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Blue Origin: New Glenn ignoriert Probleme und scheitert trotz Landung

Wegen zu viel Zeitdruck: Wiederverwendung erfolgreich, Satellit stürzt ab. Nur vier Minuten vor Start hat es noch ein unverstandenes Problem gegeben.
/ Frank Wunderlich-Pfeiffer
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Kurz nach dem Start schien die Mission noch gut zu verlaufen. (Bild: Blue Origin / Screenshot: Golem)
Kurz nach dem Start schien die Mission noch gut zu verlaufen. Bild: Blue Origin / Screenshot: Golem

Am Nachmittag des 19. April 2026 mitteleuropäischer Zeit ist die New Glenn von Blue Origin zum dritten Flug gestartet, der auf Youtube verfolgt werden konnte(öffnet im neuen Fenster). Dabei wurde die erfolgreich gelandete erste Raketenstufe des zweiten Fluges von November 2025 wiederverwendet. Zehn Minuten später landete sie zum zweiten Mal intakt auf einem Schiff im Atlantik.

Doch der Kommunikationssatellit Blue Bird 7 an Bord der New Glenn musste nach einer Fehlfunktion der Oberstufe in einem zu niedrigen Orbit ausgesetzt werden. Mit einem erdnächsten Punkt von nur rund 150 Kilometern war die Luftreibung zu groß, um den baldigen Absturz des Satelliten mithilfe seiner Triebwerke zu vermeiden. Damit ist die Mission ein Versicherungsfall und vollständig gescheitert(öffnet im neuen Fenster).

Die Probleme kündigten sich schon vor dem Start an, als der erste Startversuch vier Minuten vor dem Start wegen Problemen mit der Datenübertragung von der Bodenstation zur Rakete abgebrochen werden musste. Beim zweiten Startversuch gab es zum gleichen Zeitpunkt, ebenso vier Minuten vor dem Start, eine kryptische Durchsage durch eine offen gelassene Mikrofonleitung im Livestream:

Problem nicht verstanden, trotzdem gestartet

"We do not understand the full impact. Whether it's full loss of a functionality or redundancy therein." (Sinngemäß: Wir verstehen nicht, wie schlimm es ist – ob die Funktion [des Systems] ausgefallen ist oder nur die Redundanz im System.)

Schon bei der Go-No-Go Umfrage im Livestream, 15 Minuten vor dem Start, meldete eine Station: "ESR? – Nicht bereit, bitte warten" und die nächste Station "Go, falls die Probleme mit dem Hochladen der Flugbahn für die Funksysteme behoben werden." Das ist ein ungewöhnlicher Vorgang. Normalerweise wird nur nach einem klaren "Go" von allen Stationen gestartet.

Erst geht das Videosignal und dann die Mission verloren

Nach der Startfreigabe schien der Flug zunächst völlig problemlos zu verlaufen. Jedoch kam es kurz nach Abtrennung der Oberstufe zu einem möglicherweise ungeplanten Verlust des Videosignals von der Rakete. Die weitere Übertragung zeigte zwar die erfolgreiche Landung, jedoch nur noch Bilder vom Boden.

Anschließend wurde noch bestätigt, dass der geplante Parkorbit erreicht wurde. Eine Meldung zur Neuzündung der Triebwerke blieb jedoch aus. Stunden später wurde nur das Aussetzen des Satelliten bestätigt und die Tatsache, dass der Betreiber AST Space Mobile Kontakt zum Satelliten herstellen konnte. Der gab letztlich aber nur den vollständigen Verlust der Mission bekannt.

Es ist zu vermuten, dass das Problem des ersten Startversuchs ein zweites Mal auftrat und der Start nicht verschoben werden sollte. Aus den Durchsagen lässt sich ableiten, dass die Daten zur geplanten Flugbahn vermutlich nicht korrekt an die Rakete oder deren Kommunikationssystem übertragen wurden, aber letztlich muss Blue Origin nun die genaue Natur der schon vor dem Start bekannten Probleme und die Ursache für den Verlust der Mission ermitteln.

Von den drei bisherigen Flügen der New Glenn war es der erste Fehlschlag. Die Rakete soll in einem der nächsten Flüge einen ebenso von Blue Origin entwickelten Mondlander mit drei Tonnen Nutzlast starten. Blue Origin ist eine Firma des Amazon-Gründers Jeff Bezos.


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