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Die grafische Benutzeroberfläche macht es für Blinde schwerer

Ganz ähnlich ist es mit Computern. Ebenjene Revolution, die diese seit den 80er-Jahren auch für Laien nutzbar gemacht hat, hat sie für Blinde unzugänglicher werden lassen: die grafische Benutzeroberfläche. Für den Sehenden hat die Einführung von Icons, Menüs, Fenstern und Mauszeigern die Nutzung des Computers intuitiver gemacht. Man klickt mit dem Zeiger auf bunte Symbole, um ein Programm zu starten, statt umständliche Textbefehle einzutippen. Man öffnet verschiedene Anwendungen in verschiedenen Fenstern wie Schubladen in einem Schrank. Alles ist einfach. Wenn man sehen kann.

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Schöpplein dagegen bewegt sich am liebsten in einem reinen Textumfeld. Er hat gute Erinnerungen an die Zeiten von MS-DOS, bevor alles grafisch wurde. Heute benutzt er Linux Debian, weil er auch hier fast alles über Textbefehle machen kann. Wenn er kann, benutzt er auch im Internet einen Browser, der die Webseite gleich als Text darstellt. Das Problem: "Die sind meistens aus dem letzten Jahrhundert." Lynx zum Beispiel könne nicht einmal mit Javascript umgehen.

Komplexe Webseiten zu bedienen, ist schwieriger als programmieren

Als Senior System Engineer ist Schöpplein für "Second-Level-Anfragen" zuständig, für die Probleme, die ein bisschen schwieriger sind. Programmieren muss er selten, aber es kommt vor. Im vi-Editor schreibt er dann zum Beispiel eine Anwendung, die Kundendaten so aufbereitet, dass sie direkt ins System eingespeist werden können, integrierte Programmierumgebungen (IDE) benutzt er nicht - auch wenn viele andere blinde Programmierer das tun. Für Schöpplein ist Programmieren manchmal einfacher, als eine komplexe Webseite zu bedienen - weil er sich beim Programmieren in einem textbasierten Umfeld bewegt. Perl, Javascript, SQL, Python - die Syntax dieser Sprachen zu behalten, ist für Schöpplein kein Problem. Verwirrender ist es, wenn Bilder, Pop-ups und Grafiken durcheinanderfunken.

  • Arbeitsgeräte eines blinden Programmierers (Bild: Julia Ley)
  • Eine elektronische Braille-Zeile ist an Schöppleins Laptop angeschlossen. Sie nutzt er zum Lesen, zum Schreiben wechselt er auf die normale Tastatur. (Bild: Julia Ley)
  • Ohne Maus und nur über Tastenkombinationen arbeitet Christian Schöpplein und ist dadurch besonders schnell.(Bild: Julia Ley)
Arbeitsgeräte eines blinden Programmierers (Bild: Julia Ley)

In dieser Hinsicht unterscheidet sich die virtuelle Welt, in der Schöpplein sich bewegt, nicht allzu sehr von der analogen. Die Ordnung, die auf Schöppleins Bildschirm herrscht, spiegelt sich in seiner Wohnung wider. Alles hat einen festen Platz, kaum etwas steht herum, nur zwei Bilder hängen an der Wand. Die Struktur hilft ihm, sich alleine zurechtzufinden. Es ist Mittagszeit. Schöpplein steht auf, um sich beim Griechen einen Sportlersalat zu holen. Zielsicher geht er zur Tür, greift nach Laceys Führgeschirr, das immer dort hängt, und ruft seine Hündin herbei.

 Es ist, wie mit dem Fuß zu sehen
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Duke83 28. Jan 2016

Ihr könnt ihn ja mal anmailen, würde mich auch interessieren.

mauorrizze 20. Jan 2016

@spiderbit: Email wurde ja quasi als Standard veröffentlicht. Für das WWW gibt es auch...

deadeye 14. Jan 2016

Also dein Vergleich zwischen Induktivität und Produktivität finde ich gut. Mir kamen als...

alcarsharif 12. Jan 2016

... ist ein amerikanischer Programmierer, der seit seiner Geburt blind ist. Ich hab ihn...

TuX12 12. Jan 2016

der Mitarbeiter mit dem Kunden telefoniert und mit Maus und Tastatur in der Fachanwendung...


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