Barrierefreiheit kann vieles bedeuten
Es gibt immer mehr KI-Tools – zum Beispiel Nvidia ACE und Microsoft Gaming Copilot -, die beschreiben und sogar analysieren können, was auf dem Bildschirm gerade zu sehen ist ...
Ja, diese Tools können nicht nur beschreiben und analysieren, sondern auch bestimmte Dinge erledigen. Sagen wir, ich stecke im Menü fest und weiß nicht, wo ich bin. Die KI kann mir sagen, wo ich mich befinde, und mir einige Wahlmöglichkeiten geben – zum Beispiel eine Trainingseinheit mit einem Dummy zu starten, der ununterbrochen herumspringt.
Oder nehmen wir an, du spielst ein Pokémon-artiges Spiel und hast dich auf der Karte verirrt. Dann kannst du die KI bitten, dich zum nächsten Pokémon-Center zu führen. Manchmal musst du auch – um zur nächsten Map zu gelangen – einen Baum fällen, der den Weg dorthin blockiert.
Aber dafür darfst du nur einen ganz bestimmten, kleinen Schritt vom Baum entfernt stehen – und das ist ziemlich schwierig einzuschätzen, wenn man nicht sehen kann, wo man gerade ist. Also könnte man die KI nutzen, um sich dorthin führen zu lassen – und anschließend den Baum zu fällen. Auch viele andere Games könnten vermutlich KI nutzen, um blinde Spieler zu unterstützen.
Welche Botschaft hast du für Leute, die ähnliche Hürden zu überwinden haben wie du?
Ich habe in meinem Leben schon viele schwierige Erfahrungen gemacht – zunächst das Erblinden durch Krebs, dann das Aufwachsen als Teenager, wobei ich immer viele Hindernisse überwinden musste. Als Mensch mit Behinderung muss man oft neue Wege gehen, weil man der Erste ist, der etwas Bestimmtes macht – und weil niemand weiß, wie oder ob das funktioniert.
Wenn du zum Beispiel als Erster ein bestimmtes Studium aufnimmst, sind das Studienmaterial und die nötigen Tools wahrscheinlich nicht für dich als blinde oder taube Person oder was auch immer optimiert. Das heißt, in deinem Leben bist du sehr oft ein Pionier.
Die meisten Dinge in unserer Gesellschaft sind für Menschen ohne Behinderung gemacht – der Touchscreen ist ein gutes Beispiel. Bevor Touchscreens populär wurden, hatten alle Geräte Knöpfe – von Waschmaschinen über Staubsauger bis hin zu Fernsehern. Dann wurden plötzlich Touchscreens eingeführt: Jeder schien sie zu mögen – außer eben Menschen mit Behinderung.
Ich erinnere mich, dass meine Freundin und ich nach einer neuen Waschmaschine gesucht haben. Es war so schwer, eine zu finden, die wir bedienen konnten, weil die meisten nur noch Touchscreens hatten. Wenn man Glück hatte, gab es zumindest einen separaten Ein-/Aus-Knopf, den man fühlen und drücken konnte.
Was ich damit sagen will: Viele Erfindungen richten sich an Menschen ohne Behinderung. Und erst später, wenn etwas breitflächig eingeführt und übernommen wird, müssen Lösungen gefunden werden, um es für Menschen mit Behinderung zugänglich zu machen.
Was aus Sicht von Menschen mit Behinderung ziemlich spät ist.
Genau. Deshalb möchte ich denjenigen Leuten etwas sagen, die die Macht haben, etwas zu erfinden oder zu entwickeln: Denkt an die Menschen, die euer Produkt nutzen werden! Denkt an diejenigen, die nicht alles können, was ein Mensch normalerweise kann – also sehen, fühlen, riechen, hören oder was auch immer – und die trotzdem dieses Produkt benutzen müssen. Wie würdet ihr das lösen?
Angenommen, ihr entwickelt eine Gaming-App, die ihr auch für blinde Menschen zugänglich machen wollt. Dann könnt ihr entweder blinde Menschen kontaktieren und fragen: "Hey, könnt ihr das testen und mir Feedback geben?" Oder ihr verbindet euch die Augen und benutzt eure App, um herauszufinden, wie ihr sie nutzen könnt – und was noch fehlt.
Seid kreativ! Und schämt euch nicht und habt keine Angst, die Menschen zu kontaktieren, die vermutlich Accessibility brauchen – sie können euch mit Tipps und Tricks helfen!
Das Interview erschien zuerst im IGM International Games Magazin, Ausgabe 14/25 und ist online hier nachzulesen(öffnet im neuen Fenster). Für Golem wurde es leicht überarbeitet.
- Blinder Gamer: Der Sound verrät ihm, wo sich sein Gegner befindet
- ''Ich habe Jahre gebraucht, um gute Kopfhörer zu finden''
- ''Du kannst hören, wo auf der Karte du dich befindest''
- ''Wenden Sie sich bitte an unseren Kunden-Support''
- Auch kleinere Firmen sind gut darin, Accessibility umzusetzen
- Barrierefreiheit kann vieles bedeuten
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