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Blogs: "Deutsche Blogger müssen professioneller werden!"

Re:publica 2012
Ausländische Blogplattformen zieht es nach Deutschland. Blogger Sascha Pallenberg befürchtet das Schlimmste - wenn die "Grabenkämpfe" zwischen Journalisten und Bloggern nicht endlich aufhören.
/ Steve Haak
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Besucher der Re:publica 2012 in Berlin (Bild: Sean Gallup/Getty Images Europe)
Besucher der Re:publica 2012 in Berlin Bild: Sean Gallup/Getty Images Europe

Die Huffington Post(öffnet im neuen Fenster) ist ein gutes Beispiel für eine erfolgreiche amerikanische Blogplattform. Dort heißen die Blogger nicht Blogger, sondern Bürgerreporter. Sie veröffentlichen ihre Artikel auf der reichweitenstarken Plattform und holen sich damit neue Leser für ihr eigenes Blog. Die Huffington Post wiederum bekommt so Artikel, die sie bekannter macht und ein breites Themenspektrum abdecken. Ein Win-win-Konzept, mit dem in naher Zukunft auch hierzulande die Bloggerszene konfrontiert wird. Denn Huffington-Post-Gründerin Arianna Huffington(öffnet im neuen Fenster) hat einen deutschen Ableger der Seite angekündigt(öffnet im neuen Fenster) .

Sascha Pallenberg über die Blogosphäre - Republica 2012
Sascha Pallenberg über die Blogosphäre - Republica 2012 (09:44)

Es gibt noch viele weitere solcher Plattformen. Die heißen zum Beispiel Techcrunch(öffnet im neuen Fenster) und Boy Genius Report(öffnet im neuen Fenster) , machen aber im Grunde dasselbe wie die Huffington Post: Beiträge von Bloggern zu veröffentlichen. Und sie zieht es ebenfalls nach Deutschland. Mit verheerender Wirkung auf die Bloggerszene hierzulande, befürchtet Blogger Sascha Pallenberg: "Die holen sich ein paar hundert Blogger und die hauen da Content rein, auf eine Art und Weise, wie man es sich nicht vorstellen kann" , sagte Pallenberg Golem.de.

Die deutsche Blogosphäre hängt um Jahre zurück

Pallenberg ist mit seinem Netbooknews-Blog(öffnet im neuen Fenster) international erfolgreich. Er lebt in Taiwan und beobachtet die europäische Bloggerszene mindestens so genau wie den IT-Markt. Über den macht er sich keine Sorgen. Die Blogosphäre sieht er in Gefahr: Das Gros der deutschen Blogosphäre sei um Jahre zurück im internationalen Vergleich, sagte Pallenberg.

Woran liegt das? Den Bloggern werden oft fehlende journalistische Kenntnisse vorgeworfen. Der deutsche Journalist und FAZ-Herausgeber Werner D'Inka formulierte es bei einem Kongress zum Bürgerjournalismus so(öffnet im neuen Fenster) : "Oder würden Sie sich unter einem Glasdach wohlfühlen, das von Bürgerarchitekten gebaut wurde?"

Das Wort Qualitätsjournalismus sei irgendwann von den Massenmedien erfunden worden, um sich von den Neuen Medien abzugrenzen, sagte Pallenberg. Das habe viele Blogger verstimmt. "Wir haben nach wie vor diese blöden Grabenkämpfe zwischen Blogger und Journalisten." Diese hörten erst auf, wenn beide Seiten aufeinander zugehen würden.

Der Blogger ist der Fachmann

Die Zusammenarbeit zwischen den traditionellen Medien und den Bloggern hält Pallenberg für notwendig. "Es gibt so viele Blogger da draußen, die Themen besetzen, die von den Mainstreammedien aufgenommen werden." Der Blogger sei der absolute Fachmann für das Thema. Mit ihm zusammenzuarbeiten, werte manche Beträge inhaltlich zusätzlich auf. Stattdessen koche aber jeder sein eigenes Süppchen.

Mit Professionalität hätten die Blogger eine Chance

Aus dem Grund sei der deutsche Markt für die amerikanischen Plattformbetreiber so attraktiv. Was Professionalität anbelangt, sei Deutschland eine Wüste. "Darum sollten deutsche Blogger ihre Eitelkeiten ablegen" , so Pallenberg. Sie müssten mit den traditionellen Medien stärker zusammenarbeiten, um der drohenden Gefahr etwas entgegensetzen zu können. Professionalität habe nichts damit zu tun, sich zu verkaufen. Professionalität sei, die Dinge, die man liebt und gern macht, professionell anzugehen. Nur dann habe man eine Chance.

Ob das Geschäftsmodell der amerikanischen Plattformen hierzulande so erfolgreich wird wie in den USA, ist allerdings fraglich. Es fehlt an einer so großen Anzahl von Bloggern, wie sie in Übersee zu finden sind. Auch das Bezahlmodell ist unklar. Die Bürgerreporter der Huffington Post arbeiten unentgeltlich. Dagegen hatten mehrere Blogger in den USA geklagt(öffnet im neuen Fenster) , als die Onlinezeitung für 315 Millionen US-Dollar von AOL gekauft wurde. Die Klage scheiterte.


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