahmen von Projekt Jarvis neben der derzeitigen Einweg-Oberstufe der New Glenn auch eine wiederverwendbare Stufe entwickeln.

Die vergleichsweise teure wasserstoffbetriebene Oberstufe ist der größte Schwachpunkt der New Glenn. Die Neutron-Rakete von Rocket Labs hat dort ihre Stärke. Sie ist deutlich kleiner und integriert nicht nur Landebeine, sondern auch Nutzlastverkleidung und Haltestrukturen für die Oberstufe in die wiederverwendbare Raketenstufe.

Das Ziel ist die Verwendung einer möglichst leichten und billigen Oberstufe. Die Neutron soll noch in diesem Jahr ihren ersten Flug absolvieren.

Derweil bleibt Europa auf die von Anfang an veraltete Ariane 6 und die kleinere Vega-Rakete angewiesen, auch wenn eine Reihe privater und inzwischen auch immer besser finanzierter Unternehmen wie Isar Aerospace, Rocket Factory Augsburg, PLD Space und Maiaspace den Bau kleiner und teils wiederverwendbarer Raketen in Serienproduktion planen.


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