Blood of Dawnwalker im Test: Dieses Spiel fände auch der Witcher super
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Gerade haben wir noch eine Wurst gegessen. Nicht aus kulinarischer Begeisterung, sondern weil Hauptfigur Coen im Action-Rollenspiel The Blood of Dawnwalker ein paar Lebenspunkte braucht. Wenig später geht die Sonne unter, unser Held verwandelt sich in einen Vampir und normales Essen hilft ihm nun nicht mehr. Jetzt muss Blut her.
Den Metzger, der uns die Wurst verkauft hat, lassen wir trotzdem in Ruhe. Menschen auszusaugen kann schließlich Folgen haben. Zum Glück laufen in den Gassen und Kellern genügend Ratten herum. Coen packt eine, trinkt und kommentiert die Mahlzeit angewidert. Schön ist das nicht, aber wir sind wieder fit.
Solche Wechsel gehören zum Alltag in The Blood of Dawnwalker. Der Titel des polnischen Entwicklerstudios Rebel Wolves(öffnet im neuen Fenster) spielt im 14. Jahrhundert in Vale Sangora, einem fiktiven Tal in den Karpaten. Coen ist tagsüber Mensch und nachts Vampir. Oder genauer: ein Dawnwalker, der zwischen beiden Welten hängt. Was zunächst nach einem spielerischen Gimmick klingt, bestimmt tatsächlich große Teile des Abenteuers.
Die Ausgangslage: In Europa wüten Krieg und Pest, während Vampire die Schwäche der Menschen ausnutzen. In Vale Sangora haben die sogenannten Vrakhiri die Macht übernommen. An ihrer Spitze steht Fürst Brencis, ein hagerer Obervampir, der eher an Nosferatu als an einen eleganten Blutsauger erinnert.
Brencis ist nicht nur irgendein Bösewicht, dessen Bedeutung wir erst nach 30 Stunden verstehen sollen. The Blood of Dawnwalker zeigt früh, mit wem wir es zu tun haben, und warum wir ihn loswerden wollen. Coens Familie gerät in die Gewalt der Vrakhiri, sein Vater Pieter wird verschleppt. Unser großes Ziel lautet entsprechend schlicht: die Familie retten.
Einfach direkt zu Brencis durchzumarschieren, ist trotzdem keine Option. Coen muss zunächst mächtiger werden und bestimmte Zwischenziele erreichen. Dazu gehören mehrere hochrangige Vrakhiri, die jeweils eigene Bereiche kontrollieren und ebenfalls als klar erkennbare Gegner aufgebaut werden.
Das klingt konventionell, funktioniert aber gut. Vor allem Brencis gibt der Handlung früh ein Gesicht. Gleichzeitig ist Coen ein angenehm unaufgeregter Hauptdarsteller. Seine Verwandlung und sein Widerstand gegen das, was aus ihm geworden ist, wirken glaubwürdig, ohne dass er ständig über sein Schicksal lamentiert.
Auch die Figuren um ihn herum funktionieren, etwa die hübsche Kräuterhexe Anca. Andere Geschichten beschäftigen sich mit Religion, Krankheit und den gesellschaftlichen Verhältnissen der Zeit. Christliche Motive tauchen immer wieder auf. Eine längere Quest dreht sich um einen Mord an der jüdischen Bevölkerung.
Dass bei Rebel Wolves zahlreiche ehemalige Entwickler von CD Projekt Red arbeiten, und Studioleiter Konrad Tomaszkiewicz sogar Game Director von The Witcher 3 war, lässt sich kaum übersehen. The Blood of Dawnwalker kopiert Geralt allerdings nicht einfach.
Die größte Gemeinsamkeit liegt weniger in einzelnen Spielmechaniken als in der Art, wie die Welt erzählt wird. Wir laufen durch Dörfer und Städte, reden mit auffällig vielen Menschen und geraten immer wieder in Geschichten, bei denen die Beteiligten eigene Interessen verfolgen.
Ermittlungen in Osteuropa
Entscheidungen sind häufig so formuliert, dass wir zumindest ungefähr abschätzen können, was wir gerade tun, statt zwischen offensichtlich guter und böser Dialogoption zu wählen.
Auch die Mischung aus düsterer Fantasy, osteuropäischer Kulisse, Monsterwelt und Ermittlungen erinnert an The Witcher 3. Coen verfügt über eine Fokus-Funktion, mit der sich Spuren und wichtige Gegenstände hervorheben lassen. Wir untersuchen Tatorte, verfolgen Hinweise und reden mit Verdächtigen.
Allerdings sollte niemand ein Detektivspiel erwarten. Die meisten Untersuchungen sind ausgesprochen einfach. Taste drücken, hervorgehobene Stellen ablaufen, anklicken, fertig. Echte Rätsel oder komplizierte Schlussfolgerungen gibt es kaum.
In dieser Hinsicht ist The Blood of Dawnwalker deutlich zugänglicher als Kingdom Come Deliverance 2, an das uns einige mittelalterliche Ortschaften und vor allem die Kämpfe ebenfalls erinnern. Das Rollenspiel von Warhorse ist spielerisch erheblich komplexer und fordert mehr Eigeninitiative.
Eigenständiger wird das Spiel durch den Wechsel zwischen Tag und Nacht. Bei Tageslicht ist Coen weitgehend Mensch. Er kämpft mit dem Schwert, kann mit Leuten reden und bewegt sich auf normale Weise durch die Welt. Nach Sonnenuntergang kommen seine Vampirfähigkeiten hinzu.
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