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Blood Falls: Darum sind die Blutfälle in der Antarktis rot

Unterhalb des Taylor-Gletschers liegt ein See, aus dem das rote Wasser kommt. Erforschen kann man ihn derzeit nicht, das Ökosystem im See könnte dadurch zerstört werden.
/ Patrick Klapetz
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Ein Bild der Blood Falls in der Antarktis, aufgenommen am 4. Dezember 2004 (Bild: Jill Mikucki/University of Tennessee Knoxville)
Ein Bild der Blood Falls in der Antarktis, aufgenommen am 4. Dezember 2004 Bild: Jill Mikucki/University of Tennessee Knoxville

Die Wasserfälle des Taylor-Gletschers der Antarktis erinnern an ein blutüberdecktes Schlachtfeld. Aus dem Gletscher tritt an einer Stelle klares Wasser aus, unterhalb dieser Austrittsstelle sind Eis und Wasser jedoch rot gefärbt.

Forscher haben nun herausgefunden, was die Rotfärbung verursacht: winzig kleine Nanokügelchen eines unterirdischen Sees. Die Johns Hopkins Universität gab dazu am 26. Juni 2023 eine Pressemitteilung heraus(öffnet im neuen Fenster) .

Das Forschungsteam entnahm eine Wasserprobe der Blood Falls und untersuchte sie mit einem Transmissionselektronenmikroskop. Diese Art von Elektronenmikroskop bildet Objekte mithilfe von Elektronenstrahlen direkt ab. Die untersuchte Probe enthält Nanokügelchen, die aus Eisen, Silizium, Kalzium, Aluminium und Natrium bestehen. Das oxidierte Eisen sorgt dabei für die Rotfärbung.

Unterirdischer, mysteriöser See ist Ursprung des roten Wassers

Bereits 1911 wurden die Blutfälle oder Blood Falls in der Antarktis entdeckt. Bisher wurde angenommen, dass der Eisenanteil auf Mineralien zurückzuführen sei, die das Wasser auf seiner Wanderung über das Gestein mitnimmt. Das ist laut Ken Livi von der Johns Hopkins Universität jedoch falsch: "Um mineralisch zu sein, müssen Atome in einer sehr spezifischen, kristallinen Struktur angeordnet sein. Diese Nanokügelchen sind nicht kristallin, deshalb konnten die Methoden, die bisher angewendet wurden, um die Festkörper [im Wasser] zu untersuchen, sie nicht entdecken."

Seit vielen Millionen Jahren liegt unterhalb des Taylor-Gletschers ein alter See, der ein ganz eigenes Ökosystem von Mikroben beherbergt. Dort herrscht ein hoher Druck und der See besteht aus zähflüssigem, salzigen Wasser. Warum die Mikroben dort überleben, ist dem Forschungsteam weiterhin ein Rätsel. Die genauen biochemischen Kreisläufe mit Schwefel- und Eisenionen verstehen sie noch nicht.

Zwar könnte eine Bohrung durch das Eis und eine Probeentnahme eine Antwort liefern. Jedoch sei die Gefahr zu groß, dieses fragile Ökosystem damit zu zerstören. Der Fund zeigt aber, unter welchen extremen Bedingungen Leben auf der Erde möglich ist - und daraus könnte die Fachwelt auch Erkenntnisse für die Suche nach Leben in unserem Universum gewinnen.

"Was würde passieren, wenn ein Mars-Rover in der Antarktis landet? Würde er herausfinden können, was die Blutfälle rot macht?" , fragt Livi, der sich auch mit extraterrestrischen Materialien beschäftigt. Er vermutet, dass wir darauf keine Antwort erhalten würden. Denn mit den derzeitigen Mitteln sei es nicht möglich, ein Transmissionselektronenmikroskop zum Mars zu schicken.

Zur Studie

Seine Forschungsergebnisse veröffentlichte das Team bereits im Mai 2022 im Fachmagazin Frontiers in Astronomy and Space Sciences. Der Titel: A Multi-Technique Analysis of Surface Materials From Blood Falls, Antarctica(öffnet im neuen Fenster) (Eine multitechnische Analyse der Oberflächenmaterialien von Blood Falls, Antarktis).


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