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Blinden- und Sehbehindertenverband: Elektroautos sollen lauter werden

Die gesetzlichen Vorgaben für die akustischen Warnsysteme von Elektroautos reichen nach Ansicht des Blindenverbandes weiterhin nicht aus.
/ Friedhelm Greis , dpa
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Elektroautos können trotz geringer Geräusche sehr schnell unterwegs sein. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Elektroautos können trotz geringer Geräusche sehr schnell unterwegs sein. Bild: Martin Wolf/Golem.de

Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) dringt angesichts der stärkeren Verbreitung von Elektroautos auf besser wahrnehmbare Fahrzeuggeräusche. "Beim Verbrenner kann man hören, wie stark jemand aufs Gas drückt, ob ein Fahrzeug sanft oder kräftig beschleunigt" , sagte Verbandspräsident Hans-Werner Lange der Nachrichtenagentur dpa. Bei Elektroautos könne man dies trotz des Warnsystems Avas nicht so gut heraushören.

Nach Ansicht Langes müssten die Fahrgeräusche aussagekräftiger werden. Seine Empfehlung: "Dabei wäre es sicherlich hilfreich, wenn die Industrie sich am gewohnten Verbrennergeräusch orientiert." Wichtig sei zudem, dass sich das Geräusch nicht bei Erreichen von Tempo 20 abschalten dürfe.

Das Warnsystem Avas (Acoustic Vehicle Alerting System) ist laut EU-Verordnung 540/2014(öffnet im neuen Fenster) seit Juli 2021 Pflicht. "Das Schallzeichen sollte eindeutig auf das Fahrzeugverhalten hinweisen und mit dem Geräusch eines mit Verbrennungsmotor ausgestatteten Fahrzeugs der gleichen Klasse vergleichbar sein" , heißt es in dem Dokument. Dabei müsse das System "mindestens im Geschwindigkeitsbereich zwischen dem Anfahren und einer Geschwindigkeit von etwa 20 km/h sowie beim Rückwärtsfahren automatisch ein Schallzeichen erzeugen" .

Elektroautos schlechter wahrnehmbar

Doch nach Ansicht des Blindenverbandes ist ein Fahrzeug, das den rechtlichen Vorgaben entspricht, akustisch dennoch schlechter wahrnehmbar als ein vergleichbarer Verbrenner. Dabei beruft sich der Verband auf eine Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) vom April 2022(öffnet im neuen Fenster) . Demnach wurden die Elektrofahrzeuge langsamer eingeschätzt, als sie tatsächlich unterwegs waren. Der Effekt sei mit höherer Beschleunigung stärker geworden.

Die UDV empfahl in der Studie eine Optimierung der Avas-Vorgaben. Dabei solle der Fokus unter anderem auf das Erkennen von Beschleunigungen gelegt werden. Empfohlen wurde zudem, den Einsatzbereich des Systems auf Geschwindigkeiten von mehr als 20 Kilometer pro Stunde auszuweiten. Verbandspräsident Lange sagte mit Verweis auf die Studie, dass das Reifengeräusch ab dem Erreichen von Tempo 20 nicht ausreiche, um gut herauszuhören, ob und wie ein Auto beschleunige.

VDA: Hersteller können Vorgaben frei umsetzen

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) erläuterte, international habe man sich unter Mitwirkung weltweiter Blinden- und Sehbehindertenverbände auf eine einheitliche Bestimmung für die Hörbarkeit geräuscharmer Fahrzeuge verständigt. Hersteller hätten die Möglichkeit, die akustischen Signale innerhalb dieser Vorgabe technisch frei zu gestalten. "Teils werden hierzu auch Geräusche von Verbrennungsmotoren imitiert" , sagte ein Sprecher.

Ein einheitlicheres Vorgehen propagiert hingegen der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Dazu hat die Branche einen eigenen künstlichen Sound für E-Busse entwickeln lassen . Es obliegt jedoch weiterhin den Busherstellern, ob sie dieses Warngeräusch übernehmen.


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